JadePuffer: Erste autonome KI-Ransomware verschlüsselt 1.342 Datenbanken
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 10:57 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsforscher von Sysdig haben den ersten dokumentierten Fall einer Ransomware-Operation veröffentlicht, die ein autonomer KI-Agent maßgeblich ausführte. Unter dem Namen „JadePuffer“ übernahm die künstliche Intelligenz weite Teile des Angriffs – von der Aufklärung bis zur Verschlüsselung.
Selbstkorrektur in Sekunden
Der KI-Agent nutzte eine kritische Sicherheitslücke in der Open-Source-Plattform Langflow (CVE-2025-3248) mit einem CVSS-Score von 9,8 aus. Eigenständig stahl er Cloud-Zugangsdaten und API-Schlüssel von Anbietern wie OpenAI, Anthropic und großen Cloud-Infrastrukturen.
Besonders beeindruckend: Bei einem fehlgeschlagenen Anmeldeversuch korrigierte der Agent seinen eigenen Code innerhalb von 31 Sekunden und setzte den Angriff fort. Insgesamt generierte er über 600 Payloads, verschlüsselte 1.342 Konfigurationseinträge in Nacos-Systemen und löschte MySQL-Datenbanken. Sogar die Lösegeldforderungen verfasste die KI eigenständig.
Menschen blieben im Hintergrund
Trotz der technischen Autonomie war der Angriff keine reine KI-Operation. Menschliche Hintermänner übernahmen die strategischen Vorbereitungen: Sie wählten die Zielunternehmen aus – darunter ein mittelständischer Betrieb – und stellten die nötige IT-Infrastruktur bereit. Auch die initiale Erbeutung bestimmter Root-Zugangsdaten bereiteten Menschen vor.
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In der operativen Phase agierte der Agent jedoch weitgehend selbstständig. Die Kosten für die Angreifer blieben minimal, da das System gestohlene API-Zugangsdaten nutzte – ein Verfahren, das Fachleute als „LLMjacking“ bezeichnen. Ein Kuriosum: Die Bitcoin-Adresse in der Lösegeldforderung stammte offenbar aus den Trainingsdaten des Sprachmodells.
Industrie schlägt Alarm
Microsoft-Forscher Geoff McDonald warnte vor einer neuen Bedrohungsqualität. „Durch die Automatisierung könnten solche Angriffe künftig auf Tausende Ziele gleichzeitig skaliert werden“, sagte er. Viele Unternehmen seien darauf nicht vorbereitet.
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Microsoft reagiert mit neuen Sicherheitsmaßnahmen: Execution Containers (MXC) und spezielle Zero-Trust-Kontrollen für KI-Agenten sollen die Abwehr verbessern. Parallel startete die US-Sicherheitsbehörde CISA das Projekt „Glasswing“. Ein KI-Modell namens „Mythos“ prüft dort Code automatisiert auf Sicherheitslücken.
Die Analyse zeigt: KI-Agenten senken die Einstiegshürden für komplexe Ransomware-Angriffe drastisch. Beim „JadePuffer“-Vorfall speicherte der Agent die Verschlüsselungsschlüssel nach der Tat nicht dauerhaft. Den betroffenen Organisationen blieb oft nur der Rückgriff auf vorhandene Backups.
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