Kaffee, Darmflora

Kaffee und Darmflora: Ein Bakterium kommt bis zu 8-mal hÀufiger vor

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 19:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
RegelmĂ€ĂŸiger Kaffeekonsum steht mit grĂ¶ĂŸerer mikrobieller Vielfalt in Verbindung; auch entkoffeinierter Kaffee beeinflusst die Darmflora.
Nahaufnahme von gerösteten Kaffeebohnen auf einer rustikalen HolzoberflĂ€che bei natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen liefern detaillierte Einblicke in die Wechselwirkungen zwischen Kaffeekonsum und der Zusammensetzung der menschlichen Darmflora.

Daten aus groß angelegten Kohortenanalysen sowie experimentellen Studien verdeutlichen, dass regelmĂ€ĂŸige Kaffeetrinker ĂŒber ein diverseres Darmmikrobiom verfĂŒgen als Personen, die keinen Kaffee konsumieren. Insbesondere die HĂ€ufigkeit bestimmter funktioneller BakterienstĂ€mme sowie stoffwechselaktiver Substanzen unterscheidet sich dabei signifikant.

Bakterielle Vielfalt und spezifische Mikroben

Wie Tim Spector vom King's College London und MitgrĂŒnder des Konsortiums ZOE darlegt, weisen Kaffeetrinker im Vergleich zu Nicht-Trinkern eine deutlich verĂ€nderte mikrobielle Gemeinschaft auf.

Eine im Fachjournal Nature Microbiology publizierte Studie der UniversitĂ€t Trient und des ZOE-Konsortiums dokumentiert, dass das Bakterium Lawsonibacter asaccharolyticus bei regelmĂ€ĂŸigem Konsum 6- bis 8-mal hĂ€ufiger im Darm vorkommt. Das Bakterium ist zwar auch bei Nicht-Trinkern nachweisbar, Laborexperimente bestĂ€tigten jedoch, dass Kaffee dessen Wachstum gezielt stimuliert.

Die Datenbasis dieser Untersuchung stĂŒtzt sich auf 22.867 Teilnehmende aus den USA und Großbritannien, die mit 211 weiteren Kohorten und insgesamt 54.198 Personen abgeglichen wurden.

ErgĂ€nzende Berichte beziffern die Gesamtdatenbasis auf ĂŒber 22.000 Personen in 25 LĂ€ndern, bei denen mehr als 100 mit Kaffeekonsum assoziierte Bakterienarten identifiziert wurden. Bis zu 115 sogenannte SGB (Species-level Genome Bins) reagierten positiv auf die Zufuhr von Kaffee.

Lawsonibacter asaccharolyticus gilt als gesundheitsfördernd: Es produziert kurzkettige FettsĂ€uren wie Butyrat, das Dickdarmzellen als wesentliche Energiequelle dient, entzĂŒndungshemmend wirkt und den Stoffwechsel verbessert.

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Spector verweist zudem auf Erhebungen ĂŒber einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren. Demnach wiesen Kaffeetrinker mit einem Konsum von tĂ€glich drei Tassen oder mehr eine um 25 Prozent grĂ¶ĂŸere Mikrobiom-Vielfalt auf als Nicht-Konsumenten.

Der Stamm Faecalibacterium prausnitzii war um 40 Prozent erhöht, wĂ€hrend EntzĂŒndungsmarker wie das C-reaktive Protein um 15 Prozent niedriger lagen. Auch Bakterien der Gattung Roseburia, die mit einer verbesserten Stoffwechselgesundheit verknĂŒpft sind, traten vermehrt auf.

Polyphenole statt Koffein als treibende Kraft

Die mikrobiellen Anpassungen lassen sich den Studienergebnissen zufolge nicht primĂ€r auf Koffein zurĂŒckfĂŒhren. Entkoffeinierter Kaffee zeigte identische Effekte auf das Mikrobiom, was auf andere Inhaltsstoffe hinweist. Vor allem Polyphenole wie ChlorogensĂ€ure sowie lösliche Ballaststoffe gelten als treibende Faktoren. Eine einzelne Tasse Filterkaffee liefert circa 1,5 Gramm lösliche Ballaststoffe.

Darmbakterien verstoffwechseln diese Verbindungen zu bioaktiven Metaboliten, darunter ChinasĂ€ure und HippursĂ€ure. Auf Basis dieser Mechanismen plant Spector eine klinische Studie mit konzentriertem koffeinfreiem Kaffee-Extrakt als NahrungsergĂ€nzung fĂŒr Personen mit chronischen DarmentzĂŒndungen.

Hinsichtlich des tĂ€glichen Konsums beschreibt Spector zwei bis vier Tassen als moderate OrientierungsgrĂ¶ĂŸe, betont jedoch die Notwendigkeit individueller Anpassungen.

In der Nature-Studie war der tĂ€gliche Kaffeegenuss statistisch mit einer reduzierten GesamtmortalitĂ€t und kardiovaskulĂ€ren Sterblichkeit sowie einem geringeren Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes, nichtalkoholische Fettleber und Krebs assoziierte.

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Die Einteilung unterschied dabei zwischen Nichttrinkern (weniger als drei Tassen pro Monat), moderaten Konsumenten (drei Tassen pro Monat bis drei Tassen pro Tag) und starken Trinkern (mehr als drei Tassen pro Tag).

Allgemeine Beobachtungsstudien weisen zudem auf ein um circa 15 Prozent geringeres Risiko fĂŒr Herzerkrankungen hin, wobei es sich um statistische ZusammenhĂ€nge ohne nachgewiesene KausalitĂ€t handelt.

BezĂŒglich der VertrĂ€glichkeit gibt die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) einen Richtwert von bis zu 400 Milligramm Koffein pro Tag als unbedenklich fĂŒr die meisten gesunden Erwachsenen an. FĂŒr Schwangere liegt der empfohlene Höchstwert bei maximal 200 Milligramm tĂ€glich.

Experimentelle Befunde zu Verhalten und Stoffwechsel

ErgĂ€nzende Erkenntnisse stammen aus Untersuchungen von John Cryan am Forschungszentrum APC Microbiome Ireland des University College Cork. In einer in Nature Communications veröffentlichten Untersuchung begleiteten Forscher 31 Personen, die ĂŒblicherweise drei bis fĂŒnf Tassen Kaffee pro Tag tranken.

Nach einem zweiwöchigen Verzicht erhielten die Teilnehmenden im Blindversuch vier Tagesdosen Instantkaffee in koffeinhaltiger oder entkoffeinierter Form.

Die anschließende Analyse zeigte verĂ€nderte Bakterienprofile mit einer Zunahme von Eggerthella sp., Cryptobacterium curtum sowie Vertretern der Firmicutes. UnabhĂ€ngig vom Koffeingehalt berichteten die Teilnehmenden nach der WiedereinfĂŒhrung ĂŒber ein geringeres Stressempfinden, weniger depressive Symptome und eine verminderte ImpulsivitĂ€t.

Differenzierte Effekte zeigten sich bei funktionellen Tests: In der Gruppe mit entkoffeiniertem Kaffee verbesserten sich Leistungen in standardisierten Lern- und GedÀchtnistests (Lokalisierungs- und Wortlisten-Aufgaben).

Koffeinhaltiger Kaffee ging hingegen mit einer Reduktion von Angst, psychischer Fatigue und Distress sowie verbesserter Wachsamkeit und Aufmerksamkeit einher, begleitet von niedrigeren EntzĂŒndungswerten. Cryan weist darauf hin, dass diese Pilotstudie eine kleine Stichprobe umfasst und vom Institute for Scientific Information on Coffee finanziert wurde.

Eine weitere Studie des APC Microbiome Ireland an 62 Erwachsenen bestÀtigte, dass sowohl koffeinhaltiger als auch entkoffeinierter Kaffee das Mikrobiom und psychologische Parameter modulieren können. Als prÀgnanteste Auswirkung des zeitweiligen Kaffeeverzichts registrierten die Wissenschaftler eine tiefgreifende Verschiebung der bakteriellen Stoffwechselprodukte im Darm.

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