Internetsucht, Kinder

Internetsucht: 300.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland gefährdet

09.06.2026 - 23:25:57 | boerse-global.de

Forschung zeigt: Die Art der Nutzung bestimmt die geistige Anstrengung. Experten warnen vor Dopamin-Überstimulation und fordern strengere Regeln.

Studie: Bildschirmzeit allein nicht entscheidend für kognitive Belastung
Internetsucht - Ein unscharfes Smartphone und eine Smartwatch im Vordergrund, mit einem konzentrierten, aber frustrierten Schüler im Hintergrund. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Studien zeigen: Nicht wie lange wir auf Bildschirme starren, sondern was wir dort tun, bestimmt die kognitive Belastung.

Die Pennsylvania State University hat im Juni 2026 untersucht, wie verschiedene Nutzungsmuster unser Gehirn fordern. Die Forscher Rinanda Shaleha und Nelson Roque ziehen eine klare Grenze: Aktive Tätigkeiten wie Spielen oder kreatives Gestalten belasten anders als passiver, zwanghafter Konsum. Besonders fragmentierte Inhalte – wie auf TikTok üblich – setzen dem Arbeitsgedächtnis zu.

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Dopamin und die Kunst der Langeweile

Parallel warnen Neurowissenschaftler vor den Folgen der Dopamin-Überstimulation durch soziale Medien. Die Rede ist von emotionalem Burnout und möglichen Beeinträchtigungen der Gehirnentwicklung bei Jugendlichen.

Das Smartphone dient vielen als sofortiges Mittel gegen Langeweile. Das Problem: Wer die Leere nicht aushält, verpasst ihre positive Seite. Psychologisch gesehen ist Langeweile nämlich ein Motor für Neugier und Kreativität.

Schulen reagieren – mit Verboten

Der Deutsche Philologenverband (DPhV) fordert vor der Bildungsministerkonferenz im Juni 2026 bundesweit einheitliche Regeln für Smartphones an Schulen. Der Grund: Ein erheblicher Teil der Schülerschaft zeigt suchtähnliches Nutzungsverhalten.

Schleswig-Holstein macht es vor: Seit August 2025 gilt dort ein Verbot für die Klassen eins bis neun. International geht es noch weiter. Im australischen Bundesstaat Victoria wurde das Handyverbot im Juni 2026 auf Smartwatches und kabellose Kopfhörer ausgeweitet. Ziel ist eine konsistente, ablenkungsfreie Lernumgebung.

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Neben Verboten fordern Verbände auch gesetzliche Verpflichtungen für Plattformbetreiber. Ihre Apps sollen nach suchtfreien Design-Prinzipien gestaltet werden.

Wenn die Smartwatch krank macht

Die ständige Verfügbarkeit von Gesundheitsdaten über Wearables hat eine Kehrseite. Fachleute beobachten eine Zunahme der sogenannten Orthosomnia – einer übersteigerten Angst vor schlechten Schlafdaten.

Ein Fallbericht vom Juni 2026 zeigt, wie die Abhängigkeit von Metriken einer Smartwatch zu erheblichem psychischem Stress führen kann. Technologische Daten ersetzen das körpereigene Gefühl – mit fatalen Folgen.

Die DAK und Forsa belegen die Tragweite in Deutschland: Über 300.000 Kinder und Jugendliche gelten als gefährdet, eine Internetsucht zu entwickeln. Knapp fünf Prozent der 12- bis 17-Jährigen zeigen riskantes Nutzungsverhalten. Jedes fünfte Kind verbringt täglich mehr als vier Stunden online. Entzugserscheinungen nach mehrstündiger Abstinenz? Vergleichbar mit klassischen Abhängigkeitserkrankungen.

Hardware-Trends: Weniger ist mehr

Die Hersteller reagieren unterschiedlich auf die neuen Bedürfnisse. Apple verschärft bei neuen Betriebssystemen die Hardware-Anforderungen für KI-Funktionen und schließt ältere Smartwatch-Modelle vom Support aus.

Parallel gibt es einen klaren Trend zu minimalistischen Geräten. Neu vorgestellte Fitness-Tracker verzichten komplett auf ein Display. Sie messen Puls und Hauttemperatur präzise – ohne abzulenken. Zielgruppe sind Menschen, die Gesundheitsmonitoring wollen, aber die ständige Bildschirm-Interaktion reduzieren möchten.

Gleichzeitig kämpfen Anbieter moderner Smartwatches weiter mit technischen Hürden. Verbindungsabbrüche bei LTE-Funktionen schränken die Alltagstauglichkeit noch ein.

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