KI-Chatbots, Psyche

KI-Chatbots für Psyche: 8,2 Millionen Jugendliche umgehen Ärzte

16.06.2026 - 23:56:44 | boerse-global.de

Fast jeder fĂĽnfte Jugendliche in den USA sucht psychologische UnterstĂĽtzung bei KI-Chatbots, oft ohne Wissen der Eltern. Mediziner warnen vor Risiken.

Studie: Immer mehr Jugendliche nutzen KI-Chatbots fĂĽr psychische Hilfe
KI-Chatbots - Teenagers interacting with digital devices, with subtle AI elements, symbolizing the use of AI for health information. 16.06.2026 - Bild: ĂĽber boerse-global.de

Immer mehr junge Menschen suchen bei psychischen Problemen Hilfe bei Künstlicher Intelligenz – und umgehen dabei Ärzte und Eltern. Mediziner schlagen Alarm.

Eine aktuelle Studie im Fachblatt JAMA Pediatrics zeigt eine besorgniserregende Entwicklung: Rund 19,2 Prozent der 12- bis 21-Jährigen in den USA – das entspricht etwa 8,2 Millionen Jugendlichen – nutzten 2025 KI-Chatbots für psychische Unterstützung. Der Anstieg ist rasant: 2024 lag der Wert noch bei 13,1 Prozent.

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Besonders intensiv nutzen bestimmte Gruppen die Technologie. Afroamerikanische Jugendliche greifen fünfmal häufiger auf KI-Chatbots zurück als ihre weißen Altersgenossen. Mädchen und junge Frauen nutzen die Angebote doppelt so oft wie Jungen. Und das meist im Verborgenen: 63,3 Prozent der Befragten gaben an, ihre KI-Nutzung geheim zu halten.

Hohes Vertrauen trotz fehlender Kontrolle

Die Plattformen ChatGPT, Gemini, Character.AI oder Meta AI werden von 42,8 Prozent der Nutzer mindestens einmal monatlich konsultiert. 5,8 Prozent tun dies sogar täglich. Und die jungen User sind überwiegend zufrieden: Zwischen 91 und 92 Prozent bewerteten die erhaltene Hilfe als nützlich.

Auch in Deutschland zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab. Die Sinus-Jugendstudie der Barmer aus dem Jahr 2026 ergab, dass in bestimmten Regionen 44 Prozent der 14- bis 17-Jährigen bereits KI zu Gesundheitsfragen befragt haben. Fast die Hälfte von ihnen hält die Antworten für vertrauenswürdig.

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Eine Untersuchung von Common Sense Media aus März 2026 mit über 1.200 Teilnehmern zwischen 9 und 17 Jahren zeigt: 57 Prozent haben KI bereits um Rat zu körperlichen Themen gebeten. 27 Prozent wenden sich mittlerweile lieber an einen Chatbot als an einen Erwachsenen.

Die „Illusion der Empathie“

Die Mediziner reagieren mit deutlicher Skepsis. Eine Umfrage der American Psychological Association (APA) unter 1.200 Psychologen ergab: 77 Prozent haben bereits Patienten, die KI nutzen. Zwar beobachteten 71 Prozent der Fachleute positive Effekte wie emotionale Bestätigung – doch die Bedenken überwiegen.

94 Prozent der Psychologen vertrauen Technologieunternehmen nicht beim Umgang mit Patientendaten. 89 Prozent fürchten, dass KI unbeabsichtigt selbstschädigendes Verhalten fördern könnte. 39 Prozent der Patienten nutzen KI zur Selbstdiagnose, 35 Prozent als „Ergänzungstherapeuten“.

Kliniker berichten von Fällen, in denen KI komplexe Erkrankungen wie ADHS oder Schizophrenie falsch diagnostizierte. Pädiatrie-Experten warnen zudem vor einem grundlegenden Problem: Die KI tendiere dazu, Konflikte zu glätten und stets nachgiebig zu reagieren. Das könne die natürliche Identitätsentwicklung von Kindern stören. Forscher sprechen von einer „Illusion der Empathie“ – einer scheinbar einfühlsamen Antwort, der die klinische Kontrolle fehlt, um Krisen zu erkennen oder körperliche Warnsignale zu deuten, die ein menschlicher Behandler sofort bemerken würde.

Letzter Ausweg fĂĽr besondere Gruppen

Das Rithm Project zeigt, dass KI für manche Jugendliche die letzte Option darstellt. LGBTQ+-Jugendliche etwa meiden KI zwar bewusst 2,5-mal häufiger als andere – greifen aber dann doch darauf zurück, wenn Eltern oder Therapeuten nicht erreichbar scheinen.

Die Frage bleibt: Wer schĂĽtzt die jungen Nutzer, wenn der Chatbot die falsche Antwort gibt?

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