iPhone-Angriffe: 6.600 vertrauenswürdige Websites verbreiten Spyware
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 16:12 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin gemeinsamer Bericht der Sicherheitsunternehmen iVerify und Report URI vom 22. Oktober 2026 enthüllt eine weitreichende Angriffswelle auf Mobiltelefone von Apple. Mindestens 6.600 an sich vertrauenswürdige Websites wurden mit bösartigem Programmcode versehen, der iPhones bereits beim bloßen Laden einer Werbeanzeige ohne jeglichen Klick infizieren kann.
Malvertising ohne Nutzerinteraktion
Nach Erkenntnissen der Sicherheitsforscher liefern 248 der betroffenen Internetseiten mit zusammen rund 8 bis 9 Millionen monatlichen Besuchern direkt Spyware für iPhones aus. Die übrigen Websites leiten die Nutzer auf Spam-Seiten weiter.
Scott Helme von Report URI beziffert die monatliche Gesamtreichweite der 6.600 manipulierten Angebote auf 49 Millionen Aufrufe. Rocky Cole von iVerify betonte hierzu, dass die Anwender keinerlei verdächtige Webseiten ansteuern oder Fehler machen müssten; schon das einfache Vorbeiscrollen an einer Anzeige führe zur Infektion des Geräts.
Eine der dokumentierten Kampagnen traf das Endgerät eines Mitarbeiters aus der Finanzbranche. Beim Durchscrollen von Instagram erschien eine scheinbar gewöhnliche Fußball-Werbung. Ein unsichtbarer Skriptcode überprüfte dabei die installierte iOS-Version und aktivierte das Schadprogramm DarkSword P7. Dieses stahl Zugangsdaten und scannte gezielt nach Krypto-Wallets.
Moderne Werbenetzwerke ermöglichen Werbetreibenden eine präzise Segmentierung nach Betriebssystemversionen, beruflichen Positionen und Interessen. Cyberkriminelle nutzen dies aus, um Personen mit ungepatchten Geräten und potenziell lohnenden Unternehmens- oder Finanzdaten passgenau anzugreifen.
Abgelaufene Webadressen als Einfallstor
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Parallel dazu wiesen die Experten eine zweite Angriffsmethode nach: Unbekannte erwarben rund 630 abgelaufene Domains, wobei Schätzungen von bis zu 680 Adressen ausgehen. Fast 8.000 legitime Websites banden diese Adressen weiterhin für Chatbots oder Analysetools ein. Besucher mit einer verwundbaren iOS-Version wurden unbemerkt auf Schadsoftware-Seiten mit Programmen wie Coruna oder DarkSword weitergeleitet.
Laut Helme verkauft eine als DeadTag bezeichnete Gruppe Zugänge zu diesen Auslieferungswegen. Sie bereite pro Woche bis zu zehn neue präparierte Domains vor und habe über 660 Domains identifiziert. Mindestens ein Kunde greife dabei auf zwei Exploit-Werkzeuge zurück, die vermutlich von staatlichen Geheimdiensten entwickelt wurden und seit dem Frühjahr 2026 öffentlich kursieren.
Beide Kampagnen weisen Spuren in Richtung organisierter Cyberkriminalität auf. Da der Schadcode in chinesischer Sprache verfasst ist, wird eine Verbindung nach China vermutet. Helme wies jedoch darauf hin, dass diesbezüglich noch Ungewissheit herrsche und es sich auch um ein gezieltes Täuschungsmanöver handeln könne.
Angriffe dieser Art stellen kein völlig neues Phänomen dar: Bereits in den Jahren 2024 und 2025 wurden laut Citizen Lab mindestens 45 Mobiltelefone von Mitarbeitern des Senders Al-Jazeera über gezielte Werbung infiziert, darunter auch Modelle der Pixel-Reihe gänzlich ohne Klick.
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Apple hat die für die Angriffe ausgenutzten Sicherheitslücken nach Angaben von iVerify und Report URI bereits durch Software-Aktualisierungen geschlossen. Die Angreifer nehmen daher primär Endgeräte ins Visier, auf denen ein veraltetes Betriebssystem läuft.
Sicherheitsexperten raten dringend dazu, iOS-Updates umgehend zu installieren, den erweiterten Blockierungsmodus (Lockdown Mode) in Erwägung zu ziehen und den Einsatz von Werbeblockern zu prüfen. Apple und der Instagram-Mutterkonzern Meta äußerten sich auf Anfragen zu den Untersuchungsergebnissen zunächst nicht.
