IPMI-Lücke: Über 24.000 Rechenzentren-Server mit Passwort-Hashes exponiert
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 19:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsforscher des Unternehmens Lava haben eine schwerwiegende Schwachstelle in der Intelligent Platform Management Interface (IPMI) identifiziert, die die Integrität von IT-Infrastrukturen weltweit bedroht. Die bereits seit 22 Jahren bekannte Sicherheitslücke mit der Kennung CVE-2013-4786 ermöglicht es Angreifern, Authentifizierungs-Hashes von über 24.000 Baseboard Management Controllern (BMCs) in Rechenzentren zu extrahieren.
In den Untersuchungen wurden insgesamt 36.872 über das Internet zugängliche BMCs lokalisiert. Davon gaben 24.650 Systeme – dies entspricht einem Anteil von 66,9 % – Passwort-Hashes preis. Ein signifikanter Teil dieser Daten ist zudem verwundbar gegenüber automatisierten Angriffen: Über 30 % der extrahierten Hashes konnten mithilfe von Wörterbuch-Attacken wiederhergestellt werden. Geografisch konzentriert sich das Risiko insbesondere auf die USA, wo sich 39 % der exponierten Server befinden.
Schnelle Kompromittierung von Hersteller-Passwörtern
Besonders kritisch bewerten Experten die Geschwindigkeit, mit der Zugangsdaten kompromittiert werden können. Standardmäßige Factory-Passwörter von Supermicro, die aus zehn Großbuchstaben bestehen, lassen sich unter Einsatz von acht GPUs in etwa einer Stunde knacken. Bei HPE-iLO-Passwortstrukturen mit acht alphanumerischen Zeichen verkürzte sich dieser Zeitraum bei entsprechenden Tests auf circa 32 Sekunden.
Zudem offenbaren die Untersuchungen erhebliche Mängel bei der Basiskonfiguration: 6.240 BMCs akzeptierten leere Benutzernamen, während bei 2.340 Systemen gängige Standardpasswörter hinterlegt waren. Die Sicherheitslücke betrifft Hardware namhafter Hersteller wie Supermicro und HPE, wobei auch Anbieter von Grafikprozessoren (GPUs) betroffen sind. Das Risiko erstreckt sich damit unmittelbar auf die Hardware-Basis moderner KI-Infrastrukturen.
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Unsichtbare Gefahr unterhalb der Betriebssystemebene
Da BMCs auf einer Ebene unterhalb des eigentlichen Betriebssystems operieren, bleiben bösartige Aktivitäten für herkömmliche Sicherheitswerkzeuge oft unsichtbar. Dies erschwert die Erkennung von Angriffen erheblich. Es liegen bereits konkrete Anzeichen für eine aktive Ausnutzung der Schwachstelle vor. Berichten zufolge wurde ein Automobilhersteller kompromittiert, und auf einem HPE iLO-4-System wurden Anzeichen von Ransomware-Aktivitäten festgestellt.
Supermicro kündigte infolge der jüngsten Erkenntnisse eine Überprüfung seiner Passwortrichtlinien an. Sicherheitsanalysten raten Administratoren dringend dazu, präventive Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehört primär das Blockieren des UDP-Ports 623 sowie die zwingende Änderung sämtlicher Standard-Anmeldedaten.
Empfehlungen für Betreiber von Rechenzentren
Zur weiteren Absicherung wird die Deaktivierung schwacher Konfigurationsoptionen und die Nutzung dedizierter Management-Netzwerke empfohlen, um die BMCs vom öffentlichen Internet zu isolieren. Zudem sollten Anmeldedaten in regelmäßigen Abständen rotiert werden. Um betroffenen Unternehmen bei der Identifizierung ihrer Risiken zu helfen, hat Lava mit BMCRadar eine Karte erstellt, die exponierte Systeme visualisiert. Das Ausmaß der gefundenen Schwachstellen verdeutlicht, dass grundlegende Protokolle der Serververwaltung trotz ihres Alters ein erhebliches Einfallstor für komplexe Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen darstellen.
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