KI-Chip-Skandal: USA untersuchen Kuehne+Nagel-Tochter wegen Nvidia-Lieferungen
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 21:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das US-Handelsministerium hat eine Untersuchung gegen Apex Logistics eingeleitet. Der Tochtergesellschaft des Logistikkonzerns Kuehne+Nagel wird vorgeworfen, möglicherweise den Transport von Hochleistungs-Chips des Herstellers Nvidia nach China ermöglicht zu haben. Die Ermittlungen des Bureau of Industry and Security (BIS) konzentrieren sich dabei auf potenzielle Verstöße gegen bestehende US-Exportbeschränkungen für künstliche Intelligenz (KI).
Vorwurf systematischer Umgehung von Exportkontrollen
Im Zentrum der Untersuchung steht der Transport von KI-Systemen des Herstellers Super Micro Computer durch das in Singapur ansässige Unternehmen Apex Logistics. Berichten zufolge sollen zwei ehemalige Mitarbeiter der Kuehne+Nagel-Tochter bei insgesamt 47 Sendungen falsche Versandcodes verwendet haben, um Nvidia-KI-Server nach China zu liefern.
Die Route dieser Lieferungen soll im Jahr 2024 über Taiwan, die USA und Hongkong zu asiatischen Zielorten geführt haben, von wo aus sie offenbar weitergeleitet wurden.
Es handelt sich um das erste Mal, dass die US-Behörden eine derartige Maßnahme direkt gegen ein Transportunternehmen ergreifen. Apex Logistics räumte in diesem Zusammenhang Bedenken hinsichtlich einer kleinen Anzahl von Sendungen ein. Für Kuehne+Nagel hatte das Bekanntwerden der Untersuchung unmittelbare finanzielle Folgen: Die Aktien des Konzerns verzeichneten am 27. August 2026 einen Kursrückgang von 4,2 %.
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Rechtliche Konsequenzen und internationale Ermittlungen
Die rechtlichen Risiken für die beteiligten Unternehmen sind erheblich. Bei nachgewiesenen Verstößen gegen die Exportbestimmungen drohen zivilrechtliche Strafen von bis zu 374.474 US-Dollar pro einzelnem Verstoß. Parallel zu den US-Ermittlungen sind auch Behörden in Taiwan aktiv geworden.
Dort wurden am 24. August 2026 neun Personen angeklagt, darunter Mitarbeiter von Nvidia und Supermicro. Ihnen wird die illegale Umleitung von 74 Nvidia-B300-KI-Servern nach China vorgeworfen. Dieses Schema soll einen Umsatz von 600 Millionen NT-Dollar (etwa 19 Millionen US-Dollar) generiert haben.
Während 130 Server offiziell genehmigt waren, konnten 56 Einheiten abgefangen werden. Die taiwanesische Staatsanwaltschaft fordert für einen involvierten Manager von Nvidia Taiwan eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.
Verschärfung der US-Handelspolitik unter der Trump-Administration
Die Untersuchung gegen Apex Logistics fällt in eine Phase, in der die US-Regierung unter der Trump-Administration an einer weiteren Verschärfung der Exportkontrollen arbeitet.
Ziel ist es, Chinas Fernzugriff auf KI-Chips einzuschränken und bestehende Gesetzeslücken zu schließen, die eine Belieferung über Drittländer wie Thailand oder Singapur ermöglichen. Branchenbeobachter erwarten, dass entsprechende Neuregelungen der Industrie bereits im September mitgeteilt werden könnten.
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Zusätzlich zu den Exportbeschränkungen erwägt die US-Regierung neue Zölle auf Halbleiter und Produkte, in denen diese verbaut sind, wie Server, Laptops und Konsolen. Diskutiert wird ein Zollsatz von etwa 100 % auf Chips, wobei Ausnahmeregelungen für US-Hersteller im Gespräch sind. Bereits seit Januar besteht ein Zoll von 25 % auf bestimmte KI-Chips.
Die Herausforderungen für die Industrie sind dabei beträchtlich. Laut aktuellen Erhebungen geben 82 % der US-Firmen an, dass ihre Produkte Komponenten von Nicht-US-Lieferanten enthalten. Rund 95 % der Unternehmen identifizieren langwierige Prüfprozesse als größtes Hindernis im internationalen Geschäft, während 73 % angeben, bereits Aufträge an chinesische Konkurrenten verloren zu haben.
Nvidia selbst verzeichnete zuletzt eine Lagerwertberichtigung von 400 Millionen US-Dollar für überschüssige H200-Chips, von denen sich noch 500.000 Einheiten im Bestand befinden sollen. Der Verkauf dieser Chips nach China machte zuletzt weniger als 1 % des Rechenzentrumsumsatzes von Nvidia aus.
