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ISO/ IEC 27090: Neuer Leitfaden bündelt Cyberangriffe auf KI-Systeme

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 19:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die 56-seitige ISO/IEC-Publikation ordnet KI-Angriffsformen und Schutzmaßnahmen ein, schafft aber keine EU-Konformitätsvermutung.
Ein steriler Serverraum mit dunklen, leeren Serverschränken in einer kühlen, blau beleuchteten Industrieumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die internationalen Standardisierungsorganisationen ISO und IEC haben mit ISO/IEC 27090 eine neue Erstausgabe vorgelegt, die sich speziell mit Cyberbedrohungen gegen Systeme der künstlichen Intelligenz befasst.

Wie heise.de in einem Bericht vom 19. Oktober 2026 darlegte, umfasst die vom Unterkomitee JTC 1/SC 27 erarbeitete Veröffentlichung 56 Seiten. Das Dokument versteht sich dabei als technischer Leitfaden für Sicherheitsmaßnahmen und verzichtet auf einen verbindlichen Anforderungs- oder Zertifikatscharakter.

Spezifische Angriffsvektoren im Fokus

Der neu erschienene Leitfaden widmet sich den besonderen Verwundbarkeiten moderner KI-Architekturen und systematisiert typische Cyberangriffe sowie entsprechende Schutzvorkehrungen. Zu den behandelten Bedrohungsszenarien zählen unter anderem das Vergiften von Trainingsdaten (Data Poisoning), die gezielte Manipulation von Modellgewichten sowie Ausweichmanöver (Evasion).

Ebenso thematisiert die Publikation das unbefugte Kopieren oder Rekonstruieren von Modellen (Model Extraction), Rückschlüsse auf Trainingsdaten durch sogenannte Membership Inference und Model Inversion sowie Prompt Injection und Angriffe, die über Modellausgaben erfolgen.

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Mit diesem Zuschnitt schließt die Publikation eine Lücke im bestehenden Regelwerk. ISO/IEC 27090 dient als fachliche Ergänzung zu den etablierten Informationssicherheitsstandards ISO/IEC 27001 und ISO/IEC 27002. Zugleich ergänzt das Dokument die bereits zertifizierbare Norm ISO/IEC 42001 für KI-Managementsysteme, da deren normativer Anhang A bislang keine spezifischen Angriffsformen benennt.

Ein thematisch verwandtes Schwesterdokument, das unter der Bezeichnung ISO/IEC 27091 geführt wird und sich Fragen des Datenschutzes und der Privatsphäre widmet, befindet sich nach Angaben des Berichts im Stadium des Schlussentwurfs (Final Draft).

Fehlende Konformitätsvermutung im EU-Rechtsrahmen

Trotz der thematischen Ausrichtung begründet der Standard ISO/IEC 27090 keine Konformitätsvermutung für die europäischen Rechtsakte, namentlich die europäische KI-Verordnung oder den Cyber Resilience Act. Parallel zu den internationalen Bemühungen laufen in Europa eigene Standardisierungsprojekte.

So arbeitet das gemeinsame Gremium CEN/CENELEC JTC 21 an einem Normentwurf für die harmonisierte Norm prEN 18282. Zudem hat das europäische Normungsinstitut für Telekommunikation ETSI bereits die technische Spezifikation TS 104 223 veröffentlicht. Eine formale Abgleichung oder ein Mapping zwischen den drei Regelwerken von ISO/IEC, CEN/CENELEC und ETSI liegt bislang nicht vor.

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Die Erstausgabe von ISO/IEC 27090 ist ausschließlich in englischer Sprache verfügbar. Das Dokument wird sowohl in digitaler Form als PDF als auch in gedruckter Fassung zu einem Preis von 204 Schweizer Franken angeboten.

Mehr zum Thema bei heise online: „ISO/IEC 27090 soll KI-Systeme sicher machen“

Teile dieses Beitrags beruhen auf Recherchen von heise online.

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