Kauen, Gehirn

Kauen schĂŒtzt das Gehirn vor Demenz

25.05.2026 - 06:16:56 | boerse-global.de

Studien belegen: Kauen fördert die Hirndurchblutung, Zahnverlust erhöht das Demenzrisiko. Zahnersatz und Parodontalbehandlung können kognitive Risiken senken.

Kauen schĂŒtzt das Gehirn vor Demenz - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Kauen schĂŒtzt das Gehirn vor Demenz - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Wer gut kaut, versorgt sein Gehirn mit Sauerstoff.

Forscher der UniversitĂ€t MontrĂ©al zeigten im Januar 2024: Die rhythmische Kaubewegung erhöht den Blutfluss im Gehirn. Besonders betroffen ist der Hippocampus – jene Region, die fĂŒr Lernen und GedĂ€chtnis zustĂ€ndig ist. Dort werden sogenannte Theta-Rhythmen induziert, die neuronale Prozesse ankurbeln.

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Harte Nahrung schĂŒtzt vor oxidativem Stress

Eine Studie aus Frontiers in Systems Neuroscience (November 2024) lieferte weitere Details. Probanden, die auf Holzblöcken kauten, zeigten höhere Konzentrationen des Antioxidans Glutathion im anterioren cingulÀren Kortex. Ihre GedÀchtnisleistung stieg parallel an. Weicher Kaugummi erzielte diesen Effekt nicht.

Der Nervus trigeminus spielt eine SchlĂŒsselrolle. Seine Stimulation durch die Kaumuskulatur sendet Signale an das Zentralnervensystem und fördert die NeuroplastizitĂ€t. FĂ€llt dieser Reiz weg – etwa durch Zahnverlust –, droht der Hippocampus zu degenerieren.

Jeder verlorene Zahn erhöht das Risiko

Die Zahlen sind eindeutig. Eine Meta-Analyse vom Februar 2025 wertete 14 Langzeitstudien mit ĂŒber 34.000 Erwachsenen aus. Ergebnis: Jeder verlorene Zahn steigert das Risiko fĂŒr kognitive BeeintrĂ€chtigungen um 1,4 Prozent, fĂŒr Demenz um 1,1 Prozent.

Noch drastischer: Eine Umbrella-Meta-Analyse vom November 2025 zeigte, dass Parodontitis-Patienten ein 65 Prozent höheres Risiko fĂŒr kognitive Störungen haben. Bei schwerer Parodontitis steigt der Wert auf das 2,69-Fache. Kompletter Zahnverlust gilt als stĂ€rkster PrĂ€diktor fĂŒr leichte kognitive BeeintrĂ€chtigungen.

Die Baltimore Longitudinal Study of Aging bestĂ€tigte: Zahnverlust korreliert mit RĂŒckgĂ€ngen in Sprache, Exekutivfunktionen, Aufmerksamkeit und rĂ€umlichem Vorstellungsvermögen.

Zahnersatz senkt das Demenzrisiko

Die gute Nachricht: Prothesen können helfen. Studien vom April 2025 zeigen, dass Zahnersatz die kognitiven Risiken abmildert. Wer weiter feste Nahrung kauen kann, erhĂ€lt die nötigen Reize fĂŒr die Gehirndurchblutung.

Doch es geht nicht nur um Mechanik. Parodontale Erkrankungen verursachen chronische EntzĂŒndungen. Forschung von 2025 identifizierte das Bakterium Porphyromonas gingivalis im Gehirngewebe von Alzheimer-Patienten. Es produziert toxische Enzyme, die Nervenzellen schĂ€digen und Beta-Amyloid-Ablagerungen fördern.

Die US Health and Retirement Study zeigt: Eine konsequente Parodontalbehandlung senkt das Demenzrisiko um bis zu 38 Prozent.

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Mundgesundheit als fester Risikofaktor

Experten fordern, die Mundgesundheit in die Demenz-Risikoprofile aufzunehmen. Im FrĂŒhjahr 2025 kritisierten sie die Lancet-Kommission dafĂŒr, die Rolle der oralen Gesundheit unterschĂ€tzt zu haben. Sie plĂ€dieren fĂŒr eine stĂ€rkere Integration der Zahnmedizin in multidisziplinĂ€re AnsĂ€tze.

Der Zeitpunkt ist gĂŒnstig. Die Alzheimer-Forschung setzt verstĂ€rkt auf PrĂ€vention. Rund 45 Prozent aller Demenzerkrankungen ließen sich durch die Reduktion bekannter Risikofaktoren verzögern oder verhindern. Die Kaufunktion könnte eine BrĂŒckenfunktion einnehmen – sie beeinflusst sowohl den ErnĂ€hrungsstatus als auch die neurologische Stimulation.

Japan macht es vor

In Japan, wo die Zahl der Demenzkranken auf sieben Millionen steigen sollte, wird die Förderung der Kaufunktion bereits als öffentliche Gesundheitsstrategie diskutiert. Tierexperimente zeigen: Eine umstellung von weicher auf harte Nahrung kann die Neurogenese im Hippocampus wieder stimulieren. Ob sich das auf den Menschen ĂŒbertragen lĂ€sst, untersuchen laufende Projekte der Alzheimer Forschung Initiative.

Ausblick: Speicheltests statt Nervenwasser

FĂŒr die kommenden Jahre erwarten Forscher eine engere Verzahnung von Gerontologie, Neurologie und Zahnmedizin. Biomarker aus dem oralen Mikrobiom könnten kĂŒnftig frĂŒhzeitig auf neurodegenerative Prozesse hinweisen. Verfahren zur Messung von Alpha-Synuklein im Nervenwasser ließen sich durch einfache Speicheltests ergĂ€nzen.

Auch Trainingsprogramme fĂŒr die Kaumuskulatur und ErnĂ€hrungsempfehlungen könnten Teil der standardisierten DemenzprĂ€vention werden. Das Ziel: Die kognitive LeistungsfĂ€higkeit durch einfache mechanische und hygienische Maßnahmen bis ins hohe Alter erhalten.

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