KI-Agenten: 62% der Unternehmen sehen Potenzial jenseits von Textgenerierung
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 03:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der strategischen Ausrichtung von Technologieunternehmen zeichnet sich ein deutlicher Wandel ab: Der entscheidende Wettbewerbsvorteil bei der Nutzung kĂŒnstlicher Intelligenz (KI) liegt zunehmend weniger in der Auswahl eines spezifischen Sprachmodells als vielmehr im Design der zugrunde liegenden Workflows. Aktuelle Entwicklungen bei Branchenvertretern wie DataBank, Zoho und Salesforce unterstreichen, dass die nahtlose Integration in GeschĂ€ftsprozesse zur zentralen StellgröĂe fĂŒr ProduktivitĂ€tssteigerungen und Margenverbesserungen wird.
Workflow-Design als strategischer Fokus
Das Infrastrukturunternehmen DataBank betonte in einer aktuellen Stellungnahme, dass der wirtschaftliche Nutzen von KI-Anwendungen primÀr durch die Gestaltung der ArbeitsablÀufe generiert werde. In einem Whitepaper von Stephanie Livingston wird detailliert dargelegt, wie die Kollaboration zwischen Mensch und Maschine darauf abzielt, repetitive TÀtigkeiten signifikant zu reduzieren. Dieser Fokus auf die praktische Integration soll es Unternehmen ermöglichen, ihre Effizienz zu steigern und die operativen Margen nachhaltig zu optimieren.
Dieser Trend wird durch eine aktuelle Untersuchung von McKinsey gestĂŒtzt. Laut der Studie Ă€uĂerten 62 % der Befragten Neugier gegenĂŒber dem Einsatz sogenannter KI-Agenten, die ĂŒber die reine Textgenerierung hinaus eigenstĂ€ndig Aufgaben innerhalb eines digitalen Ăkosystems ĂŒbernehmen können.
Die Herausforderung der âAgenten-Begleitungâ
Der Softwarehersteller Zoho adressiert diesen Bedarf mit der EinfĂŒhrung der âZia Agentsâ sowie dem dazugehörigen âZia Agent Studioâ. Um die EinstiegshĂŒrden zu senken, stellt das Unternehmen monatlich bis zu 30 Millionen Tokens kostenlos zur VerfĂŒgung. Zoho-CEO Mani Vembu gab jedoch zu bedenken, dass KI-Agenten im Gegensatz zu klassischer Software-as-a-Service (SaaS), die fast unmittelbar nach der Implementierung einen Mehrwert biete, eine Phase der Einarbeitung benötigen.
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Dieses sogenannte âAgent Sittingâ sei notwendig, da die KI-Systeme zunĂ€chst das spezifische GeschĂ€ftsumfeld, die vorhandenen Datenstrukturen und die individuellen Workflows erlernen mĂŒssten. Die Agenten seien dabei auf Transparenz, Rechenschaftspflicht und Sicherheit ausgelegt. ErgĂ€nzend dazu erweitert das Unternehmen seine Prozesswerkzeuge, unter anderem durch Low-Code-Anwendungen und Tools fĂŒr das visuelle Mapping von ArbeitsablĂ€ufen, um die Automatisierung komplexer GeschĂ€ftsprozesse zu erleichtern.
KomplexitÀt als Schutzwall und Betriebskosten
Auch Salesforce sieht den Wert seiner Plattform weniger in den KI-Grundfunktionen selbst, die mittlerweile oft approximierbar seien, als vielmehr in der KomplexitĂ€t der bestehenden Integrationen. Die tausenden von AbhĂ€ngigkeiten innerhalb der Workflows in einem CRM-System seien fĂŒr Wettbewerber schwer zu kopieren. Als defensive Strategie setzt das Unternehmen verstĂ€rkt auf Partnerschaften, um seine Position im Bereich der agentischen Workflows zu festigen.
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Praktische Anwendungen fĂŒr solche Strukturen finden sich bereits bei Atlassian. Das Unternehmen nutzt agentische Pipelines, um Dokumentationen automatisiert aktuell zu halten. Dabei werden Aufgaben von KI-Agenten entworfen, weitergeleitet und markiert, wobei die finale menschliche ĂberprĂŒfung ein integraler Bestandteil des Prozesses bleibt.
Auf der Kostenseite beobachtet die Finanzbranche ein PhĂ€nomen, das als âToken-Paradoxâ bezeichnet wird. DBS-CEO Tan Su Shan erklĂ€rte, dass die Kosten pro KI-Einheit (Token) bei steigender Nutzung sinken. Die Bank begegnet der wirtschaftlichen Herausforderung durch den Einsatz von Memory-Caches und kleineren Modellen fĂŒr weniger komplexe Anfragen. Trotz der massiven Investitionen in neue Technologien bleiben die Ausgaben fĂŒr IT bei der DBS stabil bei etwa 10 % des Gesamtumsatzes.
