Insekten-Verzehr: Frühe Menschen mieden Insekten anders als Neandertaler
06.06.2026 - 16:23:45 | boerse-global.de
Eine neue Studie stellt die Annahme infrage, dass Insekten ein Grundnahrungsmittel früher moderner Menschen in Europa waren. Die Analyse von Zahnsteinproben zeigt: Anders als Neandertaler mieden die Vorfahren des heutigen Menschen Insekten weitgehend.
Spuren im Zahnbelag
Forschende um Manuel Piñero und Pablo Librado vom Institut für Evolutionsbiologie (IBE) in Barcelona untersuchten den Zahnstein von rund 750 frühen modernen Menschen. Die älteste Probe stammt aus Tschechien und ist fast 30.000 Jahre alt. Zum Vergleich dienten Proben von 18 Neandertalern und 96 Menschenaffen.
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Die DNA-Analyse der Zahnbeläge liefert ein klares Bild: Insekten spielten bei den anatomisch modernen Menschen im nördlichen Eurasien keine nennenswerte Rolle.
Versehentlich statt gezielt
Lediglich in acht der 750 Proben fand sich Insekten-DNA. Dabei handelte es sich vor allem um Spuren von Zuckmücken oder Staubläusen. Die Forscher interpretieren das als versehentliche Aufnahme – etwa durch verunreinigtes Trinkwasser oder Kontakt mit Vorratsschädlingen. Ein gezielter Verzehr war das nicht.
Die Studie wurde am 6. Juni 2026 in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht.
Neandertaler liebten Maden
Ganz anders sah es bei den Neandertalern aus. Hier war die Menge an Insekten-DNA deutlich höher – vergleichbar mit dem Niveau, das heute bei westafrikanischen Schimpansen gemessen wird. Besonders häufig fanden die Forscher DNA von Zweiflüglern wie Mücken und Fliegen.
Die Daten stützen laut den Autoren die Hypothese, dass Neandertaler regelmäßig Fliegenmaden an Tierkadavern mitverzehrten. Auch der Denisova-Mensch scheint Insekten regelmäßig gegessen zu haben.
Genetische Barrieren
Die Forscher verknüpften die archäologischen Funde mit genetischen Analysen zur Verdauung von Chitin – dem Hauptbestandteil des Insektenpanzers. Das Ergebnis: Es gibt ein ausgeprägtes geografisches Gefälle bei den verantwortlichen Genen CHIA und CTBS.
Während Menschen in tropischen Regionen über Genvarianten verfügen, die Chitin effizient verdauen, sind diese bei Europäern deutlich schwächer ausgeprägt. Dieses Muster ist seit mindestens 9.000 Jahren stabil.
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Der Grund: Im prähistorischen Europa habe sich das Sammeln von Insekten evolutionär nicht gelohnt – der Energieaufwand war im Vergleich zur Jagd zu hoch. Neandertaler dagegen besaßen genetische Voraussetzungen, die eine bessere Verwertung von Insektenproteinen ermöglichten.
Technologie als Lösung
Trotz der historischen Befunde empfiehlt die Welternährungsorganisation (FAO) heute den Einsatz von Insekten als nachhaltige Proteinquelle. Die genetischen Verdauungsbarrieren lassen sich durch Lebensmitteltechnologie überwinden. Eine industrielle Trennung von Chitin und Protein könnte die Bekömmlichkeit insektenbasierter Nahrungsmittel erhöhen – unabhängig von den Ernährungsgewohnheiten der Steinzeit.
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