KI-Rechenzentren: Texas-Gouverneur fordert Verbot nach Widerstands-Welle
Veröffentlicht: 01.07.2026 um 11:38 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ein Joint Venture mit OpenAI und Oracle treibt den Bau eines riesigen KI-Rechenzentrums voran – doch der Widerstand wächst.
Der US-amerikanische Betreiber Vantage Data Centers hat Bauanträge für einen gigantischen KI-Campus nahe der texanischen Stadt Abilene eingereicht. Das als "Frontier" bekannte Projekt umfasst Investitionen von umgerechnet rund 23 Milliarden Euro und ist ein zentraler Baustein der 500-Milliarden-Dollar-Initiative "Stargate". Auf einer Fläche von knapp 500 Hektar sollen zehn einzelne Rechenzentren entstehen. Die Betreiber versprechen mehr als 5.000 neue Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region.
Der Schritt unterstreicht den massiven Investitionsdruck, unter dem große Technologiekonzerne stehen. Die Nachfrage nach Rechenleistung für Künstliche Intelligenz treibt den Bau immer neuer Anlagen voran – doch die Expansion stößt zunehmend auf politische und gesellschaftliche Widerstände.
Neue Hürden aus der Politik
Ausgerechnet der texanische Gouverneur Greg Abbott, der den Bundesstaat zuvor als "Epizentrum der KI-Entwicklung" bezeichnet hatte, bremst nun. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bullard forderte Abbott am 30. Juni ein Verbot neuer Rechenzentren im ländlichen Texas. Künftige Projekte müssten strengere Auflagen erfüllen.
Der Republikaner verlangt unter anderem, dass die Anlagen ihren Strom selbst erzeugen und Wasseraufbereitungstechnologien einsetzen. Zudem schwebt ihm die Abschaffung von Steuererleichterungen für solche Einrichtungen vor. Die Kehrtwende kommt nicht von ungefähr: Aktuelle Umfragen zeigen, dass 62 Prozent der ländlichen Bevölkerung in Texas den Bau von Rechenzentren in ihrer Nachbarschaft ablehnen.
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Erste Kommunen ziehen die Notbremse
Der lokale Widerstand zeigt bereits Wirkung. Der Stadtrat von San Marcos stimmte am 16. Juni mit 4:3 Stimmen für ein Verbot von Rechenzentren im Stadtgebiet. Die Begründung: exorbitanter Wasser- und Energieverbrauch. Doch dieser Beschluss könnte vor Gericht landen. Der einflussreiche Senator Paul Bettencourt kündigte an, das Votum mit bestehenden Landesgesetzen anzufechten – darunter das umstrittene "Death Star Law" von 2023, das kommunale Regelungen für Unternehmen stark einschränkt.
Branchenzahlen zeigen, dass fast die Hälfte der 248 geplanten Rechenzentren in Texas auf nicht eingemeindeten Flächen entstehen soll. Dort gelten meist geringere Auflagen als innerhalb von Stadtgrenzen.
Weitere Großprojekte und wachsende Kritik
Der Frontier-Campus ist kein Einzelfall. In Hubbard, Texas, beantragte Nexus Data Centers kürzlich eine 400-Millionen-Dollar-Anlage mit einer Fläche von rund 46.500 Quadratmetern. Das mit Anthropic und Google verbundene Projekt sieht ein eigenes Gaskraftwerk mit über 612 Megawatt Leistung vor.
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Die Investitionswelle hat internationale Dimensionen. So weiteten Brookfield und Bloom Energy ihre Partnerschaft auf umgerechnet 23 Milliarden Euro aus, um schnelle Stromlösungen für KI-Projekte zu finanzieren. Doch prominente Stimmen warnen vor den Folgen. Der Investor und Milliardär Mark Cuban kritisierte am 25. Juni, die öffentliche Ablehnung rühre von der Konzentration von Reichtum her. Er forderte KI-Unternehmen auf, direkt in die Gemeinden zu investieren, in denen sie bauen.
Marktforscher melden zudem erhebliche Hindernisse: Im ersten Quartal 2026 wurden rund 75 Projekte im Wert von insgesamt 130 Milliarden Euro blockiert oder verzögert. Als Ausweg denken Unternehmen wie SpaceX bereits über orbitale Rechenzentren nach – um Land- und Kühlungsprobleme zu umgehen. Branchenkenner bezweifeln jedoch die Wirtschaftlichkeit solcher Satellitenlösungen.
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