KI-Haftung ungeklÀrt: Gerichte spalten sich, EU AI Act kommt am 2. August
17.06.2026 - 00:04:04 | boerse-global.de
Meta und Google haben am Montag tiefgreifende KI-Integrationen in ihre Plattformen eingefĂŒhrt â wĂ€hrend europĂ€ische Gerichte widersprĂŒchliche Urteile zur Haftung fĂŒr KI-generierte Inhalte fĂ€llen.
Meta bringt KI-Modus auf Facebook
Facebook-Nutzer in den USA können ab sofort den neuen âAI Modeâ nutzen. Die Funktion, die auf der Muse Spark AI-Engine basiert, durchsucht öffentliche BeitrĂ€ge, Gruppen, Reels und Marketplace-EintrĂ€ge. Statt einzelner Suchergebnisse liefert das System zusammengefasste Antworten auf komplexe Fragen â inklusive der Möglichkeit, per RĂŒckfrage tiefer einzusteigen.
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Die Neuerung ist Teil eines gröĂeren KI-Pakets. Nutzer erhalten Zugriff auf KI-gesteuerte Bildbearbeitung, virtuelle Outfits und neue Video-Effekte. WĂ€hrend die Analyse der eigenen Kamerarolle optional bleibt, gibt es keine Möglichkeit, die Nutzung öffentlicher BeitrĂ€ge fĂŒr das KI-Training zu unterbinden.
Erst im Mai hatte Meta die Forum-App gestartet, im Februar kamen animierte Profilbilder, im MĂ€rz KI-gestĂŒtzte Antworten fĂŒr Marketplace.
Google setzt auf Gemini 3.5 Flash
Parallel dazu kĂŒndigte Google die gröĂte Such-Ăberarbeitung seit 25 Jahren an. Die neue OberflĂ€che, angetrieben von Gemini 3.5 Flash, verarbeitet deutlich lĂ€ngere Suchanfragen und erlaubt das Hochladen von Dokumenten und Videos direkt in die Suchleiste. Der Suchmaschinenriese positioniert sich damit zunehmend als konversationeller Assistent fĂŒr komplexe Aufgaben â etwa die Verwaltung der Wohnungssuche.
Die finanziellen Kennzahlen untermauern den Kurs: Mit einem Jahresgewinn von umgerechnet rund 120 Milliarden Euro hat Google seinen Gewinn seit 2022 mehr als verdoppelt. Die Anzeigenklicks stiegen um sechs Prozent, die Kosten pro Klick um sieben Prozent. Die KI-Integration scheint das KerngeschÀft bisher nicht zu beeintrÀchtigen.
MĂŒnchen und Berlin: Zwei Gerichte, zwei Meinungen
WĂ€hrend die Tech-Konzerne vorpreschen, ringen die Gerichte um die rechtliche Einordnung. Das Landgericht MĂŒnchen erlieĂ am 28. Mai eine einstweilige VerfĂŒgung gegen Google (Az. 26 O 869/26). Zwei Verlage hatten geklagt, nachdem die KI sie fĂ€lschlich mit betrĂŒgerischen AktivitĂ€ten in Verbindung gebracht hatte. Das Gericht urteilte: KI-Ăbersichten sind eigene Inhalte des Unternehmens â der ĂŒbliche Haftungsschutz fĂŒr Suchmaschinen greift nicht.
Google legte am 12. Juni Berufung ein und argumentiert, die Fehler seien EinzelfÀlle gewesen.
Ganz anders das Landgericht Berlin: Es entschied im Juni, KI-Ăbersichten seien lediglich ein neues Format zur Zusammenfassung fremder Inhalte. Eine Markenrechtsklage wurde abgewiesen â Nutzer wĂŒssten, dass die KI nur Informationen bĂŒndle und keinen entscheidenden Einfluss auf den Inhalt habe.
Genauigkeit unter der Lupe
Die VerlĂ€sslichkeit der neuen Suchformate bleibt fragil. Eine Studie des Analysehauses Oumi ergab: KI-generierte Ăbersichten sind zwar zu etwa 91 Prozent korrekt â aber rund elf Prozent der konkreten Behauptungen werden von den zitierten Quellen nicht gedeckt. Besonders brisant: Nur ein Prozent der Nutzer klickt ĂŒberhaupt auf die Quellenlinks.
FĂŒr Verlage ist das ein Alarmzeichen. Ihnen droht der Verlust direkter Zugriffe â und damit von Werbeeinnahmen.
Anzeige: Rund 11 Prozent der KI-Behauptungen werden von Quellen nicht gedeckt â und nur ein Prozent der Nutzer klickt auf die Links. FĂŒr Unternehmen, die KI-generierte Inhalte einsetzen oder verantworten, wird die Haftungsfrage existenziell. Der Leitfaden zeigt, wie Sie Ihre Risiken minimieren und bis August 2026 compliant werden. KI-Haftungsrisiko jetzt prĂŒfen
EU-Recht rĂŒckt nĂ€her
Der rechtliche Rahmen zeichnet sich ab. Am 2. August 2026 tritt der EU AI Act vollstĂ€ndig in Kraft, im Dezember folgt die EU-Produkthaftungsrichtlinie mit spezifischen Regelungen fĂŒr KI-Systeme. Beide Gesetze dĂŒrften die Verantwortlichkeiten von Meta, Google & Co. fĂŒr die Genauigkeit ihrer automatisierten Ausgaben deutlich prĂ€zisieren.
Bis dahin bleibt eine Frage offen: Wer haftet, wenn die KI irrt?
