Kaffee und Diabetes: RegelmĂ€Ăiger Konsum ist mit 23 Prozent weniger Risiko verbunden
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 09:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen deuten darauf hin, dass regelmĂ€Ăiger Kaffeekonsum das Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes senken könnte und keine erhöhten Risiken fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen birgt.
Zahlreiche ernÀhrungsmedizinische und kardiologische Langzeitbeobachtungen zeigen vielmehr, dass ein moderater Konsum neutral oder gar mit gesundheitlichen Vorteilen einhergehen kann. Dennoch mahnen Fachleute zur Differenzierung: Die Art der Zubereitung, die individuelle VertrÀglichkeit und die KausalitÀtsfrage spielen eine wesentliche Rolle.
Langzeitdaten zum Diabetesrisiko
Ein zentraler Befund epidemiologischer Arbeiten ist der Zusammenhang mit dem Zuckerstoffwechsel. Eine Langzeitstudie des Deutschen Instituts fĂŒr ErnĂ€hrungsforschung verfolgte ĂŒber 42.000 zunĂ€chst chronisch gesunde Erwachsene in Deutschland knapp 10 Jahre lang, wobei Gesundheitsdaten ĂŒber 9 Jahre alle 2 bis 3 Jahre erhoben wurden.
Chronische Erkrankungen traten bei 871 von 8.689 Nicht-Kaffeetrinkern und 1.124 von 12.137 Personen mit mindestens 4 Tassen tÀglich auf, was jeweils rund 10 % entsprach.
Beim Typ-2-Diabetes lag der Anteil bei 3,2 % bei tĂ€glich 4 Tassen gegenĂŒber 3,6 % bei Nichttrinkern. Nach BerĂŒcksichtigung von Gewicht und Rauchen war das Risiko bei regelmĂ€Ăigem Konsum um 23 % niedriger. Die Forschenden betonten im American Journal of Clinical Nutrition, dass dies keine PrĂ€vention beweise.
Eine Auswertung der Johns-Hopkins-Studie, die 12.204 US-Erwachsene ohne Diabetes von 1987 bis 1999 begleitete, zeigte Ă€hnliche Tendenzen. Kaffeekonsum war nach BerĂŒcksichtigung weiterer Faktoren mit einem geringeren Typ-2-Diabetes-Risiko verbunden als der Konsum zuckerhaltiger GetrĂ€nke.
Bei mindestens 4 Tassen Kaffee tÀglich entwickelte weniger als ein Drittel Typ-2-Diabetes, wÀhrend Konsumenten zuckerhaltiger SÀfte und Softdrinks ein höheres Risiko aufwiesen. Auch hier handelte es sich um einen Beobachtungszusammenhang; als mögliche wirksame Bestandteile wurden Magnesium und ChlorogensÀure diskutiert.
Auf biochemischer Ebene beschrieb ein Forschungsbericht im Journal of Agricultural & Food Chemistry, dass bestimmte Kaffeebestandteile im Laborversuch die Fehlfaltung und Aggregation des Proteins hIAPP hemmen könnten, welches mit Typ-2-Diabetes in Verbindung steht.
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Herz-Kreislauf-System und Sterblichkeit
Auch die Auswirkungen auf Herz und GefĂ€Ăe werden in Fachkreisen positiv bis neutral eingeordnet. Ein Statement der American Heart Association in der Fachzeitschrift Circulation hielt fest, dass mĂ€Ăiger Koffeinkonsum, vor allem durch Kaffee, mit einem geringeren Schlaganfallrisiko verbunden sei.
Zudem bestehe kein Zusammenhang oder ein Zusammenhang mit einem geringeren Risiko fĂŒr koronare Herzkrankheit und Herzinsuffizienz. Beobachtungsdaten der Framingham-Studie zeigten bei tĂ€glich 1 bis 3 Tassen ungesĂŒĂtem Kaffee ebenfalls ein tendenziell niedrigeres spĂ€teres Herzinsuffizienzrisiko als bei Abstinenz.
Ergebnisse der UK-Biobank-Studie mit 468.629 Erwachsenen ohne erkennbare Herzerkrankung (Durchschnittsalter ca. 56 Jahre), die 2021 beim ESC-Kongress vorgestellt und 2022 im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlicht wurden, stĂŒtzen diese Beobachtungen.
Bei einem Konsum von 0,5 bis 3 Tassen tĂ€glich waren die relativen Risiken gegenĂŒber Nichttrinkern um 12 % fĂŒr Tod jeglicher Ursache, 17 % fĂŒr Herztod und 21 % fĂŒr Schlaganfall niedriger.
In der biologischen Grundlagenforschung zeigte eine 2018 in PLoS Biology veröffentlichte Untersuchung der Heinrich-Heine-UniversitĂ€t DĂŒsseldorf und des IUF DĂŒsseldorf, dass Koffein den Transport des Proteins p27 in Mitochondrien fördert und Reparaturprozesse anstöĂt. Diese schĂŒtzende Konzentration entsprach etwa vier Tassen Kaffee und schĂŒtzte prĂ€diabetische, adipöse und alte MĂ€use vor HerzschĂ€den.
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Zubereitung und Grenzwerte
Mediziner weisen auf die Bedeutung der Zubereitungsform hin. Ungefilterter Kaffee enthÀlt die Substanzen Cafestol und Kahweol, die das Gesamt- und LDL-Cholesterin erhöhen können.
Eine Studie aus dem Jahr 2025 an 14 Arbeitsplatzmaschinen ermittelte deutliche Unterschiede beim Cafestol-Median je Liter:
- Papierfilter: 12 mg
- Kokkaffee durch Stofffilter: 28 mg
- Press- und Perkolatorkaffee: ca. 90 mg
- Arbeitsplatzmaschine: 176 mg
- Kokkaffee: 939 mg
Papierfilter halten diese Ăle weitgehend zurĂŒck. Die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft fĂŒr gesunde Erwachsene bis zu 400 mg Koffein tĂ€glich und 200 mg als Einzeldosis als unbedenklich ein, was rund 3 bis 5 Tassen entspricht. FĂŒr Schwangere und Stillende gilt ein Grenzwert von höchstens 200 mg tĂ€glich.
Hinsichtlich des Blutdrucks ergab eine systematische Auswertung aus dem Jahr 2011, dass 200 bis 300 mg Koffein den Blutdruck bei Hypertonikern kurzfristig um 8,1 mmHg systolisch und 5,7 mmHg diastolisch ansteigen lieĂen, zweiwöchige Untersuchungen zeigten diesen Anstieg jedoch nicht.
Eine PAMELA-Auswertung von 2024 ĂŒber zehn Jahre mit 1.408 Personen fand Ă€hnliche BlutdruckverlĂ€ufe bei Kaffeetrinkern und Nichttrinkern. Fachleute empfehlen bei anhaltendem Bluthochdruck oder Herzklopfen dennoch, die persönliche Dosis anzupassen.
