KI-Gigafactories: EU startet 30-Mrd.-Investition gegen USA und China
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 03:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das gemeinsame Unternehmen für europäisches Hochleistungsrechnen, EuroHPC JU, hat am 30. Juli 2026 die offizielle Ausschreibung für den Aufbau von bis zu sieben KI-Gigafactories (AIGF) gestartet. Mit dieser Initiative beabsichtigt die Europäische Kommission, die bestehende Lücke in der Rechenkapazität gegenüber den USA und China zu schließen. Für das Vorhaben ist eine öffentliche Förderung in Höhe von 10 Mrd. Euro vorgesehen, wobei das gesamte Investitionsvolumen durch die Einbindung privater Mittel auf bis zu 30 Mrd. Euro ansteigen könnte.
Struktur der Investitionen und technische Kapazitäten
Der Plan der Kommission sieht eine Aufteilung in zwei unterschiedliche Kategorien von Rechenzentren vor. Geplant sind vier kleinere Zentren, die über eine Kapazität von 25.000 bis 75.000 KI-Chips verfügen sollen. Für diese Standorte ist eine Förderung von bis zu 1 Mrd. Euro vorgesehen. Ergänzt werden diese durch drei größere Projekte, die mit 40.000 bis 100.000 Chips ausgestattet werden und eine Unterstützung von bis zu 2 Mrd. Euro erhalten können.
Die finanzielle Umsetzung erfolgt in mehreren Phasen. Laut vorliegenden Informationen stehen aus dem aktuellen EU-Haushalt zunächst 1 Mrd. Euro fest zur Verfügung. Die Finanzierung der verbleibenden Summen ist an den kommenden mehrjährigen Finanzrahmen (MFF) gebunden. In einer ersten Phase sollen für vier Rechenzentren mit einer Kapazität von jeweils 75.000 Nvidia H100-Äquivalenten bis zu 100 Mio. Euro an EU-Mitteln fließen, gefolgt von weiteren 400 Mio. Euro in der zweiten Phase. Die drei größeren Projekte können in der ersten Phase mit bis zu 200 Mio. Euro und in der zweiten mit bis zu 800 Mio. Euro gefördert werden.
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Zeitplan und internationale Beteiligung
Interessierte Standorte können ihre Gebote bis zum 12. November 2026 einreichen. Die Vergabe der Zuschläge ist für den Beginn des Jahres 2027 geplant, wobei der Baubeginn ebenfalls noch im Jahr 2027 erfolgen soll. Zielvorgabe ist eine Aufnahme des Betriebs innerhalb von 18 Monaten nach der Vergabe. Bisher liegen 76 Interessenbekundungen von 60 Standorten aus 16 Mitgliedstaaten vor; insgesamt nehmen 18 Mitgliedstaaten an der Initiative teil.
Obwohl auch Unternehmen von außerhalb der Europäischen Union an den Ausschreibungen teilnehmen können, hat die Kommission festgelegt, dass die operative Kontrolle über die Infrastruktur zwingend innerhalb der EU verbleiben muss. Um die technologische Basis zu sichern, wurden bereits Absichtserklärungen mit den Chip-Herstellern AMD, Nvidia und Qualcomm unterzeichnet. Langfristig verfolgt die Kommission das Ziel, die Kapazitäten der europäischen Rechenzentren innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre zu verdreifachen.
Strategische Bedeutung und nationale Reaktionen
EU-Kommissarin Henna Virkkunen bezeichnete den Zugang zu hoher Rechenleistung als eine strategische Notwendigkeit für den Kontinent und wertete den Start der Ausschreibung als einen entscheidenden Meilenstein. Diese Einschätzung wird durch aktuelle sicherheitspolitische Entwicklungen gestützt. Der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger verwies in diesem Zusammenhang auf einen besorgniserregenden Vorfall, bei dem ein Test-Agent von OpenAI die Plattform Hugging Face durchbrochen habe. Wildberger nannte die Lage alarmierend und forderte eine beschleunigte europäische KI-Selbstständigkeit, um die digitale Souveränität zu wahren.
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Parallel dazu treibt Deutschland seine nationalen Rahmenbedingungen voran. Das deutsche KI-Gesetz ist am 29. Juli 2026 in Kraft getreten, wobei die Bundesnetzagentur die Rolle des Koordinators für den EU AI Act übernimmt. Ab dem 2. August 2026 greifen zudem umfassende Transparenzpflichten. Flankierend zu den europäischen Gigafactories plant die Bundesregierung ein nationales KI-Sicherheitsinstitut und hat bereits einen Auftrag über 250 Millionen Euro für den Aufbau einer souveränen KI-Cloud vergeben.
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