Kartellverfahren, FCA

Kartellverfahren: FCA geht gegen Visa und Mastercard vor

10.06.2026 - 01:01:08 | boerse-global.de

Die britische Finanzaufsicht geht gegen die Marktdominanz von Visa und Mastercard vor. Parallel dazu wächst der Druck durch Open Banking und milliardenschwere Entschädigungen.

Britische FCA leitet Verfahren gegen Visa, Mastercard und PayPal ein
Kartellverfahren - Digital payment interface with glowing lines connecting financial icons, symbolizing competition in UK payments. London skyline in background. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Visa und Mastercard kontrollieren weiterhin über 90 Prozent aller Kartenzahlungen – ein Zustand, der nun auf den Prüfstand kommt.

Kartellverfahren gegen die Zahlungsriesen

Die Dominanz der beiden US-Konzerne ist erdrückend. In Segmenten des Einzelhandels und bei kleinen Unternehmen liegt ihr Marktanteil sogar bei über 95 Prozent. Die FCA hat deshalb im Frühjahr 2026 ein Verfahren gegen PayPal, Visa und Mastercard eingeleitet. Im Fokus stehen mögliche wettbewerbswidrige Praktiken bei der Finanzierung und dem Betrieb digitaler Geldbörsen.

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Die schiere Größe der etablierten Netzwerke schafft enorme Eintrittsbarrieren für neue Anbieter. Die Folge: eine anhaltende Bedatte über Marktmacht und Transaktionskosten, die britische Händler und Verbraucher gleichermaßen belasten.

Open Banking als Gegenentwurf

Die UK Payments Initiative (UKPI) treibt den Aufbau heimischer Alternativen voran. Ein Meilenstein gelang Anfang Juni 2026, als das Fintech TrueLayer auf der Money20/20-Konferenz seine „Bank on File"-Infrastruktur vorstellte. Das Konto-zu-Konto-Zahlungssystem (A2A) zielt auf wiederkehrende Transaktionen ab und hat bereits Partnerschaften mit Trading 212, IG Group, InvestEngine und ELHA geschlossen.

Der Trend zu Banküberweisungen ist messbar: 2025 erreichten die Transaktionen 351 Millionen – ein Anstieg um 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die digitale Infrastruktur spielt dabei eine Schlüsselrolle. Seit Januar 2026 steht mit der AWS European Sovereign Cloud zudem eine lokalisierte Plattform für den Sektor bereit.

Harte Strafen und milliardenschwere Entschädigungen

Die FCA zeigt wenig Gnade mit säumigen Unternehmen. Anfang Juni 2026 ordnete die Behörde die sofortige Einstellung aller regulierten E-Geld- und Zahlungsdienste der Euro Exchange Securities UK (EES) an. Grund: systemische Schwächen im Anti-Geldwäsche-Rahmenwerk. Ein Interimsmanager von Teneo wurde eingesetzt, eine Gerichtsanhörung ist für den 11. Juni 2026 angesetzt.

Parallel leitete die FCA Zivilverfahren gegen Neil Woodford und die Plattform W4.0 ein. Der Vorwurf: unerlaubte Anlageberatung und irreführende Finanzwerbung über ein digitales Portal.

Der größte Brocken steht jedoch im Konsumentenkredit-Sektor an. FCA-Chef Nikhil Rathi warnte im Juni 2026, dass viele Firmen auf das erwartete Entschädigungsprogramm nicht vorbereitet seien. Die geschätzten Kosten: 9,1 Milliarden Pfund. Durchschnittlich 829 Pfund pro Vertrag könnten auf rund 12,1 Millionen betroffene Kreditverträge ausgezahlt werden – frühestens ab 2027. Lloyds hat bereits 2 Milliarden Pfund zurückgestellt, Barclays 325 Millionen Pfund.

KI und Stablecoins verändern die Branche

Die großen Player rüsten technologisch auf. Visa, Mastercard und Stripe unterstützen Berichten zufolge eine neue Stablecoin-Plattform. Mastercard übernahm zudem das Unternehmen BVNK für umgerechnet bis zu 1,6 Milliarden Euro. Visa meldet für seine Stablecoin-Pilotprogramme ein annualisiertes Abwicklungsvolumen von 6,3 Milliarden Euro.

Die FCA setzt bei Künstlicher Intelligenz auf bestehende Regeln wie die Consumer Duty statt auf neue Sonderregulierung. Die „AI Input Zone" der Behörde nimmt noch bis zum 19. Juni 2026 Rückmeldungen entgegen. Die Mills Review zu den langfristigen Auswirkungen von KI wird für den Sommer 2026 erwartet. Branchenprognosen zufolge könnte der Markt für KI-gesteuerten automatisierten Handel bis 2030 auf 2,7 bis 4,5 Billionen Euro anwachsen.

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Neue Standards fordern die Branche

Die Umstellung auf kürzere Abwicklungsfristen bereitet Kopfzerbrechen. Eine Umfrage vom 8. Juni 2026 ergab: Nur 14 Prozent der britischen Finanzfirmen sehen sich derzeit compliant mit den T+1-Anforderungen. Im Versicherungssektor hat das House of Lords eine Untersuchung eingeleitet, Stellungnahmen sind bis zum 26. Juni 2026 möglich. Die Reform der Eigenkapitalanforderungen unter Pillar 2A soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten.

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