KI-Klage, Microsoft

KI-Klage: Microsoft und OpenAI umgingen Bezahlschranken gezielt

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 12:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gerichtsunterlagen zeigen mögliche Bezahlschranken-Umgehungen und starke Klickverluste für Verlage durch Microsofts Copilot.

US-Medien verklagen Microsoft und OpenAI wegen KI-Training
Ein leerer, moderner Gerichtssaal mit polierten Holzbänken und Richterpult in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Am 17. September 2026 haben mehrere namhafte US-Medienunternehmen eine öffentlich einsehbare Fassung ihres Antrags auf ein summarisches Urteil beim Bundesbezirksgericht für den südlichen Distrikt von New York eingereicht.

Zu den Klägern in dem Verfahren unter Richter Sidney H. Stein und dem Aktenzeichen 25-md-3143 gehören The New York Times, Daily News, Ziff Davis, The Intercept sowie das Center for Investigative Reporting. Neu entsiegelte Dokumente aus dem Verfahren belasten Microsoft und OpenAI schwer.

Den Unterlagen zufolge war beiden Unternehmen bewusst, dass ihre KI-Systeme eine existenzielle Bedrohung für journalistische Angebote darstellen, während sie zugleich Schutzmechanismen wie Bezahlschranken aktiv umgingen.

Einbrüche beim Datenverkehr und interne Warnungen

Interne Daten der Suchmaschine Bing belegen erhebliche Einbrüche beim Nutzerverkehr für Nachrichtenanbieter. Demnach reduzierte der Microsoft-Assistent Copilot die Klickraten auf Webseiten von Verlagen um bis zu 94 Prozent. Bei Inhalten der New York Times lag der Klickverlust zwischen 87 und 93 Prozent, während Angebote von Ziff Davis Einbußen zwischen 51 und 94 Prozent verzeichneten.

Innerhalb von Microsoft wurden die Praktiken der Branche intern scharf kritisiert. Im Januar 2023 bezeichnete Brent Hecht, Director of Applied Science bei Microsoft, die Nutzung urheberrechtlich geschützter Inhalte in einem internen Vermerk als beispiellosen Diebstahl von erstaunlichem Ausmaß sowie als größte Enteignung von menschlicher Arbeitsleistung in der Geschichte.

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Zudem warnte Hecht in einem internen Dokument vor einer verhängnisvollen Abwärtsspirale durch die Content-Strategie, welche die Leistungsfähigkeit der Modelle sowie das gesamte Web nachhaltig schädige.

Gezielte Umgehung von Bezahlschranken und massive Datensätze

Die Gerichtsakten belegen zudem das Vorgehen bei OpenAI. Der Forscher Nick Ryder informierte Mitgründer Greg Brockman über eine Methode zur Umgehung der Bezahlschranke der New York Times, woraufhin Brockman dies erfreut zur Kenntnis nahm. Nach Angaben der Kläger trainierte OpenAI seine Modelle auf 3,9 Millionen Kopien von Times-Inhalten.

Über 91.000 Artikel des Mediums befanden sich direkt in den Trainingsdatensätzen. Zudem umfasste das Datenmaterial rund 1,8 Millionen Texte von Drittanbietern, die ausdrücklich mit einer Klausel gegen eine kommerzielle Nutzung versehen waren.

Aussagen von Führungskräften stützen die Vorwürfe der Medienhäuser. ChatGPT-Leiter Nick Turley hielt intern fest, dass die Modelle die Originalinhalte weitgehend ersetzen.

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Auch Microsoft-Chef Satya Nadella räumte in einer Aussage ein, dass Chatbots Originalquellen verdrängen und Informationen direkt auf der eigenen Plattform bereitstellen, anstatt Besucher zu den Verlagen weiterzuleiten. Nadella erklärte, er hätte OpenAI zu einem erneuten Training ohne diese Daten verpflichtet, falls er vom Auslesen hinter Bezahlschranken gewusst hätte.

Streit um die faire Nutzung

Sowohl Microsoft als auch OpenAI fürchteten intern eine verhängnisvolle Spirale im Verlagswesen. Der dauerhafte Verlust von Leserschaft führe demnach zu einem Rückgang originärer Recherchen, was letztlich die Qualität künftiger Trainingsdaten mindere.

Juristisch berufen sich beide Konzerne auf das Rechtsprinzip der fairen Nutzung. Die New York Times hatte Microsoft und OpenAI im Dezember 2023 wegen der unbefugten Verwertung urheberrechtlich geschützter Artikel für das KI-Training verklagt.

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