SchriftsÀtzen, BAG

KI in SchriftsĂ€tzen: BAG macht AnwĂ€lte fĂŒr erfundene Urteile verantwortlich

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 11:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Gericht verlangt eine eigenstĂ€ndige PrĂŒfung juristischer SchriftsĂ€tze und weist die Verantwortung fĂŒr KI-Ergebnisse den Nutzern zu.
Ein leerer Gerichtssaal mit hölzernen Sitzreihen und Richterpult in gedĂ€mpftem, natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Das Bundesarbeitsgericht hat den Einsatz fehlerhafter und nicht existierender Rechtsprechungszitate in juristischen SchriftsĂ€tzen scharf sanktioniert. In einem Beschluss vom 30. September 2026 (Az. 2 AZN 339/26) stellte das Gericht klar, dass das Zitieren frei erfundener Urteile zur UnzulĂ€ssigkeit einer Nichtzulassungsbeschwerde fĂŒhrt.

Das Vorbringen gefĂ€lschter oder halluzinierter Entscheidungen werte das Gericht als klares Indiz dafĂŒr, dass der Schriftsatz vor dem Einreichen nicht eigenstĂ€ndig geprĂŒft worden sei, wie am 29. Oktober 2026 berichtet wurde.

Zwar schließt das Bundesarbeitsgericht die Nutzung von Werkzeugen mit kĂŒnstlicher Intelligenz zur Vorbereitung gerichtlicher Dokumente nicht grundsĂ€tzlich aus, betont jedoch, dass die fachliche Verantwortung vollstĂ€ndig beim Verwender verbleibe.

Eine anwaltliche Haftung bestehe auch fĂŒr fehlerhafte Ergebnisse automatisierter Systeme. Rechtsexperten verweisen in diesem Zusammenhang auf die strengen anwaltlichen PrĂŒfpflichten vor der Weitergabe an Mandanten oder Gerichte gemĂ€ĂŸ Paragraf 43a Absatz 2 und 3 der Bundesrechtsanwaltsordnung.

Klare RĂŒge nach VorfĂ€llen an Berliner Gerichten

Die Entscheidung der Erfurter Bundesrichter folgt auf vorangegangene VorfĂ€lle in der deutschen Justiz. Bereits im Vorjahr hatte das Kammergericht Berlin eine RechtsanwĂ€ltin gerĂŒgt, nachdem diese SchriftsĂ€tze mit erfundenen Rechtsprechungszitaten vorgelegt hatte. Mit dem Beschluss des Bundesarbeitsgerichts liegt nun eine höchstrichterliche Feststellung vor, die den verfahrensrechtlichen Konsequenzen solcher NachlĂ€ssigkeiten klare Grenzen setzt.

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Dass Gerichte zunehmend mit derartigen FĂ€llen konfrontiert sind, zeigt auch eine Entscheidung des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs vom 23. September 2026 (Az. Vf. 9-VI-25). In einem Sorgerechtsstreit blieb die Verfassungsbeschwerde eines Vaters erfolglos, dem das Gericht zudem eine GebĂŒhr von 3.000 Euro auferlegte.

Der KlĂ€ger hatte angebliche Gerichtsentscheidungen mit konkretem Datum und Aktenzeichen angefĂŒhrt, die in Wirklichkeit entweder ĂŒberhaupt nicht existierten oder völlig andere Rechtsfragen betrafen. Das Verfahren hatte zuvor bereits das Amtsgericht Regensburg am 24. April 2024, das Oberlandesgericht NĂŒrnberg am 30. September 2024 sowie eine AnhörungsrĂŒge vom 21. November 2024 durchlaufen.

Der Bayerische Verfassungsgerichtshof vermutete zwar, dass die Zitate durch halluzinierende Sprachmodelle entstanden sein könnten, traf dazu jedoch keine gesonderte Feststellung und benannte kein konkretes System. Die Beschwerde scheiterte letztlich an einer unzureichenden BegrĂŒndung und verspĂ€tetem Vortrag.

Wachsende Belastung an den Arbeitsgerichten

Die Justiz beobachtet derweil mit wachsender Sorge, wie automatisierte Texterstellung den Gerichtsalltag beeinflusst. Insbesondere an den Arbeitsgerichten im SĂŒdwesten Deutschlands verzeichnen die Kammern massiv gestiegene Eingangszahlen infolge der wirtschaftlichen Lage, Betriebsentlassungen und Stellenstreichungen. Dies fĂŒhrt zu spĂŒrbar lĂ€ngeren Verfahrensdauern und Wartezeiten fĂŒr KlĂ€ger und Beklagte.

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Erschwert wird die gerichtliche Arbeit zunehmend durch Parteien, die SchriftsĂ€tze mithilfe von Sprachmodellen verfassen. Berichten zufolge fallen KlĂ€ger ohne juristischen Hintergrund immer wieder auf plausible, aber inhaltlich unzutreffende Behauptungen solcher Programme herein. Dies fĂŒhre zu unrealistischen Prozesserwartungen und berge fĂŒr die Beteiligten erhebliche wirtschaftliche Kostenrisiken, wenn die darauf gestĂŒtzten Rechtsmittel an den formalen Vorgaben der Gerichte scheitern.

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