Jo-Jo-Effekt: Norwegische Studie stellt Abnehm-Mythos infrage
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine norwegische Studie stellt die jahrzehntelange Annahme infrage, dass schnelles Abnehmen automatisch zur raschen Gewichtszunahme fĂŒhrt. Forscher prĂ€sentierten die Ergebnisse im Mai auf dem EuropĂ€ischen Adipositas-Kongress in Istanbul.
Schnell abnehmen ohne Rebound-Effekt
284 adipöse Erwachsene nahmen an der Studie teil. Eine Gruppe reduzierte ihre Kalorienzufuhr auf unter 1.000 Kilokalorien pro Tag. Nach acht Wochen hatte sie durchschnittlich 13 Prozent ihres Ausgangsgewichts verloren. Die Vergleichsgruppe mit moderater Reduktion (ca. 1.400 Kilokalorien) erreichte nur 8 Prozent.
Nach einem Jahr zeigte sich: Die Schnell-Abnehmer lagen bei 14,4 Prozent Gewichtsverlust, die Langsame-Gruppe bei 10,5 Prozent. Einen verstĂ€rkten Jo-Jo-Effekt gab es nicht. âDiese Resultate stellen gĂ€ngige Ăberzeugungen infrageâ, erklĂ€rten Experten des Vestfold Hospital Trust. Forscher der UniversitĂ€t Cambridge betonten die Bedeutung fĂŒr kĂŒnftige Behandlungskonzepte.
Ketogene DiÀt gegen Depressionen?
Die ErnĂ€hrung beeinflusst offenbar auch den Hirnstoffwechsel. Eine randomisierte kontrollierte Studie vom Februar 2026 mit rund 90 Teilnehmenden deutet auf eine leichte Besserung bei behandlungsresistenter Depression hin â durch ketogene ErnĂ€hrung.
Weitere Pilotstudien aus dem ersten Halbjahr zeigten Symptomlinderung bei bipolaren Störungen und Schizophrenie. Eine Untersuchung vom Juni beobachtete bei Patienten mit Anorexia nervosa eine Verbesserung psychischer Symptome ohne weiteren Gewichtsverlust.
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Wissenschaftler der Harvard University sehen ein mögliches Umdenken in der Psychiatrie. Ihre Warnung: Solche ErnĂ€hrungsumstellungen mĂŒssen zwingend unter Ă€rztlicher Begleitung erfolgen.
Die 10.000-Schritte-Regel falls
Das tĂ€gliche Ziel von 10.000 Schritten geht auf eine japanische Marketingkampagne von 1964 zurĂŒck. Neuere Studien zeigen: Schon deutlich weniger reichen aus. Eine Analyse im British Journal of Sports Medicine belegte bereits 2024, dass mehr als 2.200 Schritte tĂ€glich das Herz-Kreislauf-Risiko senken.
Eine Metaanalyse in The Lancet Public Health identifizierte 2025 ein Plateau bei etwa 7.000 Schritten. Ab dieser Marke sinkt das Risiko fĂŒr Demenz, Typ-2-Diabetes und Krebs signifikant. Die WHO wies in aktualisierten Leitlinien vom Juli zudem darauf hin, dass rund 45 Prozent der DemenzfĂ€lle durch PrĂ€vention vermeidbar wĂ€ren.
Ultra-verarbeitete Lebensmittel: Die stille Gefahr
Modellierungsstudien zeigen die dramatischen Folgen von Fertigprodukten. Eine Untersuchung des American Journal of Preventive Medicine berechnete: In Kanada waren 2019 zwischen 23 und 38 Prozent der Herz-Kreislauf-Ereignisse auf ultra-verarbeitete Lebensmittel zurĂŒckzufĂŒhren.
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Eine Reduktion des Konsums um 20 bis 50 Prozent könnte demnach zehntausende Neuerkrankungen verhindern.
Joghurt als Gesundheitsbooster
Zwei aktuelle Studien belegen positive Effekte von Naturjoghurt:
Eine taiwanesische Langzeitanalyse deutet darauf hin, dass regelmĂ€Ăiger Konsum von Joghurt und Probiotika das Darmkrebsrisiko um bis zu 50 Prozent senken kann.
Die UniversitĂ€t Tokio beobachtete 48 ĂŒbergewichtige MĂ€nner ĂŒber zwölf Wochen. Bei tĂ€glichem Konsum von 100 Gramm Naturjoghurt in Kombination mit Bewegung verlangsamte sich die biologische Alterung um 2,2 Prozent.
Vorsicht bei NahrungsergÀnzungsmitteln
Foodwatch bezeichnete ein bekanntes Konzentrat 2026 als irrefĂŒhrend beworben. Die Health Claims basierten lediglich auf Einzelvitaminen, das Produkt könne keine ausgewogene ErnĂ€hrung ersetzen. Die Berliner Verbraucherzentrale rĂ€t: Supplemente wie Vitamin D nur nach Ă€rztlicher Bestimmung einnehmen. FĂŒr Kollagendrinks zur HautglĂ€ttung liegen keine belastbaren Belege vor.
Forscher betonen in einem aktuellen Review: Der isolierte Fokus auf einzelne NÀhrstoffe ist oft nicht evidenzbasiert. Eine ausgewogene ErnÀhrung mit Ballaststoffen und ohne ultra-verarbeitete Produkte bleibt der Kern medizinischer Empfehlungen.
