iPhone-Betrug: KI-Agenten geben sich als Apple aus
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 11:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsforscher von SOCRadar haben eine Phishing-as-a-Service-Plattform namens AnonyMousKIT identifiziert, die kĂŒnstliche Intelligenz einsetzt, um Besitzer gestohlener iPhones gezielt zu manipulieren.
Der Dienst mietet KI-Sprachagenten, die Opfer kontaktieren und sie dazu bringen sollen, ihren GerÀte-Passcode, ihre Apple-ID sowie den zugehörigen 2FA-Code preiszugeben. Nach Angaben von SOCRadar ist die Plattform seit 2024 aktiv und wurde bis August 2026 beobachtet.
Funktionsweise der Betrugsmasche
AnonyMousKIT verwendet laut den Erkenntnissen von SOCRadar GerĂ€tedaten wie Seriennummer und IMEI, um die Kontaktaufnahme mit den Opfern möglichst glaubwĂŒrdig erscheinen zu lassen. Ziel der Angreifer ist es, den sogenannten Activation Lock zu umgehen â jenen Sicherheitsmechanismus, der gestohlene Apple-GerĂ€te fĂŒr Diebe unbrauchbar machen soll, solange die ursprĂŒnglichen Zugangsdaten nicht bekannt sind.
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Die Plattform bietet dabei verschiedene KontaktkanĂ€le zur Auswahl an: E-Mail-Nachrichten, SMS, WhatsApp-Nachrichten, aufgezeichnete Anrufe sowie den Einsatz eines KI-Agenten fĂŒr TelefongesprĂ€che. Diese Dienste werden ĂŒber ein Credit-System abgerechnet, wobei laut SOCRadar eine E-Mail 1,5 Credits kostet, ein aufgezeichneter Anruf 1 Credit und der Einsatz eines KI-Sprachagenten 2 Credits.
Umfang der beobachteten Kampagne
Die Sicherheitsforscher dokumentierten fĂŒr einen Zeitraum vom 31.08.2025 bis zum 30.05.2026 insgesamt 200 Anrufe, die ĂŒber die Sprach-KI-Plattform Vapi getĂ€tigt wurden. Der ĂŒberwiegende Teil dieser Anrufe â 179 an der Zahl â richtete sich an Ziele in Brasilien.
Die Gesamtkosten fĂŒr diese 200 Anrufe beliefen sich laut SOCRadar auf lediglich 19,24 US-Dollar, was umgerechnet etwa 100 brasilianischen Real entspricht und einem Preis von rund 0,10 US-Dollar beziehungsweise 9,6 Cent pro Anruf gleichkommt.
Von den 200 registrierten Anrufen wurden 100 tatsĂ€chlich beendet, wĂ€hrend 48 im Timeout endeten, 24 unbeantwortet blieben und 28 Fehler aufwiesen. Ăber die Anrufe hinaus verzeichneten die Forscher im Rahmen der Kampagne auch den Versand von 6.092 Phishing-E-Mails. SOCRadar zufolge waren in diesem Zusammenhang mehr als 5.000 GerĂ€te online erfasst, von denen ĂŒber 1.000 gesperrt wurden.
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Apples Reaktion und Empfehlung
Angesichts derartiger Betrugsversuche verweist Apple auf seine grundsĂ€tzliche Position: Das Unternehmen fragt niemals nach dem Passcode, dem Passwort oder dem 2FA-Code seiner Nutzer. Entsprechend rĂ€t Apple dazu, den eigenen Passcode unter keinen UmstĂ€nden an Dritte weiterzugeben â unabhĂ€ngig davon, wie ĂŒberzeugend oder offiziell eine Kontaktaufnahme erscheinen mag.
Der Fall zeigt, wie gĂŒnstig und skalierbar KI-gestĂŒtzte Betrugskampagnen mittlerweile geworden sind: FĂŒr weniger als 20 US-Dollar lieĂen sich Hunderte automatisierte Anrufe realisieren, die gezielt auf die Herausgabe sensibler Zugangsdaten abzielten.
Nutzer gestohlener oder verlorener GerĂ€te sollten daher grundsĂ€tzlich misstrauisch sein, wenn sie unaufgefordert nach ihren Zugangsdaten gefragt werden â unabhĂ€ngig davon, ob die Anfrage per E-Mail, SMS, Messenger oder Telefonanruf erfolgt.
