KI-Boom, Plattformen

KI-Boom: Plattformen wachsen um 75,8 Prozent auf 3,1 Milliarden

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 23:29 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Der deutsche Digitalsektor verzeichnet 2026 ein Wachstum von 4,1 Prozent. KI-Plattformen legen um 75 Prozent zu, während die Abhängigkeit von US-Clouds kritisch gesehen wird.

Bitkom: Deutscher IT-Markt wächst auf 246 Milliarden Euro
Glühendes digitales Netzwerk über einer Deutschlandkarte, symbolisiert Wachstum und Konnektivität der deutschen Digitalwirtschaft, IT und Telekommunikation. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der IT- und Telekommunikationsmarkt soll 2026 um 4,1 Prozent auf 246,4 Milliarden Euro wachsen, wie aktuelle Daten des Digitalverbands Bitkom zeigen.

Software und KI als Wachstumstreiber

Besonders dynamisch entwickelt sich der Softwarebereich. Mit einem Plus von 9,9 Prozent erreicht das Segment 58,1 Milliarden Euro. Cloud-Software legte sogar um 21,9 Prozent auf 42,5 Milliarden Euro zu. Der absolute Spitzenreiter ist jedoch die Künstliche Intelligenz: KI-Plattformen verzeichneten einen Sprung von 75,8 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro.

Die gesamten IT-Erlöse steigen um 5,4 Prozent auf 170,8 Milliarden Euro. Der Telekommunikationssektor bleibt mit einem Wachstum von 1,4 Prozent auf 75,6 Milliarden Euro stabil.

Bundesweite Digitalprojekte: Zwei Drittel auf Kurs

Eine aktuelle Bestandsaufnahme von 221 Bundes-Digitalinitiativen zeigt: 69 Prozent der Projekte sind entweder abgeschlossen oder in der Umsetzung. Zwölf Prozent gelten als vollendet, 57 Prozent befinden sich in der Implementierungsphase. Knapp ein Drittel (31 Prozent) wartet noch auf den Start.

Zu den erfolgreich abgeschlossenen Vorhaben zählen die Schnellbauinitiative für Hochschulen und das Reallabore-Gesetz. Fortschritte gibt es auch bei der Abschaffung der Schriftformerfordernis und beim Pilotprojekt für 24-Stunden-Unternehmensgründungen. Zudem fungiert der Bund inzwischen als Ankerkunde für KI-Dienstleistungen. Bitkom-Chef Bernhard Rohleder mahnt jedoch: „Das Tempo muss deutlich höher, um den Anschluss nicht zu verlieren."

Startup-Szene boomt wie seit 2019 nicht mehr

Der deutsche Startup-Markt zeigt sich in ungeahnter Stärke. Im ersten Halbjahr 2026 entstanden 3.053 neue Unternehmen – mehr als im gesamten Jahr 2024. Es ist das stärkste Halbjahr seit 2019. Rund ein Drittel der Neugründungen ist im Bereich Künstliche Intelligenz aktiv.

Die Gründer wünschen sich zudem einheitlichere europäische Regeln. Eine Bitkom-Umfrage unter 102 Startups ergab: 62 Prozent würden ihr nächstes Unternehmen lieber als „EU Inc." gründen. Besonders gefragt sind:
- Expansion ohne lokale Tochtergesellschaften (94 Prozent)
- Ein vollständig digitaler One-Stop-Shop für Verwaltungsaufgaben (91 Prozent)
- Digitale Aktienübertragung ohne Notar (82 Prozent)
- EU-weite Standard-Investmentverträge (69 Prozent)

Cloud-Abhängigkeit: 85 Prozent sehen zu starke US-Dominanz

Trotz des Wachstums bleibt ein massives Problem: Die Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern. 85 Prozent der Unternehmen glauben, dass Deutschland zu stark auf amerikanische Dienste angewiesen ist. Zwar würden 91 Prozent lieber deutsche Anbieter nutzen, doch nur 53 Prozent tun dies auch tatsächlich. Im Gegensatz dazu setzen 71 Prozent auf US-Clouds – obwohl nur acht Prozent dies bevorzugen.

Anzeige

Während die Digitalwirtschaft massiv wächst, stellt die EU-KI-Verordnung Unternehmen vor neue rechtliche Herausforderungen. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Die Folgen sind spürbar: 64 Prozent der Firmen mussten ihre Cloud-Strategie aufgrund US-amerikanischer Politikänderungen überdenken. Der Wechsel gestaltet sich schwierig: 59 Prozent nennen Vendor-Lock-in als größtes Hindernis. Auch die Kosten steigen: 64 Prozent verzeichneten 2025 höhere Cloud-Ausgaben, 54 Prozent rechnen 2026 mit weiteren Steigerungen. Zudem erlebten 28 Prozent der Unternehmen in den letzten zwölf Monaten einen größeren Cloud-Ausfall.

KI-Nutzung: Jedes dritte Unternehmen ist bereits dabei

Eine Digitalisierungsumfrage der DIHK zeigt: 35 Prozent der Unternehmen nutzen bereits KI, weitere 34 Prozent planen dies innerhalb der nächsten drei Jahre. Hauptanwendung ist die Generierung von Texten, Bildern oder Code.

Doch auch hier gibt es Abhängigkeiten: 68 Prozent der KI-nutzenden Firmen fühlen sich weitgehend oder vollständig von ihren Anbietern abhängig. Die größten Hürden für den Einstieg sind interne Akzeptanz und Schulungen (31 Prozent) sowie der Mangel an IT-Fachkräften (29 Prozent).

Anzeige

Die rasante Verbreitung von KI-Systemen in deutschen Betrieben erfordert eine rechtssichere Dokumentation nach neuen EU-Standards. Erfahren Sie im kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und was Unternehmen jetzt konkret tun müssen. Kostenlosen Report zur KI-Verordnung anfordern

Digitaler Euro: Bekanntheit gering, Kosten hoch

Die Europäische Zentralbank peilt die Einführung eines digitalen Euro für 2029 an. Doch die Deutschen sind schlecht informiert: Zwar haben 52 Prozent schon davon gehört, aber nur acht Prozent können erklären, wozu er dient. 41 Prozent haben noch nie vom digitalen Euro gehört.

Die Kosten sind beträchtlich: Bis 2029 werden 1,3 Milliarden Euro veranschlagt, die jährlichen Betriebskosten liegen bei rund 320 Millionen Euro.

Social Media: Bitkom warnt vor pauschalen Verboten

In der Debatte um Social-Media-Regulierung bezieht der Verband klare Stellung. Nach Berichten, wonach die EU-Kommission nach dem Sommer Altersbeschränkungen vorschlagen könnte, warnt Bitkom vor pauschalen Verboten für Plattformen wie TikTok. „Medienkompetenz entsteht durch begleitete Nutzung, nicht durch Ausgrenzung", so die Position. Während einige nationale Regulierer auf Altersgrenzen drängen, bezeichnen andere politische Gruppen solche Beschränkungen als wirkungslos.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69762198 |