Jugend-Checks: In Ostholstein nehmen nur 19 Prozent der Jugendlichen teil
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen im Jugendalter verharrt auf einem niedrigen Niveau. Daten der AOK NordWest verdeutlichen, dass ein Großteil der Heranwachsenden die vorgesehenen Termine zur gesundheitlichen Überprüfung nicht wahrnimmt.
Im Kreis Ostholstein nutzten beispielsweise lediglich 19% der AOK-versicherten Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren die entsprechenden Angebote. Zwar bedeutet dies einen leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr mit 18,4%, die Beteiligung bleibt jedoch insgesamt gering.
Regionale Unterschiede bei den Gesundheits-Checks
Die Beteiligungsquoten variieren je nach Region und Altersstufe deutlich. Bei der gesetzlichen Leistung J1 für 12- bis 14-Jährige lag die Inanspruchnahme im Kreis Ostholstein im Jahr 2025 bei 33%. Die zusätzliche Mehrleistung J2 für 16- bis 17-Jährige erreichte hingegen lediglich 6,5%.
Ein ähnliches Bild zeichnet sich in anderen Regionen ab. Im Kreis Lippe nutzten 21,3% der AOK-versicherten 12- bis 17-Jährigen die Gesundheits-Checks, wobei die J1 auf 35,2% und die J2 auf 7% kam.
In Bielefeld lag die Quote bei 14,9% und entwickelte sich leicht rückläufig; damit nimmt dort nur knapp 15% der versicherten Zielgruppe das Angebot wahr.
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In anderen Teilen des Versorgungsgebiets zeigen sich ebenfalls differenzierte Werte: In Bottrop geht etwa jeder fünfte Jugendliche zur Jugenduntersuchung, im Kreis Recklinghausen inklusive Gladbeck ist es etwa jeder vierte, während in Gelsenkirchen rund jeder dritte Jugendliche teilnimmt.
Schwerpunkte der Untersuchungen J1 und J2
Die Untersuchungen dienen dazu, Entwicklungsstörungen, Essstörungen sowie chronische Krankheiten frühzeitig festzustellen. Auch Themen wie das körperliche Wachstum und Impfungen stehen im Fokus.
Im Rahmen der J1 überprüfen Ärztinnen und Ärzte Körpergröße, Gewicht, den Impfstatus sowie Blut und Harn. Zudem werden Pubertätsstadien, Organe, das Skelett und die Sinnesfunktionen kontrolliert.
Die J2 baut darauf auf und erfasst zusätzlich mögliche Pubertäts- und Sexualstörungen, Haltungsstörungen sowie das individuelle Diabetes-Risiko. Ein wesentliches Merkmal beider Angebote ist die Vertraulichkeit: Die Termine können von den Jugendlichen auch allein und ohne die Anwesenheit der Eltern wahrgenommen werden.
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Relevanz für chronische Krankheiten und Fehlentwicklungen
Dass eine frühzeitige Begleitung im Jugendalter bedeutsam bleibt, unterstreichen auch Ergebnisse aus weiteren Erhebungen zur Jugendgesundheit. So ergaben Schulabgangsuntersuchungen im Landkreis Barnim zwischen Bernau und Eberswalde, dass fast jeder dritte Schüler Übergewicht aufweist. Gleichzeitig zeigte sich dort, dass viele Impfungen wahrgenommen werden und immer weniger Jugendliche rauchen.
Angesichts der geringen Teilnahmequoten an den Vorsorgechecks sehen Krankenkassenvertreter Handlungsbedarf. AOK-Serviceregionsleiter Reinhard Wunsch für Ostholstein und AOK-Serviceregionsleiter Matthias Wehmhöner für Lippe und Bielefeld bezeichneten das jeweilige Niveau als zu gering und appellierten an die Eltern.
Die AOK NordWest bittet Eltern generell darum, ihre Kinder zur Wahrnehmung der Jugenduntersuchungen zu motivieren, um gesundheitliche Risiken rechtzeitig abzuklären.
