Job, ActivTrak

KI im Job: ActivTrak misst bis zu 90 Minuten lÀngere Arbeitstage

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 10:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
ActivTrak beobachtet bei KI-Anwendern lĂ€ngere Arbeitstage, hĂ€ufigere Programmwechsel und kĂŒrzere Konzentrationsphasen; ein ursĂ€chlicher Zusammenhang ist nicht belegt.
Ein minimalistischer, leerer Schreibtisch in einem modernen BĂŒro bei DĂ€mmerung, beleuchtet durch weiches, indirektes Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die EinfĂŒhrung generativer KĂŒnstlicher Intelligenz soll ArbeitsablĂ€ufe beschleunigen, fĂŒhrt in der Praxis jedoch nicht zwingend zu kĂŒrzeren Arbeitstagen.

Eine Analyse des Softwareanbieters ActivTrak zeigt, dass BeschÀftigte, die KI-Werkzeuge einsetzen, tÀglich bis zu 90 Minuten lÀnger arbeiten als Kollegen ohne entsprechende Programme. WÀhrend der digital erfasste Arbeitstag bei Nicht-Nutzern im Schnitt 7,6 Stunden betrÀgt, liegt er bei KI-Anwendern zwischen 8,4 und 9,1 Stunden.

Zersplitterter Arbeitstag und verkĂŒrzte Fokusphasen

Die Untersuchung von ActivTrak basiert auf der digitalen ArbeitsaktivitĂ€t von 9.140 Wissensarbeitern in 467 Unternehmen im Zeitraum vom 1. April bis zum 25. September 2026. Die ermittelte Differenz von 90 Minuten stellt den grĂ¶ĂŸten Unterschied zwischen den untersuchten Gruppen dar.

ActivTrak unterteilt die BeschĂ€ftigten in vier Kategorien: Nicht-Nutzer, Leichtnutzer mit unter 10 Minuten tĂ€glicher Nutzung, regelmĂ€ĂŸige Nutzer mit 10 bis 45 Minuten sowie Intensivnutzer mit mehr als 45 Minuten in mindestens fĂŒnf Sitzungen pro Tag.

Intensivnutzer leisteten im Schnitt 18 Minuten außerhalb ihrer ĂŒblichen Arbeitszeit ab. Ihr Anteil der Arbeitszeit außerhalb geplanter Stunden lag bei 32,3 Prozent, verglichen mit 31,9 Prozent bei Nicht-Nutzern. Gleichzeitig zeigten sich deutliche Unterschiede im Arbeitsrhythmus: Intensivnutzer kamen auf Fokusphasen von durchschnittlich 37,8 Minuten, wĂ€hrend Leichtnutzer 48,2 Minuten erreichten – ein RĂŒckgang um 22 Prozent.

Zudem wechselten Intensivnutzer hĂ€ufiger zwischen Programmen: Sie verzeichneten 1,1 Anwendungswechsel pro Stunde, was einem Anstieg von 15,2 Prozent gegenĂŒber den 0,95 Wechseln bei Nicht-Nutzern entspricht. War die KI direkt in die Arbeitssoftware integriert, lag der Wert bei 0,6 Wechseln pro Stunde, wĂ€hrend ein Assistent im Browser-Tab zu 1,7 bis 4,2 Wechseln fĂŒhrte.

Meetings machten bei Intensivnutzern 3 Prozent des Arbeitstags aus, gegenĂŒber 5 Prozent bei Nicht-Nutzern. Bei Softwareentwicklern im Datensatz betrug die Wechselrate 0,6 pro Stunde bei einem Anteil von 78,5 Prozent aktiver Zeit in Kernanwendungen, wĂ€hrend Operations Manager bei starker Koordination auf bis zu 4,1 Wechsel pro Stunde kamen.

Anzeige

Wer sich mit der Zunahme von Programmen und digitalen Unterbrechungen konfrontiert sieht, findet in diesem kostenlosen Ratgeber effektive Strategien fĂŒr eine bessere Struktur. Erfahren Sie, wie Sie Ihre Konzentration steigern und Ihre tĂ€glichen Aufgaben ohne unnötigen Stress bewĂ€ltigen. 7 bewĂ€hrte Zeitmanagement-Techniken jetzt kostenlos entdecken

HintergrĂŒnde der steigenden ArbeitsintensitĂ€t

Gabriela Mauch vom Productivity Lab bei ActivTrak wies darauf hin, dass KI Aufgaben zwar schneller abschließen könne, die Untersuchung jedoch lĂ€ngere Tage, mehr Programmwechsel und kĂŒrzere Fokusphasen aufzeige. GegenĂŒber Bloomberg erklĂ€rte sie, dass in einer produktivitĂ€tsorientierten Wirtschaft erzielte Gewinne oft dazu fĂŒhrten, dass noch mehr Leistung gefordert werde.

Die Erhebung belegt eine Korrelation, keine KausalitĂ€t. Als mögliche Ursachen gelten verĂ€ndertes Verhalten und strukturelle Anpassungen: BeschĂ€ftigte mit ohnehin langen Arbeitszeiten nutzen KI möglicherweise frĂŒher, Unternehmen erhöhen Zielvorgaben aufgrund der neuen technischen Möglichkeiten oder es fĂ€llt zusĂ€tzliche Zeit an, um minderwertige KI-Inhalte nachzubearbeiten.

Eine achtmonatige ethnografische Untersuchung der Haas School of Business an der UC Berkeley in einem Technologieunternehmen mit rund 200 BeschÀftigten ergab ebenfalls, dass KI die Arbeit oft intensivierte, ohne dass dies vom Arbeitgeber vorgegeben worden war.

Anzeige

Wenn die ArbeitsintensitĂ€t trotz neuer Technologien steigt, wird eine bewusste Abgrenzung zwischen Job und Freizeit immer wichtiger. Dieser kostenlose Leitfaden bietet konkrete Sofortmaßnahmen, um die persönliche Balance zu wahren und den Alltag gelassener zu gestalten. Kostenloses E-Book fĂŒr mehr Work-Life-Balance sichern

Diskrepanz zwischen Effizienzzielen und Praxis

Die betrieblichen HĂŒrden spiegeln sich auch in weiteren Erhebungen wider. Laut Gartner erreichen bisher nur 3 Prozent der Organisationen ihre Ziele bei ProduktivitĂ€t, Effizienz und Kostensenkung durch umfassende KI-Implementierungen, wenngleich 85 Prozent der FĂŒhrungskrĂ€fte fĂŒr 2027 steigende Ausgaben planen und 38 Prozent bereits ĂŒber dem Budget liegen.

Eine Befragung von Miro unter mehr als 9.500 BeschĂ€ftigten und FĂŒhrungskrĂ€ften aus dem Zeitraum September bis Oktober 2026 verdeutlicht das Problem: Zwar berichteten 83 Prozent ĂŒber eine gestiegene individuelle ProduktivitĂ€t und 73 Prozent ĂŒber ein höheres Tempo, doch nur 56 Prozent stellten eine bessere ArbeitsqualitĂ€t fest. 59 Prozent sahen sich mit einer grĂ¶ĂŸeren Menge an KI-Ergebnissen zur PrĂŒfung konfrontiert, und 55 Prozent beklagten vermehrte Nacharbeit durch fehlerhafte Inhalte.

Ähnliche Beobachtungen gibt es im öffentlichen Sektor. Eine Erhebung des Digitalamts unter 6.439 Bediensteten zwischen dem 21. August und dem 18. September 2026 ergab zwar eine rechnerische Zeitersparnis von rund 110 Minuten pro Woche fĂŒr regelmĂ€ĂŸige Anwender, offenbarte jedoch auch Kritikpunkte: Aufgaben wurden teilweise auf versierte Nutzer umverteilt, wĂ€hrend die Eingabe von Anweisungen und die QualitĂ€tskontrolle der KI-Antworten zusĂ€tzlichen Aufwand verursachten.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70462345 |