Kachexie, GDF15-Eingriff

Kachexie: GDF15-Eingriff verringerte Gewichtsverlust bei Krebspatienten

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Vi-CaN untersucht Ursachen und frühe Anzeichen; ein Eingriff in den GDF15-Signalweg verringerte in einer Studie den Gewichtsverlust.

MedUni Wien gründet Netzwerk zur Erforschung der Kachexie
Glaslaborausrüstung auf einem sauberen, weißen Labortisch in einer hellen, klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Der fortschreitende Verlust von Fett- und Muskelmasse stellt für viele schwerkranke Menschen eine lebensbedrohliche Belastung dar. Dieses komplexe Krankheitsbild, in der Medizin als Kachexie bezeichnet, beruht auf einem schwer fehlgesteuerten Stoffwechsel und gilt bislang als nicht heilbar.

Um die zugrundeliegenden Ursachen und frühen Anzeichen dieses Phänomens systematisch zu entschlüsseln, bündeln Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien ihre Kräfte im neu gegründeten Vienna Cachexia Network (Vi-CaN). Das Netzwerk widmet sich der Erforschung jener Mechanismen, die den dramatischen körperlichen Verfall antreiben.

Ursachen und betroffene Patientengruppen

Kachexie tritt keineswegs isoliert auf, sondern manifestiert sich meist als schwere Begleiterscheinung anderer schwerwiegender Erkrankungen. Wie der Immunologe Andreas Bergthaler von der MedUni Wien darlegt, entwickelt sich das Syndrom vor allem in Folge von Krebserkrankungen sowie Funktionsstörungen lebenswichtiger Organe. Neben Herz-, Lungen-, Nieren- und Lebererkrankungen zählen auch chronische Infektionen zu den wesentlichen Auslösern.

Im Gegensatz zu einer reinen Mangelernährung lässt sich die Kachexie nicht durch eine einfache Steigerung der Kalorienzufuhr stoppen. Der Stoffwechsel der Betroffenen gerät derart aus dem Gleichgewicht, dass der Körper eigenes Gewebe trotz Nahrungsaufnahme kontinuierlich abbaut.

Rückschläge in der medikamentösen Entwicklung

Die Suche nach wirksamen Behandlungsansätzen gestaltet sich seit Jahrzehnten schwierig. Bis heute steht für Kachexie kein zugelassenes Medikament zur Verfügung, wie aus einem Bericht des Portals tt.com vom 8. Oktober 2026 hervorgeht. Bergthaler stellte in diesem Zusammenhang fest, dass fünfzig Jahre der Therapieentwicklung bei Kachexie bislang nur wenige greifbare Erfolge hervorgebracht haben.

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Ein wiederkehrendes Problem der Forschung liegt in der Übertragbarkeit von Erkenntnissen aus dem Labor auf den Menschen. Ein prominentes Beispiel dafür ist die Blockade des Signalstoffs TNF: Während dieser Ansatz in Tiermodellen erfolgreich war und die Kachexie stoppen konnte, scheiterte die Methode in klinischen Studien mit menschlichen Patienten vollständig.

Hoffnungsträger und internationaler Austausch

Trotz der historischen Rückschläge zeichnen sich in der aktuellen Forschung neue Ansätze ab. Besondere Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf das Protein GDF15. In einer klinischen Studie konnte gezeigt werden, dass ein Eingriff an diesem Signalweg den Gewichtsverlust bei Krebspatienten mit Kachexie reduzierte.

Fachleute betonen jedoch, dass weitere Studien zwingend erforderlich sind, um die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Strategie abschließend zu bewerten.

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Um den Wissensaustausch voranzutreiben und neue Erkenntnisse schneller in therapeutische Konzepte zu überführen, setzt das Vienna Cachexia Network auf eine weltweite Vernetzung. Im Rahmen des ersten Vi-CaN-Symposiums diskutierten Wiener Forscher die Mechanismen der Erkrankung gemeinsam mit internationalen Fachleuten, darunter Vickie Baracos von der University of Alberta.

Durch die detaillierte Analyse früher Anzeichen hoffen die Forscher, künftig therapeutisch intervenieren zu können, bevor der fatale Muskel- und Fettverlust irreversibel einsetzt.

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