KI-Chatb, Tracker

KI-Chatb 80,8 Prozent der Tracker bleiben trotz Cookie-Ablehnung aktiv

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 22:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine ungeprüfte Studie fand bei neun KI-Anbietern Datenflüsse zu Dritten und aktive Tracker trotz abgelehnter Cookies.

KI-Chatbots geben Nutzerdaten an Tracker und Werbeplattformen weiter
Ein dunkler, moderner Konferenzraum mit Glaswänden bei Dämmerung, der einen Blick auf eine nächtliche Stadtlandschaft bietet. Illustration mit AI erstellt.

Führende KI-Chatbots teilen systematisch Nutzerdaten mit externen Online-Diensten und Werbeplattformen. Wie aus Berichten vom 6. Oktober 2026 über eine noch ungeprüfte Preprint-Studie des IMDEA Networks Institute hervorgeht, geben alle neun untersuchten Anbieter entsprechende Informationen an Dritte weiter. Die Untersuchung analysierte Dienste wie ChatGPT, Claude, Gemini, Grok, DeepSeek, Perplexity, Le Chat, Meta AI und Microsoft Copilot.

Den Ergebnissen zufolge leiten fünf der neun Anbieter Permalinks zu Chatverläufen an Datentracker im Browser weiter. Lediglich bei 40 Prozent der Dienste lässt sich dies durch das Ablehnen nicht notwendiger Cookies verhindern, während der Vorgang bei 60 Prozent der Anbieter dennoch fortgesetzt wird.

Insgesamt 33,3 Prozent der untersuchten KI-Dienste teilen sogar Chat-Zusammenfassungen mit Werbepartnern. Zudem bleiben 80,8 Prozent der Drittanbieter-Tracker trotz einer expliziten Ablehnung nicht notwendiger Cookies aktiv.

Zahlreiche Tracker und Sicherheitsrisiken im Browser

Die Forscher identifizierten insgesamt 44 externe Tracking- und Werbedienste auf den Plattformen. Tracker von Google traten am häufigsten auf, gefolgt von Sentry, Meta, Datadog und Intercom sowie Tracking-Elementen von TikTok, Apple und X. Sowohl zahlende Premium-Kunden als auch Nutzer der kostenlosen Versionen werden dabei von weitgehend identischen Drittanbietern erfasst.

Sechs von neun Web-Oberflächen sowie drei von acht getesteten Android-Apps übertrugen Chattitel, Chat-Links, Prompts oder Bildschirmfotos an externe Dienste wie Meta, TikTok und Google DoubleClick. Bei fünf Web-Oberflächen wurden Chat-Adressen und Kennungen an neun Tracking-Dienste weitergeleitet, drei davon übermittelten zusätzlich den Titel der Unterhaltung.

Die Datenweitergabe erstreckt sich teilweise auf persönliche E-Mail-Adressen und dauerhafte Nutzer-Kennungen, selbst bei Verwendung des Inkognito-Modus im Browser. So wird für Werbe-Targeting bei OpenAI beispielsweise die Kennung LiveRamp RampID verwendet. Tests mit sogenannten Canary-URLs belegten Zugriffe bei mehreren Anbietern; beim Dienst Grok von xAI wurden mehrfache nachträgliche Abrufe verzeichnet.

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Spezifisches Verhalten der einzelnen Plattformen

Die Weitergabe variiert je nach System. Bei xAI (Grok) erhielt TikTok ein Bildschirmfoto des Chats, während Meta und TikTok den letzten Prompt im genauen Wortlaut übermittelt bekamen.

Ein serverseitiger Google Tag Manager leitet bei dem Dienst Links und Titel an die Schnittstellen Meta Conversions API und TikTok Events API weiter. Zudem sind geteilte Chats bei Grok in der Free- und Premium-Version standardmäßig öffentlich, woraufhin 70 Zugriffe von 70 IP-Adressen aus 14 Ländern registriert wurden.

Bei Anthropic (Claude) überträgt der Dienst Segment Nutzerereignisse an elf Werbeplattformen, darunter Facebook, LinkedIn, TikTok und Reddit. Chat-Kennungen, Chat-Links, Nutzer-IDs und E-Mail-Adressen fließen an Datadog und Intercom.

Bei ChatGPT von OpenAI werden Chat-Kennungen, Links und Nutzer-IDs ebenfalls an Datadog gesendet, selbst nach einer Ablehnung von Cookies. Bei Googles Gemini geht der Chattitel ungeachtet der Cookie-Auswahl an Google Analytics. Perplexity und Mistral senden Chat-Kennungen, Links und teilweise Nutzer-IDs sowie E-Mail-Adressen an Datadog beziehungsweise Intercom.

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Die unkontrollierte Weitergabe von Nutzerdaten und Identifikatoren zeigt, wie wichtig eine rechtssichere Dokumentation für Verantwortliche ist. Compliance-Experten warnen vor den Folgen bei Missachtung der KI-Verordnung und bieten hierzu einen kostenlosen Umsetzungsleitfaden mit allen relevanten Fristen an. Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act kostenlos herunterladen

Demgegenüber übermittelten Microsoft Copilot, DeepSeek und Meta AI im Web-Test keine Gesprächsdaten. Dennoch verbinden sich Perplexity, DeepSeek, Gemini, Copilot, ChatGPT und Claude nach dem Ablehnen aller nicht notwendigen Cookies mit Google Ads.

Auf allen neun Plattformen fanden die Forscher Skripte für digitales Fingerprinting. Die spanische Datenschutzbehörde AEPD leitete die Untersuchung im Mai an den Europäischen Datenschutzausschuss weiter.

Parallel geraten Plattformbetreiber auch regulatorisch unter Druck. Die britische Medienaufsicht Ofcom leitete eine Untersuchung gegen Meta ein, um zu prüfen, ob der Konzern vor der Einführung der Instagram-Funktion Instants im Mai die Risiken für Minderjährige sowie illegale Inhalte ausreichend bewertet hat. Meta wies dies zurück und erklärte, eine Risikobewertung erstellt sowie Sicherheitsvorkehrungen getroffen zu haben.

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