Intimhygiene, Duschgel

Intimhygiene: 67 Prozent nutzen Duschgel – Fachleute raten zu Wasser

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 08:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fachleute empfehlen Wasser und milde, unparfümierte Seife; auffälliger Geruch zusammen mit Beschwerden sollte gynäkologisch abgeklärt werden.

Vaginalflora schĂĽtzen: Was schonende Intimhygiene ausmacht
Minimalistisches, helles Badezimmer mit klaren Oberflächen und natürlichem Lichteinfall als Symbol für sanfte Intimhygiene. Illustration mit AI erstellt.

Ratgeberbeiträge und wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstärkt der natürlichen Zusammensetzung der Vaginalflora sowie den Vorgaben für eine schonende Intimhygiene. Ein stabiles mikrobielles Milieu schützt vor Infektionen, gerät jedoch durch falsche Reinigungsgewohnheiten oder aggressive Pflegeprodukte leicht aus der Balance.

Mikrobielles Gleichgewicht und Risiken einer Dysbiose

Bei Frauen im gebärfähigen Alter wird ein gesundes Vaginalmikrobiom überwiegend von Milchsäurebakterien geprägt. Wie eine Übersichtsarbeit von Soleimanpour und Yaghoubi von der Mashhad University of Medical Sciences in der Fachzeitschrift Molecular Biology Reports darlegt, dominiert in einer intakten Flora vor allem Lactobacillus crispatus.

Verringert sich der Anteil dieser schĂĽtzenden Laktobazillen, gewinnen andere Erreger wie Gardnerella, Prevotella, Atopobium oder Sneathia die Oberhand. Dieser Zustand entspricht einer Dysbiose beziehungsweise bakteriellen Vaginose.

Laut Meta-Analysen unter Beteiligung von Forschern wie Brusselaers oder Norenhag ist eine laktobazillenarme Flora mit einem erhöhten Risiko für Infektionen mit humanen Papillomviren (HPV), einer reduzierten Virus-Clearance sowie einem vermehrten Auftreten von zervikalen Präkanzerosen assoziiert.

Als biochemischer Mechanismus wird unter anderem der Abbau des Zervixschleims durch das Enzym Sialidase beschrieben, was chronische EntzĂĽndungskaskaden ĂĽber Signalwege wie TLR, MyD88, TRAF6, NF-?B, TNF-alpha und reaktive Sauerstoffspezies begĂĽnstigt.

Die Autoren weisen zugleich darauf hin, dass der Großteil der verfügbaren Studien querschnittlicher Natur ist, womit die Kausalität weiterhin offenbleibt.

Diskrepanz zwischen Pflegegewohnheiten und Empfehlungen

Trotz der Sensibilität des vaginalen Schutzschildes greifen viele Frauen zu Mitteln, die das Milieu belasten können. Eine repräsentative Erhebung von Edelman Intelligence für Mylan (Saugella Survey) unter 1.000 deutschen Frauen aus dem Januar 2020 zeigt ein ausgeprägtes Pflegebedürfnis: 60 % der Befragten reinigen ihren Intimbereich täglich. Dabei gaben 97 % an, dies für sich selbst zu tun, während 67 % ihrem Sexualpartner gefallen möchten.

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Viele Frauen greifen im Intimbereich zu herkömmlichem Duschgel oder Seife – dabei raten Fachleute zu reinem Wasser und höchstens milder, unparfümierter Seife. Wer sein mikrobielles Gleichgewicht kennt, kann Beschwerden gezielt vorbeugen. Kostenlosen Intimhygiene-Ratgeber anfordern

Zudem verspüren 20 % durch die Pflege ein gestärktes Selbstbewusstsein, 80 % wollen Beschwerden vorbeugen und 28 % legen Wert auf natürliche Inhaltsstoffe.

Hinsichtlich der verwendeten Produkte offenbart die Befragung jedoch ein deutliches Risiko für Irritationen: 67 % nutzen herkömmliche Duschgels und 17 % gewöhnliche Seifen für den Intimbereich. Fachleute aus der Pharmazie weisen darauf hin, dass im Bedarfsfall ausschließlich pH-angepasste Produkte verwendet werden sollten.

Ursachen für Geruchsveränderungen und Signale für einen Arztbesuch

Frauenärztin Stephanie Eder vom Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF) erläutert, dass der individuelle Intimgeruch von Faktoren wie dem Alter, dem Hormonstatus, der Zyklusphase oder einer Schwangerschaft abhängt. Entscheidend sei, ob der wahrgenommene Geruch dem gewohnten Muster der jeweiligen Frau entspricht.

Bestimmte Einflüsse können das Milieu kurzzeitig verändern: Nach dem Geschlechtsverkehr kann basisches Sperma den sauren pH-Wert der Scheide verschieben und den Geruch vorübergehend intensivieren. Auch Menstruationsblut, starkes Schwitzen oder das Tragen enger Kleidung wirken sich darauf aus.

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Veränderter, fischiger oder fauliger Intimgeruch ist kein Schönheitsproblem, sondern ein Signal: Häufig liegt eine bakterielle Vaginose vor, die ärztlich abgeklärt und behandelt werden kann. Der Ratgeber zeigt, welche Warnzeichen zählen und wann Sie handeln sollten. Warnsignale jetzt im Ratgeber prüfen

Treten jedoch stark veränderte, fischige oder faulige Gerüche auf, ist laut Eder eine gynäkologische Abklärung erforderlich – insbesondere in Kombination mit Symptomen wie Brennen, Juckreiz, Rötungen, Schmerzen, Fieber oder auffälligem Ausfluss. Häufig liegt eine bakterielle Vaginose vor, bei der die nützlichen Milchsäurebakterien verdrängt wurden; diese lässt sich bei Bedarf antibiotisch behandeln.

Für die tägliche Hygiene empfiehlt die Gynäkologin die Verwendung von reinem Wasser und allenfalls milder, unparfümierter Seife. Auf parfümierte Duschgels, Intimsprays oder Vaginalduschen sollte vollständig verzichtet werden. Bei einer empfindlichen Vaginalflora rät Eder zudem dazu, Strings, Slipeinlagen sowie einengende Unterwäsche zu meiden, um die Schutzbarriere nicht zusätzlich zu strapazieren.

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