Jessica Alba: Warum selbst eine erfolgreiche Gründerin an sich zweifelte
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deIm beruflichen Alltag stehen viele Fach- und Führungskräfte vor der Herausforderung, eigene Leistungen anzuerkennen. Das Phänomen, trotz nachweisbarer Erfolge von tief sitzenden Versagensängsten begleitet zu werden, rückt zunehmend in den Fokus arbeitspsychologischer Betrachtungen.
In der 47:04 Minuten langen Folge „Ängste und Selbstzweifel überwinden“ des Podcasts „Gesund arbeiten – der Podcast über mentale Gesundheit im Job“ beleuchtet Dr. Eva Elisa Schneider die Mechanismen hinter diesen Denkmustern.
Thematisiert wird darin, weshalb gerade kompetente Personen oft unter Zweifeln leiden, wie sich konstruktive von unnötigen Sorgen abgrenzen lassen und auf welche Weise unbewusste Vermeidungsmuster sowie der innere Kritiker bewältigt werden können, ohne die eigenen beruflichen Ziele aufzugeben.
Die Ursachen des Hochstapler-Gefühls
Selbstzweifel beruhen oft auf der Fehleinschätzung eigener Kompetenzen. Prof. Petra Beschoner, Psychiaterin und Ärztliche Direktorin der Akutklinik Bad Saulgau, beschreibt das sogenannte Impostor-Phänomen dahingehend, dass Betroffene persönliche Erfolge vor allem dem Zufall zuschreiben, während Kritik überproportional stark gewichtet wird.
Insbesondere bei Frauen in Führungspositionen verstärken laut Beschoner tradierte Rollenbilder, das Fehlen von Vorbildern und strukturelle Karrierehürden diese Verunsicherung.
Dass diese Wahrnehmung auch erfolgreiche Unternehmerinnen betrifft, zeigte sich Ende Oktober 2026 bei einem Auftritt von Schauspielerin und Gründerin Jessica Alba in Hollywood. Im Gespräch mit Courtney Kelso erläuterte Alba den Werdegang von The Honest Company, die nach dem Marktstart 2012 mit wenigen Produkten neun Jahre später im Jahr 2021 an die Börse ging.
Trotz dieses Erfolgs habe Alba unter ausgeprägten Hochstapler-Gefühlen gelitten, da sie bereits ab dem zwölften Lebensjahr als Schauspielerin tätig war und ihren Bildungsabschluss im Alter von 15 Jahren erlangte.
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Kelso wies in diesem Rahmen auf die volkswirtschaftliche Relevanz des Mittelstands hin: Rund 30 Millionen Kleinunternehmen in den USA mit über 60 Millionen Arbeitsplätzen erwirtschaften die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts.
Auch regionale Foren greifen die Problematik auf. Bei einem Karrierefrühstück des Frauenbüros im Saarpfalz-Kreis im Bildungszentrum der Arbeitskammer Kirkel vor rund 130 Gästen stellte die Psychologin Anna Pietzka Ende Oktober 2026 typische Merkmale des Phänomens heraus.
Dazu zählen übertriebener Perfektionismus, das Kleinreden eigener Erfolge, abwertende Vergleiche sowie eine ausgeprägte Angst vor Fehlern. Problematisch werden Selbstzweifel demnach vor allem dann, wenn sie einen chronischen Charakter annehmen.
Risiken von Überkompensation und Erschöpfung
Bleiben Zweifel dauerhaft unbewältigt, drohen gesundheitliche Belastungen. Nach Einschätzung von Prof. Petra Beschoner führt der Versuch, Unsicherheiten durch Mehrarbeit, akribische Vorbereitung und Mehrfachkontrollen zu kompensieren, in einen fortlaufenden Kreislauf aus Anspannung und Selbstkritik. Mögliche Folgen dieses Musters sind Schlafprobleme, Erschöpfungszustände, manifeste Ängste sowie ein erhöhtes Risiko für Depressionen.
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Analysen von Krankenkassen heben hervor, dass Selbstkritik meist ein erlerntes Verhaltensmuster und keine feste Charaktereigenschaft ist. Die innere Stimme verfolge grundsätzlich eine Schutzfunktion, problematisch sei jedoch oft der Tonfall. Fachleute betonen, dass selbstnachsichtige Menschen eine höhere Belastbarkeit aufweisen, Entscheidungen klarer treffen und sich nach Rückschlägen schneller erholen.
Handlungsansätze für mehr Selbstwirksamkeit
Um chronischen Zweifeln entgegenzuwirken, empfehlen Expertinnen konkrete Schritte. Prof. Petra Beschoner rät dazu, ein gesundes Selbstbild zu entwickeln, klare Grenzen zu setzen und sich eigene Erfolge aktiv bewusst zu machen.
Mentales Training zielt darauf ab, zwischen ständiger Verunsicherung und einer unkritischen Überkonfidenz eine realistische Zuversicht zu etablieren. Diese stützt sich auf überprüfbare Belege vergangener Lernerfahrungen und bewältigter Hürden, um bei unvorhergesehenen Herausforderungen handlungsfähig zu bleiben.
