Karriere-Risiko Urlaub: 66% bleiben erreichbar aus Angst
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 22:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
66 Prozent der Berufstätigen sind im Urlaub für den Job erreichbar. Das zeigt eine aktuelle Bitkom-Umfrage. Doch wer zu früh abschaltet, riskiert seine Karriere.
Der Druck wächst. Wer sich schon Tage vor dem Urlaub mental verabschiedet, verschenkt womöglich Aufstiegschancen. Branchenexperten warnen: Wer seine Präsenz und Leistungsbereitschaft zu früh runterfährt, verliert an Sichtbarkeit im Unternehmen. Der Rat lautet: Nicht komplett abschalten, um den professionellen Anschluss zu wahren.
Warum die Angst um den Job wächst
Diese Haltung hat einen handfesten Hintergrund. Der Arbeitsmarkt zeigt sich im Juli 2026 angespannt. In der Industrie gehen monatlich rund 15.000 Arbeitsplätze verloren. Besonders hart trifft es Führungskräfte zwischen 50 und 60 Jahren sowie hochqualifizierte Akademiker. Die Zahl arbeitsloser Manager stieg innerhalb eines Jahres um 14 Prozent. Jobverlust wird für viele zur existenziellen Frage – da will man im Urlaub nicht unerreichbar sein.
Doch die ständige Erreichbarkeit hat ihren Preis. Die Bitkom-Umfrage liefert die Gründe: 53 Prozent der Befragten nehmen aus Rücksicht auf Kollegen ab, 47 Prozent spüren Druck von Vorgesetzten. Rechtlich besteht laut Bundesurlaubsgesetz (§ 1 BUrlG) keine Pflicht zur Erreichbarkeit. Die Praxis sieht anders aus.
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Wenn der Urlaub nicht mehr erholt
Eine Untersuchung aus dem Juli 2025 zeigt: Nur 35,7 Prozent der Beschäftigten kehren erholt aus dem Urlaub zurück. 57 Prozent arbeiten auch in der Freizeit gelegentlich oder regelmäßig. Besonders alarmierend: 40 Prozent der 18- bis 34-Jährigen fühlen sich nach dem Urlaub gestresster als zuvor.
Ein Psychologe der Universität Leipzig macht hohen Leistungsdruck, fehlende Ressourcen und die ständige Verfügbarkeit durch Diensthandys verantwortlich. YouGov-Befragungen zeigen zudem: 52 Prozent der Berufstätigen merken erst im Urlaub, wie erschöpft sie wirklich sind. 46 Prozent berichten von sehr hohem Stress bereits vor der Reise. Nur 25 Prozent können sofort abschalten. Ein Facharzt für Psychiatrie warnt: Hält die Erschöpfung über mehrere Wochen an, ist das ein ernstzunehmendes Warnsignal.
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Die Sehnsucht nach Ruhe wächst
Die Reaktion auf diese Belastung zeigt sich im Buchungsverhalten. Die Nachfrage nach ruhigen Urlaubsformen hat sich verdoppelt. Der Markt für Wellnesstourismus erreicht ein Volumen von über einer Billion US-Dollar. Konzepte wie Waldbaden oder „Walk & Talk“-Angebote sind gefragt.
Das Statistische Bundesamt verzeichnet für 2025 einen deutlichen Anstieg bei Buchungen von Ferienhäusern im Inland. 68,3 Millionen Übernachtungen über große Online-Plattformen bedeuten ein Plus von 13 Prozent. Deutschland bleibt mit einem Suchanteil von 32,5 Prozent beliebtes Reiseziel. Die Kosten variieren: An der Ostsee liegt der mittlere Tagespreis bei 160 Euro, an der Nordsee bei 138 Euro.
Trotz des Trends zur Erholung bleibt die soziale Inszenierung ein Faktor. Urlaubsfotos dienen dem Austausch und der Selbstinszenierung. Die Sehnsucht nach Gemeinschaftserlebnissen ist nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre ungebrochen.
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