KI-Gigafabriken: EU startet 30-Milliarden-Ausschreibung für sieben Standorte
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 17:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Europäische Kommission hat das Vergabeverfahren für bis zu sieben Künstliche-Intelligenz-„Gigafabriken“ eröffnet. Das Projekt soll Europas digitale Unabhängigkeit stärken und den Rückstand zu den USA und China verringern.
30-Milliarden-Euro-Projekt mit klarer Arbeitsteilung
Das Gesamtvolumen des Vorhabens übersteigt erwartungsgemäß die Marke von 30 Milliarden Euro. Die öffentliche Hand steuert davon zehn Milliarden Euro bei – jeweils zur Hälfte aus EU-Töpfen und nationalen Haushalten. Die restlichen 20 Milliarden Euro sollen aus der Privatwirtschaft kommen.
Die Ausschreibung ist in zwei Kategorien aufgeteilt. In der ersten Kategorie sind bis zu vier Projekte vorgesehen, die in einer ersten Phase je 100 Millionen Euro und in einer zweiten Phase weitere 400 Millionen Euro erhalten sollen. Diese Anlagen sollen eine Rechenleistung erreichen, die rund 75.000 Nvidia-H100-Chips entspricht. Die zweite Kategorie umfasst bis zu drei größere Vorhaben mit 200 Millionen Euro in der ersten und 800 Millionen Euro in der zweiten Phase.
Die geplanten Einrichtungen werden enorme Energiekapazitäten benötigen: Ein Gigawatt pro Standort – genug, um mehr als 700.000 Haushalte mit Strom zu versorgen.
Bewerberfeld ist groß – Deutschland mischt vorne mit
Das Interesse an dem Projekt ist beachtlich. 76 Konsortien haben bereits Interesse an 60 möglichen Standorten in 16 Mitgliedstaaten bekundet. Insgesamt sind 18 EU-Länder in die Initiative eingebunden.
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In Deutschland haben sich namhafte Unternehmen in Position gebracht: die Deutsche Telekom, Schwarz Digits, Ionos gemeinsam mit Hochtief, dazu Impossible Cloud und Blue Swan. Auch die Bundesländer Bayern und Sachsen-Anhalt zeigen Interesse an einem Standort. Weitere starke Bewerber kommen aus Frankreich, Italien, Polen, Spanien und Dänemark.
Digitale Souveränität als oberstes Ziel
Der zentrale Anspruch des Projekts: Europas Unabhängigkeit von außereuropäischen Hyperscalern – also den großen Cloud- und Rechenzentrumsanbietern – zu sichern. Die Kommission verlangt deshalb, dass die Standorte innerhalb der EU liegen und unter europäischer Kontrolle bleiben. Die Hardware kommt von großen Herstellern wie AMD, Nvidia und Qualcomm, muss aber den EU-Standards bei Datenschutz, Sicherheit und Ethik entsprechen.
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Der Start der Ausschreibung erfolgt rund eineinhalb Jahre, nachdem Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das Projekt im Februar 2025 erstmals angekündigt hatte. Ursprünglich war der Beginn bereits für Ende 2025 geplant. Ein für Mai dieses Jahres vorgesehener Start war zuvor ebenfalls verschoben worden.
Zeitplan: Betrieb ab Mitte 2028 möglich
Interessierte Bieter haben bis zum 12. November 2026 Zeit, ihre Anträge einzureichen. Die endgültigen Entscheidungen über Standorte und Vertragsvergaben werden für Anfang 2027 erwartet. Der Bau soll ebenfalls im Frühjahr 2027 beginnen – die Anlagen müssen dann innerhalb von 18 Monaten nach Vertragsunterzeichnung betriebsbereit sein. Das bedeutet: Die ersten europäischen KI-Gigafabriken könnten Mitte 2028 den Betrieb aufnehmen.
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