Jugendliche unter GLP-1: Jedes sechste Kind entwickelt NĂ€hrstoffmangel
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 08:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die wachsende Beliebtheit von GLP-1-PrĂ€paraten zur Gewichtsreduktion rĂŒckt zunehmend die Begleiterscheinungen der medikamentösen Behandlungen in den Fokus der medizinischen Forschung.
Ein narrativer Review im Fachjournal Lancet Obstetrics, Gynaecology, & Women's Health vom 29. September 2026 weist darauf hin, dass bei der Anwendung dieser Medikamente ein erhöhtes Risiko fĂŒr den Verlust von Muskelmasse besteht. Gleichzeitig werden eine adĂ€quate NĂ€hrstoffversorgung sowie eine professionelle ErnĂ€hrungsberatung in der klinischen Praxis bislang hĂ€ufig vernachlĂ€ssigt.
Muskelabbau und NÀhrstoffdefizite wÀhrend der Therapie
Laut dem Review in der Fachzeitschrift Lancet belegen Studien, dass etwa 30 % des durch GLP-1-PrĂ€parate erzielten Gewichtsverlusts auf fettfreie Masse entfallen. Dieser Abbau birgt insbesondere bei Ă€lteren Frauen ein gesteigertes Risiko fĂŒr Gebrechlichkeit.
Da die Verbreitung der Medikamente bei ĂŒberwiegend weiblichen Anwendern der frauenspezifischen Beratung vorausgehe, bleibe die wissenschaftliche Evidenz fĂŒr bestimmte Personengruppen weiterhin begrenzt.
Zudem geht die frĂŒhe Kalorienrestriktion wĂ€hrend der Behandlung oft mit einer unzureichenden Zufuhr essenzieller NĂ€hrstoffe einher. Der Review nennt hierbei insbesondere Defizite bei Vitamin D, Kalium, Cholin, Magnesium und Eisen.
Eine gezielte Proteinzufuhr und begleitendes Krafttraining könnten diesen Muskelverlust zwar mindern, erweisen sich fĂŒr viele Betroffene jedoch aufgrund von finanziellen Kosten und sozialen HĂŒrden als schwer durchzuhalten.
Wer gezielt gegen den Abbau von Muskelmasse vorgehen möchte, kann dies bereits mit minimalem Zeitaufwand von zuhause aus tun. Dieser kostenlose Ratgeber stellt sechs einfache Ăbungen vor, die speziell darauf ausgerichtet sind, die Kraft zu erhalten und den Körper zu stĂ€rken. Kostenlosen Krafttrainings-Ratgeber jetzt herunterladen
Ein weiterer Review in Obesity Pillars aus dem Jahr 2025 bezeichnet den Muskelschwund ebenfalls als zentrale Herausforderung von GLP-1-Therapien und bemÀngelt das Fehlen strukturierter ErnÀhrungsberatung.
Der Beitrag rĂ€t MĂ€nnern im Kaloriendefizit zu 1,6â2,2 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht tĂ€glich sowie drei bis vier Krafttrainingseinheiten pro Woche; zudem wird Kreatin als Option diskutiert. Diese Werte basieren auf allgemeinen Empfehlungen des Fachartikels und stammen nicht aus einer GLP-1-spezifischen Interventionsstudie.
Klinische Daten und Beobachtungen bei Jugendlichen
Ergebnisse weiterer Studien bestĂ€tigen die VerĂ€nderungen der Körperzusammensetzung. Die Masabo Clinic verweist darauf, dass die Gewichtsabnahme zwar ĂŒberwiegend Fettmasse reduziere, jedoch stets auch fettfreie Masse betreffe.
In der Studie STEP 1 mit Semaglutid (140 Personen ĂŒber 68 Wochen) sank das Körpergewicht um 15,0 %, die Fettmasse um 19,3 % und die fettfreie Masse um 9,7 % gegenĂŒber dem Ausgangswert.
In der Untersuchung SURMOUNT-1 mit Tirzepatid (160 Personen ĂŒber 72 Wochen) verringerte sich das Gewicht um 21,3 %, die Fettmasse um 33,9 % und die fettfreie Masse um 10,9 %; etwa 25 % des Gewichtsverlusts entfielen dabei auf fettfreie Masse.
Eine Auswertung von 35 randomisierten kontrollierten Studien ergab zudem einen Median von 28,3 % fĂŒr den Anteil muskelbezogener MessgröĂen am gesamten Gewichtsverlust. Die Masabo Clinic hebt hervor, dass Langzeitfolgen und detaillierte Daten zur Muskelkraft weiterhin unzureichend erforscht seien.
Der Erhalt der körperlichen VitalitĂ€t hĂ€ngt eng mit dem VerstĂ€ndnis der eigenen Körperwerte zusammen, um frĂŒhzeitig auf Defizite reagieren zu können. Erfahren Sie in diesem kostenlosen 25-seitigen Report, wie Sie wichtige Labor- und Vitalstoffwerte richtig deuten und Ihre Gesundheit aktiv schĂŒtzen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck anfordern
Besondere Vorsicht mahnt eine US-Studie im Journal Childhood Obesity vom 23. September 2026 an. Zwischen 2017 und 2022 wurden mehr als 2.000 Jugendliche im Alter von 10 bis 17 Jahren unter GLP-1-Therapie beobachtet.
Fast jedes sechste Kind entwickelte im ersten Jahr nach Behandlungsbeginn einen NÀhrstoffmangel, wobei ein Mangel an Vitamin D bei 12,4 % der Teilnehmenden auftrat. Gleichzeitig erhielten nur 5 % im ersten Monat und weniger als ein Viertel innerhalb der ersten sechs Monate eine ErnÀhrungsberatung, weshalb die Autoren eine engmaschige Begleitung wÀhrend der Wachstumsphase fordern.
Globale Versorgungsunterschiede und Marktentwicklung
Der Lancet-Review beleuchtet zudem globale Diskrepanzen: Eine Analyse von 99 LĂ€ndern zeigt, dass fast 80 % der klinisch geeigneten Erwachsenen in LĂ€ndern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMICs) leben.
Dort erschweren hohe Preise, LieferengpĂ€sse sowie gefĂ€lschte oder zusammengesetzte Produkte den Zugang. WĂ€hrend die nachhaltigen Herstellungskosten je nach Formulierung auf 1 bis 70 US-Dollar pro Monat geschĂ€tzt werden, liegen die Einzelhandelspreise in vielen dieser LĂ€nder bei ĂŒber 90 US-Dollar monatlich.
In westlichen MÀrkten wÀchst derweil die Nutzung. Laut einer Umfrage von Gallup aus dem Jahr 2026 nutzen derzeit 11 % der US-Erwachsenen GLP-1-PrÀparate zur Gewichtsreduktion (nach 3 % im Jahr 2024), wÀhrend weitere 15 % sie in der Vergangenheit verwendet haben.
ErnÀhrungsfachleute raten bei medikamentös bedingt verringertem Appetit zu nÀhrstoffreicher Kost mit Protein, Ballaststoffen, gesunden Fetten, Calcium und Vitamin D sowie zur Vermeidung von fettigen Speisen, Alkohol und stark zuckerhaltigen Produkten, um Magen-Darm-Beschwerden zu vermeiden.
