jAImes im Kliniktest: Vier kritische Fehler in 100 geprüften Gesprächen
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 10:52 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas Universitätsklinikum Würzburg hat die Sicherheit und Zuverlässigkeit des digitalen Assistenten jAImes im praktischen Einsatz untersucht. Am 26. Oktober 2026 veröffentlichte das Forschungsteam die Ergebnisse einer Analyse von 2.035 Gesprächen in der Fachzeitschrift The Lancet Regional Health – Europe.
Untersucht wurden die Dialoge aus den ersten 129 Tagen nach dem Start des spezialisierten Chatbots am 11. November 2025, um die Qualität der automatisierten Patientenbetreuung systematisch zu bewerten, wie das Universitätsklinikum am 27. Oktober 2026 berichtete.
Hohe Akzeptanz bei weitgehend korrekten Antworten
Die automatisierte Auswertung der Kommunikationsdaten zeigte eine überwiegend solide Trefferquote bei den Auskünften des Systems. Demnach stuften die Prüfverfahren 88,6 Prozent der von jAImes gegebenen Antworten als gut ein. Weitere 11 Prozent der Reaktionen wurden als teilweise angemessen klassifiziert, während lediglich 0,4 Prozent als gänzlich unangemessen bewertet wurden.
Auch auf Seiten der Anwender stieß der digitale Begleiter auf eine breite Resonanz. Über 90 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer bewerteten den Chatbot im erfassten Zeitraum positiv. Das System soll Betroffenen und Angehörigen als niedrigschwellige Informationsquelle dienen und komplexe Fragestellungen rund um die neurologische Erkrankung verständlich vermitteln.
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Analyse deckt klinisch kritische Fehler auf
Trotz der insgesamt hohen Bewertungsraten wies die Untersuchung auf relevante Sicherheitsrisiken hin, die bei einer reinen Oberflächenprüfung unentdeckt blieben. Eine vertiefte manuelle Überprüfung einer Stichprobe von 100 Gesprächen, die zuvor automatisiert als gut bewertet worden waren, legte in vier Fällen klinisch kritische Fehler offen.
Unter diesen Abweichungen befand sich unter anderem eine Verwechslung von Medikamenten, die im Behandlungsalltag von Parkinson-Patienten erhebliche gesundheitliche Gefahren bergen kann.
Zudem zeigte das System in einer akuten Belastungssituation eine gravierende Fehlfunktion: In einem erfassten Fall mit geäußerten Suizidgedanken löste jAImes das für solche Notlagen vorgesehene Kriseninterventionsprotokoll nicht aus.
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Weiterentwicklung soll Sicherheitslücken schließen
Die wissenschaftliche Kuratierung des KI-Systems liegt in den Händen von Florian Lange am Universitätsklinikum Würzburg. Bezüglich des ausgebliebenen Notfallprotokolls erklärte Lange, dass diese spezifische Schwachstelle mit der Einführung der Folgeversion jAImes 2.0 geschlossen worden sei.
Das Projekt wird auf organisatorischer und infrastruktureller Ebene durch Dritte getragen. Die Finanzierung sowie das technische Hosting des Chatbots übernimmt die Parkinson Stiftung, während die Mediziner und Wissenschaftler aus Würzburg die fachliche Validierung und die fortlaufende Anpassung an klinische Standards steuern.
Die detaillierte Auswertung soll als Grundlage dienen, um künftige Sprachmodelle in der hochsensiblen medizinischen Beratung sicherer zu gestalten und Fehlleitungen in der Versorgung von chronisch Kranken zu verhindern.
