Kaliumsalz statt Speisesalz: Studie mit 20.995 Menschen zeigt weniger SchlaganfÀlle
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin hoher Salzkonsum gilt in der Medizin seit Langem als einer der maĂgeblichen Treiber fĂŒr arterielle Hypertonie und damit fĂŒr das Auftreten von SchlaganfĂ€llen sowie anderen kardiovaskulĂ€ren Ereignissen. Vor diesem Hintergrund formuliert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klare Leitlinien zur Reduktion der Natriumaufnahme und beleuchtet den Nutzen alternativer Salzsubstitute.
Demnach spricht die WHO eine starke Empfehlung aus, die tĂ€gliche Natriumzufuhr auf unter 2 g pro Tag zu senken. ErgĂ€nzend gibt die Organisation eine bedingte Empfehlung fĂŒr Erwachsene ab, herkömmliches Speisesalz durch kaliumangereicherte Salzersatzprodukte (LSSS) zu ersetzen. Ausgenommen von dieser MaĂnahme sind Schwangere, Kinder sowie Personen mit Nierenerkrankungen.
Evidenz zur Blutdrucksenkung durch kaliumhaltigen Salzersatz
Die Empfehlung der WHO zu den kaliumangereicherten Salzersatzstoffen stĂŒtzt sich auf die Auswertung von 26 randomisierten kontrollierten Studien. Die Datenlage von moderater Evidenz belegt eine durchschnittliche Senkung des diastolischen Blutdrucks um -2,43 mmHg (95% CI -3,50 bis -1,36) sowie des systolischen Blutdrucks um -4,76 mmHg (95% CI -6,01 bis -3,50).
Hinsichtlich der klinischen Endpunkte zeigen die von der WHO ausgewerteten Untersuchungen fĂŒr LSSS ein relatives Risiko (RR) von 0,90 (95% CI 0,80-1,01) fĂŒr nicht-tödliche SchlaganfĂ€lle, ein relatives Risiko von 0,70 (95% CI 0,52-0,94) fĂŒr ein akutes Koronarsyndrom sowie ein relatives Risiko von 0,77 (95% CI 0,66-1,00) fĂŒr kardiovaskulĂ€r bedingte TodesfĂ€lle. Der Serumkaliumspiegel stieg im Mittel moderat um +0,12 mmol/L.
ErgÀnzt werden diese Resultate durch eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte Untersuchung aus 600 lÀndlichen Gebieten in China mit 20.995 Teilnehmenden, die im Mittel 65,4 Jahre alt waren und zu 72,6 Prozent bereits einen Schlaganfall erlitten hatten.
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Ăber einen mittleren Beobachtungszeitraum von 4,74 Jahren hinweg verglich die Studie ein Salzsubstitut aus 75 Prozent Natriumchlorid und 25 Prozent Kaliumchlorid mit regulĂ€rem Speisesalz.
Bei Personen ohne Nierenerkrankungen traten in der Interventionsgruppe 29,14 SchlaganfÀlle pro 1.000 Personenjahre auf, verglichen mit 33,65 in der Kontrollgruppe, was einer relativen Risikosenkung von 14 Prozent entspricht.
Schwere kardiovaskulĂ€re Ereignisse gingen um 13 Prozent zurĂŒck, die GesamtmortalitĂ€t sank um 12 Prozent, ohne dass ein signifikanter Anstieg schwerer unerwĂŒnschter Ereignisse durch Kalium verzeichnet wurde.
Diskrepanz zwischen Grenzwerten und Verzehrgewohnheiten
Trotz der belegten Schutzwirkung verfehlen viele Bevölkerungsgruppen die gesundheitspolitischen Vorgaben deutlich. Daten des italienischen Istituto Superiore di SanitĂ (ISS) aus dem Survey âProgetto Cuoreâ fĂŒr den Zeitraum 2023 bis 2025 veranschaulichen die LĂŒcke zwischen Empfehlung und RealitĂ€t.
In der Altersgruppe der 35- bis 74-JÀhrigen lag der mittlere systolische Blutdruck bei 134 mmHg bei MÀnnern und 125 mmHg bei Frauen. Von den medikamentös behandelten Hypertonikern erreichen lediglich 22 Prozent der MÀnner und 34 Prozent der Frauen Zielwerte von unter 140/90 mmHg. Bei den 35- bis 44-JÀhrigen mit Hypertonie sind sich 72 Prozent der betroffenen MÀnner und 53 Prozent der Frauen ihrer Erkrankung gar nicht bewusst.
Auch die Salzzufuhr liegt weit ĂŒber dem Zielkorridor der WHO von unter 5 g Salz pro Tag: In Italien konsumieren MĂ€nner tĂ€glich durchschnittlich 9,3 g Salz und Frauen 7,1 g. Lediglich 11 Prozent der MĂ€nner und 24 Prozent der Frauen unterschreiten den empfohlenen Höchstwert.
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Herz-Kreislauf-Erkrankungen machten dort im Jahr 2023 insgesamt 31 Prozent der TodesfÀlle aus (33 Prozent bei Frauen, 28 Prozent bei MÀnnern), wenngleich die Sterblichkeit mit 24,7 pro 10.000 Einwohner den niedrigsten Stand des Jahrzehnts markierte.
Grenzen und Risiken von kaliumhaltigen Alternativen
Fachgesellschaften wie die American Heart Association und das American College of Cardiology weisen darauf hin, dass bei erhöhtem Blutdruck eine Natriumreduktion auf unter 2.300 mg pro Tag oder perspektivisch 1.500 mg pro Tag angestrebt werden sollte.
Eine gezielte Kaliumaufnahme von 3.500 bis 5.000 mg pro Tag â vorzugsweise ĂŒber die Nahrung im Rahmen von AnsĂ€tzen wie dem DASH-Plan â könne bei Hypertonikern den systolischen Blutdruck um bis zu 6 mmHg senken.
Gleichzeitig mahnen kardiologische Fachgesellschaften zur Vorsicht: Kaliumhaltige Salzersatzprodukte eignen sich keineswegs fĂŒr alle Patientengruppen. Bei einer vorliegenden chronischen Nierenerkrankung oder bei der Einnahme kaliumsparender Arzneimittel ist zwingend eine vorherige Ă€rztliche AbklĂ€rung erforderlich, um potenziell gefĂ€hrliche Entgleisungen des Kaliumspiegels im Blut zu verhindern.
