KI im Finanzsektor: Lagarde warnt vor Abhängigkeit von wenigen Anbietern
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 22:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auf der Jubiläumskonferenz des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB) hat EZB-Präsidentin Christine Lagarde vor den Gefahren gewarnt, die sich aus dem zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz für das europäische Finanzsystem ergeben. Nach ihrer Einschätzung stellt insbesondere die Abhängigkeit des Sektors von wenigen Technologieanbietern ein erhebliches Risiko für die systemische Stabilität dar.
Lagarde verwies auf die bereits weit fortgeschrittene Nutzung der Systeme im europäischen Bankenwesen. Demnach setzen rund 90 % der großen Banken in der Eurozone generative künstliche Intelligenz ein, was fast neun von zehn Instituten entspricht.
Dieser Trend dürfte sich weiter verstärken, da sieben von zehn befragten Wertpapierfirmen in der Europäischen Union planen, ihre Investitionen in entsprechende Technologien auszubauen.
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Vollständig haben die Institute ihre Entscheidungsprozesse jedoch noch nicht übertragen: Lediglich 5 % der im Jahr 2026 befragten Asset Manager räumten Systemen mit künstlicher Intelligenz eine voll- oder teilautonome Autorität über Anlageempfehlungen oder Handelsaktivitäten ein.
Risiken durch Vernetzung und fehlende Kontrolle
Für die weitere Entwicklung benannte die Notenbankchefin drei wesentliche Risikobereiche: die Finanzmärkte, die Cyber-Resilienz und geopolitische Faktoren. Dabei bestehe die Gefahr, dass sich die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz im Wertpapierhandel, bei der Cybersicherheit und auf geopolitischer Ebene gegenseitig verstärken.
Besondere Risiken berge das Zusammentreffen einer Abhängigkeit von wenigen sogenannten Frontier-Modellen mit einer gleichzeitig wachsenden Autonomie der Systeme.
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Agierten KI-Agenten ohne menschliche Kontrolle, könnten sie Marktschocks verstärken sowie gezielte Manipulationen und Preisverzerrungen an den Märkten verursachen. Vor diesem Hintergrund forderte Lagarde, dass die Politik systemweite Risiken frühzeitig antizipieren müsse.
Bereits der Finanzstabilitätsbericht der Europäischen Zentralbank aus dem Mai hatte auf finanzielle Verwundbarkeiten im Technologiebereich hingewiesen. Demnach konzentriert sich das Exposure im Bereich der künstlichen Intelligenz vor allem auf Aktien, Unternehmensanleihen und Privatmärkte.
Auffällig sei zudem, dass die Spreads von IT-Unternehmensanleihen weiter ausfallen als breit gefasste Credit-Spreads. Zugleich werden Firmen aus dem KI-Bereich sowie der Aufbau der zugehörigen Infrastruktur in zunehmendem Maße kreditfinanziert.
