Intensivmedizin: KI wertet Daten aus 200.000 Aufenthalten für Empfehlungen aus
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 13:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auf Intensivstationen fallen kontinuierlich hochkomplexe Datenmengen an, die das medizinische Personal unter hohem Zeitdruck bewerten muss. Um Behandelnde bei zeitkritischen Entscheidungen gezielt zu unterstützen, arbeitet der Forschungsverbund React an einem spezialisierten System auf Basis künstlicher Intelligenz.
Das Vorhaben bündelt die Expertise der Berliner Charité und des Universitätsklinikums Essen, um klinische Routineinformationen direkt am Patientenbett nutzbar zu machen.
Das in der Entwicklung befindliche Werkzeug führt Vitalwerte, Laborbefunde und ärztliche Berichte zusammen. Aus diesen Parametern leitet die Software in Echtzeit strukturierte Handlungsempfehlungen für das Stationsteam ab. Um die Kompatibilität zwischen verschiedenen klinischen Systemen und Standorten zu gewährleisten, erfolgt die gesamte Datenaufbereitung nach dem etablierten Interoperabilitätsstandard FHIR.
Zwei Dashboards für Leitlinien und Kreislaufüberwachung
Im praktischen Einsatz soll die Anwendung über zwei spezialisierte Dashboards bedient werden, die auf besonders kritische Bereiche der Intensivmedizin ausgerichtet sind. Ein Modul konzentriert sich auf die gezielte Steuerung der Infektionstherapie: Es gleicht die laufende Verabreichung von Antibiotika fortlaufend mit aktuellen medizinischen Leitlinien ab, um Fehlsteuerungen oder Verzögerungen zu minimieren.
Das zweite Dashboard fungiert als Frühwarnsystem für drohende Kreislaufinstabilitäten. Durch die kontinuierliche Analyse dynamischer Vitaldaten soll das System kritische Verschlechterungen des Patientenzustands frühzeitig erkennen, noch bevor sich manifeste Notfallsituationen einstellen. Dies verschafft dem Pflege- und Ärzteteam ein wertvolles Zeitfenster für präventive Interventionen.
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Umfassende Datenbasis und geplante Open-Source-Bereitstellung
Als Fundament für das maschinelle Lernen dient eine breite empirische Basis. Das Konsortium greift auf Daten aus rund 200.000 Intensivaufenthalten zurück. Dieser Bestand zählt zu den umfangreichsten harmonisierten intensivmedizinischen Datensammlungen in Europa und ermöglicht ein fundiertes Training der eingesetzten Algorithmen unter realistischen Bedingungen.
Das Vorhaben wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit rund 2,8 Millionen Euro über eine Laufzeit von drei Jahren gefördert. Die klinische Leitung des Verbunds liegt bei Dr. Mirja Mittermaier, während Dr. Elias Grünewald die Koordination des Juniorverbunds verantwortet.
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Nach dem erfolgreichen Abschluss der klinischen Pilotphase verfolgt das Konsortium eine transparente Nachnutzungsstrategie: Die entwickelten Softwarekomponenten sollen als Open-Source-Lösung der medizinischen Fachgemeinschaft frei zur Verfügung gestellt werden. Auf diese Weise soll der Ansatz langfristig auch anderen Kliniken zugänglich gemacht werden, um die intensivmedizinische Versorgung über die beteiligten Zentren hinaus zu unterstützen.
