KI in der Produktion: Automatisierung springt von 16% auf 34%
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 04:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die industrielle Nutzung der additiven Fertigung (AM) steht vor einem weiteren Technologiesprung durch die Integration automatisierter Überwachungssysteme. Mitte August 2026 wurde bekannt, dass der US-amerikanische Hersteller Stratasys vom US-Verteidigungsministerium sowie der Organisation „America Makes“ Fördermittel in Höhe von 7,8 Millionen US-Dollar erhalten hat.
Ziel des auf 24 Monate angelegten Projekts ist die Entwicklung einer In-situ-Qualitätssicherung für die FDM-Plattformen (Fused Deposition Modeling) der Typen F3300 und F900.
Ein 24-monatiges Projekt für industrielle FDM-Plattformen
Im Zentrum der Forschungs- und Entwicklungsarbeit steht die Echtzeit-Überwachung des Druckprozesses. Durch die sogenannte In-situ-Qualitätssicherung sollen Defekte bereits während des Entstehungsprozesses erkannt werden, was die Zuverlässigkeit der Bauteile für sicherheitskritische Anwendungen im Verteidigungssektor erhöhen soll. Die Förderung unterstreicht das wachsende Interesse staatlicher Stellen an robusten und zertifizierbaren Fertigungsverfahren.
Diese Entwicklung fügt sich in einen breiteren Branchentrend ein, bei dem die Präzision und Fehlererkennung zunehmend automatisiert werden. So hat beispielsweise das SKZ ein Kameratomografie-System in Betrieb genommen, das die berührungslose Detektion von Defekten wie Delaminationen oder Rissen in Faserverbundwerkstoffen ermöglicht. Ein beteiligter Gruppenleiter betonte in diesem Zusammenhang das erhebliche Potenzial solcher Technologien für die industrielle Anwendung.
Branchenkontext: Marktwachstum und technologische Kapazitäten
Die Investitionen in die additive Fertigung erfolgen vor dem Hintergrund optimistischer Marktprognosen. Branchenanalysten erwarten ein Wachstum des Marktes von 1,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 4,8 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2030. In Erwartung dieser Entwicklung bauen Unternehmen ihre Kapazitäten weltweit aus.
SBO erweiterte im zweiten Quartal 2026 seine Metall-AM-Kapazitäten in den USA und Großbritannien durch die Anschaffung von Systemen der Typen Velo3D Sapphire XC und Renishaw 500Q. Für das dritte Quartal 2026 ist die Installation von zwei weiteren Velo3D-Anlagen geplant. Zudem wurde die Produktionsfläche in Houston um 50 Prozent auf nun 2.100 Quadratmeter vergrößert.
Solche Kapazitätssprünge gehen oft mit einer Standardisierung der Anlagen einher, wie sie auch bei EMAG LaserTec zu beobachten ist. Das Unternehmen stellte mit der ELC 6i eine standardisierte Laserschweißanlage vor, die den Platzbedarf um über 30 Prozent reduziert und Investitionskosten um bis zu 15 Prozent senkt.
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Effizienzsteigerung durch KI und automatisierte Inspektion
Neben der Hardware-Erweiterung spielt die Software-Integration, insbesondere durch künstliche Intelligenz (KI), eine entscheidende Rolle bei der Prozessoptimierung.
Eine Untersuchung von Lexware unter knapp 3.000 Kleinstunternehmen ergab, dass der Anteil der Firmen, die Prozesse mit KI automatisieren, von 16 Prozent im September 2025 auf 34 im August 2026 gestiegen ist. Ein Branchenkenner wies darauf hin, dass gerade Kleinstunternehmen von dieser Entwicklung profitieren könnten.
Praxisbeispiele belegen signifikante Effizienzgewinne:
* Rohstoffmanagement: Das Unternehmen Dorfner nutzt seit 2020 KI und konnte den Abbau von Roherde von rund einer Million Tonnen auf ein Drittel reduzieren.
Die Rezepturentwicklung verkürzte sich dabei von Monaten auf wenige Tage.
* Arbeitsvorbereitung: Fernau Präzisionstechnik senkte durch den Einsatz von 17 KI-Agenten die Auftragskosten in der Arbeitsvorbereitung von 5,14 Euro auf 6 Cent pro Vorgang.
* Produktionssteuerung: Sauder Woodworking steigerte die Produktivität um 40 Prozent und reduzierte Rüstzeiten von 19 Minuten auf 1:24 Minuten durch den Einsatz von KI-gestützten Systemen.
Auch im Bereich der Mess- und Steuerungstechnik setzen sich autonome Systeme durch. Davi präsentiert für Rundbiegemaschinen ein Lasermesssystem, dessen KI-Algorithmen die Oberflächenkrümmung auf Basis tausender Messpunkte pro Sekunde berechnen. Phoenix Contact bietet zudem hardwareunabhängige Steuerungen an, die Qualitätskontrollen mit Reaktionszeiten von weniger als 100 Millisekunden ermöglichen.
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Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass die Qualitätssicherung – wie sie Stratasys nun im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums vorantreibt – zunehmend zum integralen, automatisierten Bestandteil der gesamten industriellen Wertschöpfungskette wird.
