IWF und OECD warnen: KI könnte die Kluft zwischen Staaten vergrößern
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 17:45 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Internationale Währungsfonds und die OECD warnen vor den Folgen einer raschen Entwicklung von Künstlicher Intelligenz auf das weltweite Wohlstandsgefälle. Demnach droht der technologische Wandel die wirtschaftliche Kluft zwischen wohlhabenden Industriestaaten und Entwicklungsländern deutlich zu vergrößern.
Zwar berge der Einsatz moderner Systeme erhebliche Potenziale zur Steigerung des globalen Wachstums, doch könnten ärmere Volkswirtschaften, kleinere Betriebe sowie junge Beschäftigte den Anschluss verlieren, falls Barrieren beim Zugang zu Energie, digitaler Infrastruktur und Aus- und Weiterbildung nicht rechtzeitig abgebaut werden.
Ungleiche Produktivitätsaussichten zwischen den Regionen
In ihren Einschätzungen betonen Vertreter beider Organisationen die ungleiche Verteilung möglicher Produktivitätsgewinne. Era Dabla-Norris aus der Fiskalabteilung des IWF verweist auf Schätzungen, nach denen eine effektive KI-Adoption mittelfristig bis zu 0,5 Prozent zum jährlichen weltweiten Wachstum beitragen könnte.
Bislang fielen die aggregierten Nachweise für einen Produktivitätsanstieg jedoch deutlich geringer aus. Für viele Schwellen- und Entwicklungsländer bestehe die zentrale Herausforderung bereits in der grundlegenden Frage, ob sie die Technologie überhaupt einführen und in der Breite skalieren können.
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Für die entwickelten Volkswirtschaften zeichnet die OECD hingegen ein anderes Bild. Nach Berechnungen von OECD-Chefökonom Stefano Scarpetta könnte die Technologie das jährliche Produktivitätswachstum in den Mitgliedsländern um 0,4 Prozent bis 1,2 Prozent anheben.
Gleichzeitig hinke die Nutzung an den Arbeitsplätzen der breiten Anwendung durch Verbraucher hinterher. Die tatsächliche Einführung in wirtschaftlichen Kernbereichen bleibe gegenwärtig noch begrenzt.
Risiken für Arbeitsplätze und Berufseinsteiger
Die Transformation betrifft die Arbeitsmärkte in erheblichem Umfang. Der IWF schätzt, dass rund 40 Prozent der Arbeitsplätze weltweit KI ausgesetzt sein könnten. IWF und OECD weisen übereinstimmend darauf hin, dass insbesondere jüngere Arbeitskräfte und Berufseinsteiger durch den Wandel gefährdet seien.
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Da KI-Systeme zunehmend grundlegende Tätigkeiten übernehmen könnten, drohe der Wegfall genau jener Aufgaben, an denen Einsteiger typischerweise erste berufliche Erfahrungen sammeln.
Während internationale Organisationen die strukturellen Risiken für Beschäftigte und weniger entwickelte Regionen analysieren, setzen auch etablierte Konzerne Anpassungen in ihren Belegschaften um. So streicht die britische Bank Barclays in diesem Jahr rund 5.000 Stellen.
Beim Online-Marktplatz eBay sind Berichten zufolge 9 Prozent der Belegschaft von Stellenkürzungen betroffen, während der Halbleiterhersteller Qualcomm weltweite, leistungsorientierte Stellenstreichungen erwartet.
