KÀrntner Apotheken: 1.923 PrÀdiabetes-FÀlle bei 5.200 Tests entdeckt
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 12:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
AnlĂ€sslich des Weltherztags 2026 rĂŒckt die Notwendigkeit einer strukturellen Neuausrichtung der Gesundheitsvorsorge in den Fokus. Die Assmann-Stiftung fĂŒr PrĂ€vention fordert in diesem Kontext eine deutliche StĂ€rkung prĂ€ventiver AnsĂ€tze in Deutschland sowie die feste Einbindung zivilgesellschaftlichen und ehrenamtlichen Engagements in die gesundheitspolitische Gesamtstrategie.
Wissenschaftlich fundierte und zugleich niedrigschwellige Angebote sollen nach Ansicht der Stiftung die bestehenden Versorgungsstrukturen gezielt ergÀnzen.
Vernetzung von Apotheken und Hausarztpraxen als Hebel
Ein zentraler Baustein des vorgelegten Positionspapiers der Assmann-Stiftung ist die engere Verzahnung verschiedener Akteure des Gesundheitssystems. Konkret sollen Apotheken und Hausarztpraxen besser kooperieren: WĂ€hrend Apotheken etwa einfache Blutdruckmessungen und grundlegende RisikoaufklĂ€rung ĂŒbernehmen können, obliegt den Hausarztpraxen die fundierte Risikobewertung und weiterfĂŒhrende Diagnostik.
Dass solche niedrigschwelligen Angebote greifen, zeigen auch Erfahrungen aus NachbarlĂ€ndern. Im Rahmen der ersten EU Screening Week vom 28. September bis zum 4. Oktober 2026 und rund um den Weltherztag am 29. September 2026 stellen etwa österreichische Apotheken Tests fĂŒr Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Vitamin D, Ferritin und Körperfett bereit, deren Resultate meist innerhalb weniger Minuten vorliegen.
Gerhard Kobinger, VizeprĂ€sident der Ăsterreichischen Apothekerkammer, unterstrich in diesem Zusammenhang, dass Vorsorge fĂŒr die Bevölkerung einfach erreichbar sein mĂŒsse.
Eine vorangegangene Diabetes-Vorsorgeaktion in KĂ€rntner Apotheken verdeutlichte den praktischen Nutzen: Von knapp 5.200 getesteten Personen wurden 1.923 PrĂ€diabetes-FĂ€lle sowie 178 zuvor unentdeckte Diabeteserkrankungen identifiziert und an medizinisches Fachpersonal ĂŒberwiesen.
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Hoher Handlungsbedarf und ungenutzte PrÀventionspotenziale
Wie dringend ein Ausbau prĂ€ventiver MaĂnahmen ist, belegen aktuelle Daten auf kommunaler Ebene. Der Gesundheitsbericht der Stadt Wuppertal wies fĂŒr das Jahr 2024 aus, dass 79.029 BĂŒrgerinnen und BĂŒrger â rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung â wegen Bluthochdrucks ambulant behandelt wurden. In der Altersgruppe ab 45 Jahren lag die BehandlungshĂ€ufigkeit sogar bei rund 50 Prozent.
Zudem befanden sich 2024 insgesamt 30.788 Personen wegen Typ-2-Diabetes in ambulanter Behandlung, wobei die HÀufigkeit in der Gruppe bis 44 Jahre seit 2016 um 28,2 Prozent anstieg. Wegen ischÀmischer Herzkrankheiten wurden 17.918 Personen behandelt, wenngleich die altersstandardisierte Sterberate zwischen 2015 und 2024 bei Frauen um 43 Prozent und bei MÀnnern um 40 Prozent sank.
Laut dem Bericht der Stadt Wuppertal liegt das rechnerische PrÀventionspotenzial hoch: Demnach gelten 70 Prozent der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 50 Prozent der Krebserkrankungen als vermeidbar. Modellhafte SchÀtzungen beziffern dies vor Ort auf 57.854 potenziell vermeidbare Herz-Kreislauf-FÀlle sowie durchschnittlich 1.115 vermeidbare Krebs-Neuerkrankungen pro Jahr.
Digitale Bildungsinitiativen und Lebensstilfaktoren
Um Risikogruppen frĂŒhzeitig zu erreichen, setzt die Assmann-Stiftung neben Vor-Ort-Strukturen auf digitale Formate. Im Rahmen der Bildungsinitiative âDeutschland bestimmt das Herzalter!â ermittelten bereits mehr als 935.000 Menschen ihr persönliches Herz-Kreislauf-Risiko â nach Stiftungsangaben kostenfrei, anonym und ohne finanzielle Belastung fĂŒr die gesetzliche Krankenversicherung.
Neben Screening und Diagnostik bildet die aktive Lebensstilgestaltung die Basis erfolgreicher Vorsorge. Richard Crevenna von der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Physikalische Medizin, Rehabilitation und Arbeitsmedizin an der Medizinischen UniversitĂ€t Wien verweist darauf, dass Krafttraining neben Ausdauereinheiten eine zentrale SĂ€ule darstelle, da Skelettmuskulatur als Stoffwechselorgan die Glukoseaufnahme sowie die InsulinsensitivitĂ€t verbessere.
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Als Orientierung fĂŒr Erwachsene gelten wöchentlich 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensivere AusdaueraktivitĂ€t, ergĂ€nzt durch KrĂ€ftigungstraining an mindestens zwei Tagen pro Woche. Die Verbindung aus Information, digitalem Selbsttest und leicht zugĂ€nglicher Diagnostik gilt Fachleuten daher als wesentlicher Schritt, um chronischen Erkrankungen wirksam vorzubeugen.
