KI-Agenten, Banking

KI-Agenten im Banking: Wells Fargo macht Kunden für Transaktionen haftbar

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ab 24. November 2026 gelten KI-Agenten-Transaktionen bei Wells Fargo ohne zusätzliche Bankprüfung als autorisiert; Kunden tragen das Risiko.
Moderne, minimalistische Architektur einer Bankfiliale bei Sonnenuntergang ohne Menschen oder sichtbare Beschilderung. Illustration mit AI erstellt.

Die US-Großbank Wells Fargo passt ihre rechtlichen Rahmenbedingungen an den Vormarsch künstlicher Intelligenz an. Mit dem Inkrafttreten einer Neufassung des Online Access Agreement am 24. November 2026 führt das Institut eine dezidierte Klausel ein: Die neue Sektion 15 überträgt die finanzielle und rechtliche Verantwortung für Transaktionen, die über von Nutzern autorisierte Dritt-KI-Agenten abgewickelt werden, direkt auf die Kundschaft.

Vollständige Haftung auf eigenes Risiko der Kundschaft

Gemäß den neuen Bestimmungen gelten Transaktionen, die durch einen KI-Agenten ausgelöst werden, ohne zusätzliche Verifizierung seitens der Bank als vom Kontoinhaber autorisiert. Das Geldinstitut stellt fest, dass die Nutzung solcher Systeme auf eigenes Risiko der Kunden erfolgt. Dies schließt ausdrücklich auch Fehlinterpretationen durch die Software oder Manipulationen durch sogenannte Prompt-Injections ein.

Wells Fargo stellt zudem klar, dass die Aktivitäten der externen KI-Assistenten nicht durch die Bank überwacht werden. Möchten Kontoinhaber die Zugriffsberechtigungen widerrufen, liegt die Beweislast bei ihnen.

Ein solcher Widerruf muss gegenüber dem Institut nachgewiesen werden, wofür die Bank eine telefonische Hotline sowie eine postalische Kontaktadresse in Portland im Bundesstaat Oregon bereitstellt. Darüber hinaus behält sich das Institut vor, künftig ein Register für Agenten zu verlangen und den Schnittstellenzugang über Programmierschnittstellen einzuschränken oder ganz einzustellen.

Im US-Zahlungsrecht greift bei unautorisierten elektronischen Transaktionen üblicherweise die sogenannte Regulation E. Diese deckelt die Kundenhaftung bei einer Meldung innerhalb von zwei Werktagen auf maximal 50 US-Dollar und bei einer Frist von bis zu 60 Tagen auf 500 US-Dollar.

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Die Vorschrift sieht jedoch Ausnahmen für Fälle vor, in denen eine Zugangsvorrichtung durch den Verbraucher selbst bereitgestellt wurde. Rechtsexperten betonen vor diesem Hintergrund, dass bestehende Regeln Verbraucher traditionell schützen, bei KI-Agenten nun jedoch grundlegende Streitfragen darüber entstehen, was juristisch als tatsächliche Autorisierung durch den Kunden zu werten ist.

Kontrastierende Strategien im Bankensektor

Der Vorstoß von Wells Fargo markiert einen Sonderweg in der Finanzbranche. Während das Institut die Nutzung unter vollständiger Risikoübertragung an den Kunden formalisiert, reagierten Wettbewerber zuletzt mit strikten Abwehrmaßnahmen. Institute wie JPMorgan Chase, Bank of America, Citigroup und Charles Schwab blockierten Dritt-KI-Agenten vollständig.

Bereits im Zeitraum zwischen dem 13. und 20. Oktober 2026 hatten JPMorgan Chase, Charles Schwab, Citigroup sowie auch Wells Fargo KI-Agenten blockiert oder eingeschränkt, die versuchten, unter Verwendung von Kunden-Zugangsdaten auf Bankkonten zuzugreifen.

Jamie Dimon, Vorstandsvorsitzender von JPMorgan Chase, warnte Mitte Oktober 2026 vor unkontrollierten Systemen. Das Digital Services Agreement seines Hauses legt fest, dass das Handeln von KI-Agenten ab dem 1. Januar 2027 als Weisung des Kunden gilt.

Auch Charles Schwab geht aktiv gegen nicht freigegebene Systeme vor. Wie Vorstandschef Rick Wurster Mitte Oktober mitteilte, blockiert das Unternehmen wöchentlich zwischen 10 und 20 unautorisierte Agenten, die darauf ansetzen, Kundengelder zu bewegen.

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Citigroup unterbindet Logins sowie Transaktionen über Drittanbieter-Agenten vollständig, während Manager des Hauses auf Branchenkonferenzen die Etablierung verbindlicher Prüfstandards zur Identifikation von Agenten forderten.

Morgan Stanley blockierte externe Agenten am 22. Oktober 2026, gab jedoch an, bislang keine unkontrollierten Systeme beobachtet zu haben. Auch kanadische Institute riegeln ihre Systeme ab: TD kündigte Ende Oktober 2026 die vollständige Blockade des Direktzugriffs an; Royal Bank of Canada, Bank of Montreal und CIBC wählten ähnliche Wege, während Scotiabank den Zugriff begrenzt.

Ökonomischer Druck und regulatorischer Rückstand

Der Regulierungsbedarf wächst durch die rasante Verbreitung von Verbraucherassistenten. Meta startete im September 2026 den KI-Assistenten Muse, der über die Finanzschnittstelle Plaid mit Konten bei 12.000 Instituten verbunden ist. Innerhalb von 40 Tagen verzeichnete die Anwendung laut Sensor Tower zehn Millionen Downloads in den USA – während ChatGPT im gleichen Zeitraum auf 3,7 Millionen Downloads kam.

Für traditionelle Banken bergen autonome Finanzhelfer erhebliche Ertragsrisiken. Apollo-Ökonom Torsten Slok schätzt, dass KI-Agenten die Bankenbranche rund 47 Milliarden US-Dollar pro Jahr kosten könnten. Die drei Institute JPMorgan Chase, Bank of America und Wells Fargo führen zusammen zinslose Einlagen im Umfang von 1,6 Billionen US-Dollar, was rund 16 Prozent ihrer Passiva entspricht.

Sollten autonome Software-Assistenten diese Bestände systematisch von niedrig verzinsten Konten mit 0,1 Prozent Zinsen auf Angebote mit 3,3 bis 5 Prozent umschichten, droht den Instituten ein massiver Margenverlust.

Um Sicherheitsstandards zu etablieren, vereinbarten Zahlungsdienstleister wie Visa, Mastercard und Ant International am 10. September 2026 ein gemeinsames Rahmenwerk zur Verifizierung von Agenten auf der MAS-Plattform. Visa und Mastercard hatten bereits 2025 spezielle Zahlungsberechtigungen für KI-Systeme eingeführt.

Gleichzeitig hinkt die behördliche Rahmensetzung hinterher. Zwar zeigte sich die US-Bankenaufsicht OCC Ende Oktober zuversichtlich bezüglich der Abwehrfähigkeiten der Institute, Branchenbeobachter verweisen jedoch auf ein regulatorisches Vakuum.

Eine entscheidende Frist der US-Verbraucherschutzbehörde CFPB für Vorgaben zum offenen Bankenwesen verstrich zum 1. April 2026 für die größten Institute ohne Wirkung. Ein überarbeiteter Verordnungsentwurf der Behörde wurde im August 2026 an das zuständige Bundesamt übermittelt.

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