KI-Greenwashing: Nur 26% der Klimaversprechen wissenschaftlich belegt
02.06.2026 - 00:30:01 | boerse-global.deEine neue Studie von AlgorithmWatch und Beyond Fossil Fuels stellt der Künstlichen Intelligenz-Branche ein vernichtendes Zeugnis aus. Die Organisationen untersuchten 154 Klimaversprechen von KI-Unternehmen – und fanden heraus: Nur 26 Prozent dieser Zusagen werden durch veröffentlichte Forschungsergebnisse gestützt.
Das Problem: Generative KI-Modelle wie ChatGPT verschlingen enorme Mengen an Strom und Wasser, ohne dass messbare Klimavorteile erkennbar wären. Ganz anders sieht es bei klassischen KI-Anwendungen aus – etwa Wettervorhersagemodellen, die tatsächlich positive Umwelteffekte erzielen. Die Studie legt nahe, dass ein Großteil der Nachhaltigkeitsrhetorik der Branche schlichtweg Greenwashing ist. Der rasante Ausbau physischer Infrastruktur stehe allzu oft im direkten Widerspruch zu den eigenen Klimazielen.
Milliardenschwere Investitionen – und ihre Schattenseiten
Anzeige: Die neue Studie zeigt: Nur 26% der KI-Klimaversprechen sind belegt, 36% enthalten keinerlei Belege. Für Nachhaltigkeitsmanager wird die Prüfung dieser Zusagen zur Pflicht – bevor regulatorische Risiken und lokale Proteste Ihre Projekte gefährden. Unser Leitfaden liefert eine konkrete Checkliste und Risikoanalyse. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Die Kritik der Nichtregierungsorganisationen kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Branche Rekordinvestitionen verzeichnet. Aktuelle Analysen gehen davon aus, dass die KI-bezogenen Investitionen 2026 zwischen 680 und 755 Milliarden Euro erreichen könnten – das entspricht rund drei Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts. Dieser Finanzrausch treibt den Bau von Rechenzentren massiv voran. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass diese Anlagen bis 2030 für fast die Hälfte des gesamten US-Strombedarfszuwachses verantwortlich sein werden.
Die Studie von AlgorithmWatch und Beyond Fossil Fuels beklagt vor allem die mangelnde Transparenz über diese Umweltkosten. 36 Prozent der untersuchten Klimabehauptungen enthielten keinerlei Belege. Besonders problematisch: Der hohe Ressourcenverbrauch generativer KI steigt mit jeder neuen Modellgeneration weiter an – sowohl beim Kühlwasser als auch beim Strombedarf.
Widerstand vor Ort: Datenzentren in der Kritik
Die Infrastrukturprojekte stoßen zunehmend auf organisierten Widerstand aus der Bevölkerung. Die bekannte Verbraucherschützerin Erin Brockovich startete am 1. Juni die Plattform BrockovichDataCenter.com, um mehr Transparenz zu schaffen. Die Seite verzeichnete im ersten Monat rund 4.000 Meldungen und kartiert aktuell 2.716 Rechenzentren in 49 US-Bundesstaaten – darunter 33 aktive, 44 im Bau befindliche und 27 geplante KI-spezifische Anlagen.
Die Ablehnung zeigt sich in Zahlen und politischen Entscheidungen:
- Meinungsbild: Laut Gallup lehnen 70 Prozent der US-Amerikaner ein Rechenzentrum in ihrer Nachbarschaft ab – eine höhere Ablehnungsrate als bei Atomkraftwerken.
- Projektstopps: 2025 wurden mindestens 25 Rechenzentren aufgrund lokaler Proteste gestoppt. Im ersten Quartal 2026 kamen weitere 20 Projekte im Wert von rund 39 Milliarden Euro hinzu.
- Regulierungswelle: Ohio setzte Ende Mai Steueranreize für Rechenzentren aus. In Little Rock steht heute eine Abstimmung über eine Verordnung an, die strenge Lärmgrenzen und detaillierte Wasser- und Energiepläne für Großrechenzentren vorsieht.
In Saline Township, Michigan, stößt das „Stargate“-Projekt auf erbitterten Widerstand. Die 15 Milliarden Euro schwere Gemeinschaftsinitiative von Related Digital, Oracle und OpenAI sah ursprünglich eine Umwidmung von Flächen vor. Nachdem lokale Behörden dies Ende 2025 ablehnten, setzten die Investoren das Projekt unter Androhung von Klagen durch.
Ressourcenknappheit als finanzielles Risiko
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Die Umweltbelastung durch KI wird zunehmend als materielles Finanzrisiko erkannt. In einem aktualisierten Börsenprospekt vom 1. Juni führte SpaceX den Wasserzugang als spezifischen Risikofaktor auf. Die Begründung: Der Ausbau von Rechenzentren werde zunehmend durch die Verfügbarkeit von Strom und Wasser zu bezahlbaren Preisen begrenzt.
In Utah ist das „Stratos Project“ zum Symbol für Umweltkonflikte geworden. Ursprünglich war eine gasbetriebene Anlage geplant. Gouverneur Spencer Cox erklärte nun, das Projekt solle langfristig auf Atomkraft, Geothermie und Solarenergie umgestellt werden. Doch die erste Phase sieht ein 9-Gigawatt-Gaskraftwerk vor, das jährlich 35 Millionen Tonnen CO? ausstoßen könnte – das wäre eine Steigerung von 64 Prozent gegenüber den aktuellen Emissionen des Bundesstaates.
Während einige Regionen die Zügel anziehen, positionieren sich andere als Vorreiter für KI mit Atomstrom. Softbank kündigte am 1. Juni an, bis zu 75 Milliarden Euro in Frankreich zu investieren, um bis 2031 eine Rechenzentrumskapazität von 5 Gigawatt aufzubauen. Das Projekt setzt auf das französische Atomstromnetz und den Versorger EDF. Die französische Regierung erwartet dadurch über 15.000 neue Arbeitsplätze – und hofft, die CO?-Bilanz der KI-Industrie durch emissionsarme Kernenergie zu verbessern.
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