Kaffee, Darmflora

Kaffee und Darmflora: 54.000 Stuhlproben zeigen mehr mikrobielle Vielfalt

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen verbinden Kaffee mit vielfältigeren Darmbakterien und möglichen Effekten auf Entzündungsmarker, Stimmung und Herz-Kreislauf-Zellen.
Nahaufnahme von gerösteten Kaffeebohnen auf einer rustikalen Holzoberfläche bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen zunehmend, dass der regelmäßige Konsum von Kaffee eng mit der Zusammensetzung der menschlichen Darmflora verknüpft ist. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Kaffeetrinken mit einer höheren Diversität des Darmmikrobioms korreliert. Dies könnte sich wiederum positiv auf das allgemeine Wohlbefinden sowie auf die kardiovaskuläre Gesundheit auswirken.

Mikrobielle Vielfalt und spezifische Bakterienstämme

In einer groß angelegten Untersuchung, die über 54.000 Stuhlproben analysierte, wiesen Kaffeetrinker signifikant höhere Werte der Bakterienart Lawsonibacter asaccharolyticus auf. Dieser Effekt trat auch bei Personen auf, die koffeinfreien Kaffee konsumierten.

Als ursächlich gelten Röstprodukte wie Melanoide sowie pflanzliche Polyphenole, die von Darmbakterien verstoffwechselt werden. Das Bakterium produziert unter anderem Butyrat, eine kurzkettige Fettsäure mit entzündungshemmenden Eigenschaften.

Eine weitere Untersuchung bestätigte, dass ein moderater Konsum mit einer Zunahme nützlicher Bifidobakterien, einem Rückgang von Enterobacteriaceae und einer allgemein gesteigerten mikrobiellen Diversität assoziiert ist.

Der Epidemiologe Tim Spector erklärte in einem Medieninterview, dass eine Tasse Filterkaffee rund 1,5 Gramm lösliche Ballaststoffe liefere, was dem Gehalt einer Mandarine entspreche. Kaffee stelle eine bedeutende Polyphenolquelle dar und zähle neben grünem Tee und Matcha zu den gesundheitlich vorteilhaftesten Getränken.

Spector verwies zudem auf Daten, wonach Kaffeekonsum mit einem um 15 Prozent geringeren Risiko für Herzerkrankungen sowie reduzierten Risiken für Alzheimer, Parkinson, Leber- und Brustkrebs verbunden sei. Als Orientierung nannte er zwei bis vier Tassen täglich.

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Effekte auf Gemütszustand und Entzündungsmarker

Die funktionellen Auswirkungen des Konsums untersuchte ein Team des University College Cork in einer in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichten Studie mit 62 gesunden Erwachsenen, aufgeteilt in 31 Nichttrinker und 31 Personen mit einem täglichen Konsum von drei bis fünf Tassen.

Bei Kaffeetrinkern traten Bakterien wie Eggerthella sp. und Cryptobacterium curtum sowie höhere Werte an Firmicutes auf, was insbesondere bei Frauen mit positiven Emotionen verknüpft war.

Nach einer zweiwöchigen Abstinenzphase veränderten sich bei den Gewohnheitstrinkern Stoffwechselprodukte im Stuhl, während kaffeeabhängige Probiotika abnahmen und Entzündungsmarker wie das C-reaktive Protein anstiegen. Nach erneuter, verblindeter Zufuhr von koffeinhaltigem oder entkoffeiniertem Kaffee sanken subjektive Stresswerte, Depressionsscores und Impulsivität in beiden Interventionsgruppen.

Studienleiter John Cryan vom Forschungsinstitut APC Microbiome Ireland beschrieb Kaffee als komplexen Ernährungsfaktor, der wie ein präbiotisches Werkzeug wirke. Fachmediziner merken zu den Ergebnissen allerdings an, dass die Interventionsgruppe klein war und es sich um Korrelationen handele, die keine direkte Therapieempfehlung bei Depressionen oder Darmerkrankungen begründen.

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Zelluläre Mechanismen im Herz-Kreislauf-System

Ergänzend zu den Prozessen im Verdauungstrakt existieren Belege für zellschützende Wirkungen des Koffeins. In einer am 21. Juni in PLoS Biology erschienenen Grundlagenstudie von Judith Haendeler und Joachim Altschmied (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Leibniz-Institut für Umweltmedizinische Forschung) zeigte sich, dass Koffein den Transport des regulatorischen Proteins p27 in die Mitochondrien fördert.

Dieser Mechanismus schützt Herz- und Gefäßzellen und trat bei Konzentrationen auf, die vier Tassen Kaffee entsprechen. Das mitochondriale p27 unterstützt die Endothelzellwanderung, bewahrt Herzmuskelzellen vor dem Zelltod und steuert die Gewebereparatur nach einem Infarkt. In Modellversuchen an alten, adipösen oder prädiabetischen Mäusen schützte diese Dosis vor Schädigungen des Herzens.

Trotz der positiven Befunde raten Fachleute zu Augenmaß: Ein übermäßiger Konsum von mehr als HTML5 Tassen täglich ist mit einem erhöhten Risiko für gastroösophagealen Reflux sowie das Fortschreiten von Morbus Crohn assoziiert. Schwangere und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen sollten die Koffeinzufuhr entsprechend begrenzen.

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