ING und Sparkasse: Banken fahren Systeme diese Woche herunter
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 03:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Mehrere große Geldhäuser in Deutschland schalten ihre Systeme diese Woche für geplante Updates ab. Zeitgleich warnt die Finanzaufsicht vor steigenden Risiken durch IT-Pannen und Hackerangriffe auf Dienstleister.
Wartungsfenster bei ING und Sparkasse
Die ING hat in der Nacht zum heutigen Samstag umfangreiche Wartungsarbeiten gestartet. Seit Mitternacht sind sowohl die Mobile-Banking-App als auch das Online-Banking voraussichtlich für mehrere Stunden nicht erreichbar. Echtzeitüberweisungen stehen während des Updates ebenfalls nicht zur Verfügung. Die Bank hatte ihre Kunden gebeten, dringende Transaktionen noch am Freitagabend abzuschließen.
Weitere Wartungsfenster sind für Anfang der Woche geplant. Die Sparkasse Bielefeld kündigte für Dienstag, den 21. Juli 2026, zwischen 3:00 und 6:00 Uhr morgens eine Systemaktualisierung an. Betroffen sein werden dann das Online- und Mobile-Banking sowie das pushTAN-Verfahren. Die Wiederherstellung aller Dienste wird für 6:00 Uhr erwartet.
BaFin: Jeder zweite schwere IT-Vorfall geht auf Externe zurück
Die Wartungsarbeiten fallen mit einer aktuellen Auswertung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zusammen. Die Behörde untersuchte die Umsetzung der europäischen Verordnung zur digitalen operationellen Resilienz (DORA). Ergebnis: Allein 2025 meldeten deutsche Finanzunternehmen 733 IT-Sicherheitsvorfälle – betroffen waren rund 1.200 Institute.
Besonders brisant: Jeder zweite schwere IT-Zwischenfall im Finanzsektor lässt sich auf externe Dienstleister zurückführen. Während 43 Prozent der betroffenen Institute genau einen Vorfall erlebten, meldeten 96 Prozent maximal vier. Sechs Häuser verzeichneten allerdings mehr als zehn Vorfälle. Systemfehler machten mit 47 Prozent den größten Anteil aus, erfolgreiche Cyberangriffe lagen bei elf Prozent. Von diesen richteten sich 40 Prozent direkt gegen Drittanbieter – nicht gegen die Banken selbst.
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Die Vernetzung der Branche zeigt eine fatale Wirkung: Zwar gab es 478 eigenständige IT-Störungen, diese lösten jedoch insgesamt 2.806 einzelne Unterbrechungen aus. Im Schnitt war ein einzelner Vorfall gleichzeitig für 39 verschiedene Institute spürbar.
Angriffswelle trifft auch öffentliche Dienste und Energieversorger
Der Fokus auf IT-Resilienz kommt nicht von ungefähr. Erst am Donnerstag meldete die Stadt Wiesbaden eine teilweise Blockade ihrer Online-Dienste – mutmaßlich durch eine DDoS-Attacke (Distributed Denial of Service). Begleitet wurde der Angriff von Spam-Mails und automatischen Bot-Anrufen. Die Systeme laufen inzwischen wieder, die Stadt steht weiterhin im Austausch mit den Sicherheitsbehörden.
Im Energiesektor kämpfen die Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) für Kamen, Bönen und Bergkamen noch immer mit den Folgen eines Cyberangriffs vom 28. Juni. Aktuelle Kundendaten blieben demnach unberührt, die Lage älterer Daten ist unklar. Die Systeme werden schrittweise wieder hochgefahren. Die Juli-Abschlagszahlungen sollen Anfang der Woche verarbeitet werden, die Rückkehr zum automatischen Lastschriftverfahren ist für den 1. August 2026 geplant.
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Geopolitische Spannungen und KI-gestützte Phishing-Wellen
Die BaFin stuft das Risikoniveau für den Finanzsektor derzeit als erhöht ein. Grund sind die anhaltenden geopolitischen Spannungen und der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Phishing-Angriffen. Staatlich gesteuerte Akteure aus verschiedenen Regionen bleiben demnach die größte Bedrohung für die Stabilität der deutschen Finanzinfrastruktur.
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