Prüfungen, Russland

KI in Prüfungen: Russland plant Abschaffung schriftlicher Diplomarbeiten

31.05.2026 - 05:39:08 | boerse-global.de

Bildungseinrichtungen reagieren auf steigende KI-Nutzung mit neuen Prüfungsformen und ethischen Richtlinien.

KI in Prüfungen: Russland plant Abschaffung schriftlicher Diplomarbeiten - Foto: über boerse-global.de
KI in Prüfungen: Russland plant Abschaffung schriftlicher Diplomarbeiten - Foto: über boerse-global.de

Die rasante Verbreitung generativer KI zwingt Bildungseinrichtungen weltweit zu einer grundlegenden Neubewertung ihrer Prüfungsstandards. Während einige Universitäten auf Verbote setzen, integrieren andere die Technologie proaktiv in ihre Curricula.

Russland: Abschaffung schriftlicher Diplomarbeiten?

Das russische Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung schlägt Alarm. Der Anteil KI-generierter Inhalte in Abschlussarbeiten stieg innerhalb von drei Jahren von 9 auf 42 Prozent. In den Fachbereichen Wirtschaft und IT liegen die Spitzenwerte sogar bei 60 Prozent.

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Die Konsequenz: Russland diskutiert die Abschaffung schriftlicher Diplomarbeiten zugunsten mündlicher Prüfungsformate. Ein radikaler Schritt, der zeigt, wie ernst die Lage ist.

Brasilien setzt auf Governance

Einen anderen Weg geht die PUC-SP in São Paulo. Die Universität gründete Ende Mai ein spezielles Governance-Komitee für KI. Unter der Leitung von Prof. Lucia Santaella sollen ethische Richtlinien und Offenlegungspflichten für KI-Nutzung erarbeitet werden.

Ähnliche Ansätze verfolgen die Universität von Ho-Chi-Minh-Stadt mit einer Plagiatsprüfung ab 20 Prozent Übereinstimmung sowie die indische JSS AHER, die auf proaktive Integration setzt.

Estland: Flächendeckende KI-Bildung

Estland geht mit dem Programm „AI Leap“ in die Offensive. Innerhalb von zwei Jahren sollen 48.000 Schüler und 6.700 Lehrkräfte im kritischen Umgang mit ChatGPT und Gemini geschult werden.

Finanziert wird das Vorhaben je zur Hälfte vom Staat und von Unternehmen wie OpenAI und Google. Ein Modell, das zeigt, wie Bildung und Industrie zusammenarbeiten können.

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KI in der Prüfung: Noch nicht reif für komplexe Fälle

Prof. Claus Koss von der OTH Regensburg testete einen Chatbot in einer Klausur für Bilanzierung und Steuerrecht. Das Ergebnis: Standardaufgaben bewältigte die KI, bei komplexen Sachverhalten lieferte sie jedoch inkorrekte Ergebnisse. Zudem war sie mit über zwei Stunden deutlich langsamer als menschliche Probanden.

In Vietnam warnte Bildungsminister Hoang Minh Son Ende Mai explizit vor KI-Betrug bei den Abiturprüfungen. In Da Nang wurden für die Prüfungen über 35.000 Kandidaten registriert – mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen.

An der kasachischen Yessenov University führten 1.248 identifizierte Verstöße gegen die akademische Integrität zu Disziplinarmaßnahmen und Exmatrikulationen.

Digitale Kluft wächst

Eine Untersuchung des DIPF, der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Paderborn belegt eine alarmierende Entwicklung. Der Kompetenzunterschied zwischen privilegierten und benachteiligten Schülern stieg zwischen 2013 und 2023 von 43 auf 66 Punkte.

Da bereits drei von vier Jugendlichen KI für Hausaufgaben nutzen, fordern Forscher eine gezielte Förderung und eine staatliche KI-Grundausstattung für Schulen.

Psychologische Folgen der KI-Nutzung

Experten beobachten ein wachsendes psychologisches Dilemma. Studierende verlieren zunehmend das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und vertrauen KI-Systemen mehr als ihrer eigenen Leistung – selbst wenn die Systeme bei komplexen Aufgaben versagen.

Ethische Probleme: Amnesty International schlägt Alarm

Amnesty International veröffentlichte Ende Mai den Bericht „Unlawful by Design“. Die Organisation stellt fest, dass führende Modelle wie GPT-3 und Llama auf illegalem Web-Scraping basieren und strukturell gegen Menschenrechte verstoßen.

Die ökologische Bilanz ist ebenfalls düster: Googles Emissionen stiegen seit 2019 um 48 Prozent, die von Microsoft zwischen 2020 und 2024 um 29 Prozent. Eine Studie der Organisation Aithos ergab zudem, dass selbst leistungsfähige Modelle wie Claude Opus 4.7 nur zu etwa 54 Prozent EU-rechtskonform sind.

Technologischer Fortschritt beim Datenschutz

Das Fraunhofer ISST und Fujitsu Research entwickelten im Mai das Verfahren des „Föderierten Unlearning“. Es ermöglicht Unternehmen, eigene Daten gezielt aus dezentralen KI-Modellen zu entfernen, ohne ein vollständiges Neutraining durchführen zu müssen.

Der KI-Wissenschaftler: Vollautomatische Forschung

Eine in Nature veröffentlichte Studie über „The AI Scientist“ zeigt, wohin die Reise geht. Das System von Sakana AI, der UBC und der University of Oxford führt den gesamten Forschungsprozess autonom durch – von der Hypothesenbildung bis zum fertigen Manuskript.

In Tests erzielten die generierten Arbeiten im Peer-Review einen Score von 6,33 von 10 Punkten. Damit schnitten sie besser ab als 55 Prozent der von Menschen eingereichten Beiträge. Die Autoren warnen jedoch vor einer drohenden Überlastung des Peer-Review-Systems durch die Masse an KI-generierten Publikationen.

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