Jugendliche, Europa

Jugendliche in Europa: Kraft und Beweglichkeit seit 60 Jahren im Sturzflug

Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 07:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Körperliche Leistungsfähigkeit europäischer Kinder fällt seit 60 Jahren. Bewegungsmangel droht hohe Gesundheitskosten zu verursachen.

Studie zeigt: Fitness von Europas Jugend sinkt seit Jahrzehnten
Erschöpfte Jugendliche in einer Sporthalle, die den Rückgang der körperlichen Fitness bei jungen Menschen symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die körperliche Fitness von Kindern und Jugendlichen in Europa hat sich in den letzten 60 Jahren drastisch verschlechtert. Muskelkraft, Beweglichkeit und Ausdauer nehmen seit Jahrzehnten kontinuierlich ab.

Kraftverlust seit den 1970er-Jahren

Eine Analyse der Universität Zaragoza belegt den Negativtrend. Die Forscher der Gruppe EXER-GENUD werteten Daten von 417.362 Probanden im Alter von 6 bis 16 Jahren aus 20 europäischen Ländern aus – der Untersuchungszeitraum reicht von 1965 bis 2023. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse Ende Juli 2026 im Fachjournal „Sports Medicine - Open“.

Die Zahlen sind eindeutig: Die Kraft der oberen Extremitäten sinkt bereits seit 1970. Bei den Beinen gab es bis 1980 zunächst Zuwächse, danach folgte der Abstieg. Die Rumpfstabilität hielt sich zwischen 1980 und 2000 kurzzeitig stabil – dann verschlechterte sie sich ebenfalls.

Besonders dramatisch ist die Lage bei der Flexibilität. Laut Studie ist dies der Bereich mit dem stärksten Rückgang, und der Prozess hat sich seit der Jahrtausendwende noch beschleunigt. Die COVID-19-Pandemie verschärfte den Trend weiter, warnen Erstautor Daniel Domingo del Val und seine Kollegen.

Dicker, schwächer, weniger belastbar

Parallel zum Kraftverlust verändert sich die Körperzusammensetzung: Adipositas nimmt zu. Forscher warnen, dass der Body-Mass-Index (BMI) das tatsächliche Ausmaß oft unterschätzt. Die kardiorespiratorische Fitness stabilisierte sich zwischen 2015 und 2023 zwar leicht – bleibt aber deutlich unter dem Niveau früherer Jahrzehnte.

Die WHO empfiehlt Jugendlichen täglich mindestens 60 Minuten moderate bis intensive Bewegung sowie Muskel- und Knochentraining an drei Tagen pro Woche. Die Realität sieht anders aus: Weltweit verfehlen rund 81 Prozent der Jugendlichen – etwa 340 Millionen – diese Vorgaben.

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Milliardenkosten durch Bewegungsmangel

Die Folgen sind nicht nur physisch, sondern auch ökonomisch. Prognosen der WHO zufolge könnte Inaktivität zwischen 2020 und 2030 weltweit rund 500 Millionen neue Krankheitsfälle verursachen, darunter Diabetes und Bluthochdruck. Die Kosten: geschätzte 300 Milliarden US-Dollar – etwa ein Drittel davon entfällt auf Europa.

Dabei ist der Zusammenhang zwischen Fitness und Psyche längst belegt. Eine Studie im Fachjournal „JAMA Pediatrics“ mit Daten von knapp vier Millionen Schülern zeigt: Wer körperlich fitter ist, hat ein geringeres Risiko für Depressionen, Angstzustände oder ADHS. Als Ursachen gelten Einflüsse auf Stoffwechsel, Hirnentwicklung und soziale Integration.

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Defizite schon bei Kindern

Der Fitnessmangel zeigt sich früh – selbst beim Radfahren. Eine Studie der ADAC-Stiftung vom 30. Juli 2026 belegt: Nur knapp 60 Prozent der Sieben- bis Neunjährigen beherrschen grundlegende Manöver wie Schulterblick oder einhändiges Fahren sicher. Lehrkräfte berichten zudem von wachsenden Aufmerksamkeitsdefiziten im Straßenverkehr.

„Die heute inaktiven Jugendlichen sind die Herz-Kreislauf-Patienten von morgen“, warnte WHO-Expertin Fiona Bull auf Fachkongressen im Juli 2026. Forscher fordern deshalb verstärkte öffentliche Maßnahmen. Diskutiert werden tägliche Bewegungszeiten und eine stärkere Regulierung der Bildschirmzeit. Die Europäische Kommission empfiehlt in einem Bericht vom 13. Juli 2026 eine schrittweise Autonomie bei der Nutzung digitaler Geräte – Kinder unter 13 Jahren besäßen oft noch nicht die nötige Reife für eine eigenständige Online-Nutzung.

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