JAK-Inhibitoren, NTNU-Studie

JAK-Inhibitoren: NTNU-Studie zeigt schwächere Abwehr gegen Viren

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
NTNU-Forschende beobachteten in Zell- und Organoidmodellen eine beeinträchtigte antivirale Abwehr durch JAK-Inhibitoren.
Nahaufnahme einer wissenschaftlichen Zellkultur in einer Laborschale unter klinischem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Januskinase-Inhibitoren, sogenannte JAK-Inhibitoren, gehören zu den etablierten Therapeutika bei rheumatoider Arthritis sowie weiteren entzündlichen Erkrankungen und Autoimmunleiden.

Eine wissenschaftliche Untersuchung der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens (NTNU), veröffentlicht im Fachjournal NAR Molecular Medicine, beleuchtet nun eine gravierende Kehrseite dieser Therapieform.

Den Studienergebnissen zufolge können die eingesetzten Wirkstoffe die körpereigene Immunabwehr gegen Viren schwächen und eine Ausbreitung der Krankheitserreger im Organismus begünstigen.

Unterdrückung antiviraler Gene im zellulären System

Im Rahmen der Forschungsarbeit analysierte das Team der NTNU die Wirkungsweise der Medikamente, darunter der Wirkstoff Baricitinib. Die Präparate zielen primär darauf ab, überschießende Immunreaktionen zu dämpfen.

Gleichzeitig zeigte sich jedoch, dass sie essenzielle Gene der antiviralen Abwehr unterdrücken. Die Verringerung der Expression dieser antiviralen Gene setzt die Barriere herab, mit der sich Wirtszellen gegen virale Infektionen verteidigen, was den Erregern die Vermehrung erleichtert.

Um die zellulären Mechanismen präzise nachzuvollziehen, setzten die Wissenschaftler auf vielfältige biologische Versuchsmodelle. Die Experimente wurden an Lungen-, Augen- und Gehirnzellen durchgeführt. Zudem nutzten die Forschenden gezüchtete Organoide, um die Effekte der Wirkstoffe auf komplexere menschliche Gewebestrukturen unter kontrollierten Laborbedingungen zu analysieren.

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Breites Spektrum betroffener Virustypen

Die dämpfende Wirkung auf das Immunsystem betrifft der Studie zufolge verschiedene Virenfamilien. Eine erhöhte Anfälligkeit und begünstigte Virusverbreitung dokumentierten die Forschenden unter anderem beim Rift-Valley-Fieber-Virus, bei Influenza A und bei Adenoviren.

Auch bei SARS-CoV-2, dem Erreger von COVID-19, beobachtete das Forschungsteam der NTNU eine entsprechende Beeinträchtigung der antiviralen Abwehrmechanismen durch die untersuchten Substanzen.

Relevanz für Verordnungspraxis und Impfstoffentwicklung

Angesichts dieser Befunde mahnen die Forschenden zu einer differenzierten Betrachtung im klinischen Alltag. Sie empfehlen eine erhöhte Vorsicht bei der Verschreibung von JAK-Inhibitoren in Zeiten einer gesteigerten Virusübertragung in der Bevölkerung.

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Für Patienten, die aufgrund von Autoimmunerkrankungen oder rheumatischer Arthritis auf diese antientzündlichen Mittel angewiesen sind, bedeutet dies ein potenziell erhöhtes Risiko für virale Komplikationen bei grassierenden Infektionswellen.

Neben den therapeutischen Risiken hebt die Studie jedoch auch einen methodischen Mehrwert der beobachteten Effekte hervor. Unter strengen Laborbedingungen könnten die immunmodulierenden Eigenschaften der JAK-Inhibitoren für die wissenschaftliche Praxis nutzbar gemacht werden.

So böten die gezielt herabgesetzten Abwehrreaktionen in Zell- und Organoidmodellen wertvolle Möglichkeiten, um Prozesse bei der Entwicklung von Impfstoffen und neuen antiviralen Therapeutika genauer zu analysieren.

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