Kaffeeduft: Fünf Minuten Inhalation senkt Angst und Anspannung
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 05:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bereits der bloße Geruch von Kaffee kann messbare Effekte auf das menschliche Wohlbefinden haben, ohne dass auch nur ein einziger Schluck getrunken werden muss. Eine Untersuchung der japanischen Showa Pharmaceutical University, die in der Fachzeitschrift Nutrients veröffentlicht wurde, liefert neue Einblicke in diesen Wirkmechanismus.
Forscher untersuchten dabei die Reaktionen von 20 gesunden Erwachsenen im Alter von 20 bis 29 Jahren. Die Probanden rochen über einen Zeitraum von 5 Minuten an frisch gebrühtem Kaffee, der aus 20 g gemahlenem Kaffeepulver und 400 ml Wasser bei 85 °C zubereitet worden war. Das Gefäß stand dabei in einem Abstand von 50 cm.
Psychologische Entlastung und messbare Hirnströme
Die Ergebnisse der japanischen Wissenschaftler zeigen deutliche Veränderungen im subjektiven Empfinden der Probanden. Nach der Kaffeeduft-Exposition gingen Müdigkeit, Anspannung, Angst, Verwirrung sowie depressive Verstimmungen signifikant zurück. Ein signifikanter Anstieg von Energie oder Tatendrang (Vigor) konnte hingegen nicht festgestellt werden.
Parallel zu den psychologischen Fragebögen erfassten die Forscher neurophysiologische Daten: Im Elektroenzephalogramm (EEG) stieg der sogenannte Relaxationsindex an, wenngleich der absolute Zuwachs als bescheiden bewertet wurde.
Auf das kardiovaskuläre System hatte der Duft keinen messbaren Einfluss, denn sowohl die Herzfrequenz als auch die Herzfrequenzvariabilität blieben unverändert. Wissenschaftlich einschränkend wirkt bei dieser Untersuchung der Umstand, dass die Studie keine Kontrollgruppe umfasste.
Erwartungshaltung und erlernte Assoziationen als Triebfedern
Dass Aromen Gefühle ansprechen können, liegt an der anatomischen Verdrahtung des olfaktorischen Systems. Fachberichten zufolge beeinflusst der Kaffeeduft Stimmung und Hirnaktivität über das Riechsystem, das direkt mit Hirnregionen für Emotionen und Gedächtnis verknüpft ist. Diese Wirkung beruhe primär auf Erwartungen und erlernten Assoziationen und nicht auf der pharmakologischen Wirkung von Koffein.
Fünf Minuten an frisch gebrühtem Kaffee riechen — ohne einen Schluck zu trinken — ging in einer japanischen Untersuchung mit weniger Müdigkeit, Anspannung und Angst einher. Der Effekt läuft über Erwartung und erlernte Assoziation, nicht über Koffein. Wie Sie daraus ein Ritual für den Feierabend oder die Mittagspause machen, zeigt dieser kostenlose Guide. 5-Minuten-Aroma-Ritual jetzt anfordern
Fachleute geben jedoch zu bedenken, dass derartige Untersuchungen häufig klein und stark kontrolliert angelegt sind. Eine messbare Hirnveränderung belege zudem keineswegs eine dauerhafte kognitive Verbesserung. Auch ein wissenschaftlicher Nachweis für eine therapeutische Wirkung fehle bislang.
Placebo-Effekte bei kognitiven Leistungstests
Die Verknüpfung von Geruch und geistiger Leistungsfähigkeit wurde auch in den USA experimentell beleuchtet. Eine Untersuchung von Adriana Madzharov von der Stevens School of Business in New Jersey, publiziert im Journal of Environmental Psychology, teilte 114 Studenten während eines GMAT-Tests in zwei Gruppen ein.
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Die Gruppe, die einem Kaffeeduft ausgesetzt war, erzielte signifikant höhere Testergebnisse und ging zudem mit der Erwartung einer besseren Leistung in die Prüfung.
Dieses Ergebnis ging auf einen Placebo-Effekt zurück: Das verwendete Aroma war vollkommen koffeinfrei und wurde von 70,4 % der exponierten Personen bewusst wahrgenommen. Eine ergänzende Folgebefragung von 208 Personen bestätigte die dahinterliegende Konditionierung, da Kaffeeduft in den Köpfen der Befragten fest mit gesteigerter Wachheit und Energie assoziiert war.
