KI-Robotik: Schaeffler will 83 Fertigungsstandorte teilautonom machen
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deIndustrieunternehmen wie Trumpf, Schaeffler und ABB verstärken den Einsatz von Softwareplattformen auf Basis künstlicher Intelligenz. Ziel der Initiativen ist es, die funktionale Autonomie von Industrie- und Montagerobotern spürbar zu erhöhen und gleichzeitig die Kosten für Automatisierungsprozesse in der Fertigung nachhaltig zu senken.
Intelligente Gesamtsysteme und Simulation bei Trumpf und Schaeffler
Der Ditzinger Laserspezialist Trumpf fokussiert sich auf KI-gestützte Robotik-Gesamtsysteme, um im Wettbewerb mit chinesischen Konkurrenten zu bestehen. Obwohl die Robotik nicht zum originären Kerngeschäft des Konzerns gehört, sollen damit bestehende Blechbearbeitungsmaschinen zu vernetzten Systemen erweitert werden.
Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler aus Herzogenaurach kooperiert im Bereich der physischen KI mit dem Softwareunternehmen Wandelbots. Als gemeinsame Plattform für Tests und den Rollout von Roboteranwendungen im globalen Fertigungsnetzwerk von Schaeffler dient Wandelbots NOVA.
Ergänzend plant Schaeffler eine Bibliothek für Roboterfähigkeiten, um erprobte Anwendungen zwischen verschiedenen Werken zu übertragen. Für die dafür erforderlichen Simulationen greift das Unternehmen auf Nvidia Omniverse und Isaac Sim zurück.
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Nach Unternehmensangaben sollen sich die Automatisierungskosten über die gesamte Systemlebensdauer um bis zu 40 Prozent verringern; eine unabhängige Bestätigung sowie finanzielle Details und Zeitpläne liegen hierzu nicht vor.
Bereits im Oktober 2026 eröffnete Schaeffler einen Standort in China, an dem sechs humanoide Roboter Komponenten für andere Robotersysteme montieren. Zudem beteiligt sich Schaeffler an dem Software-Start-up up2parts, bei dem auch Sandvik als Investor einsteigt und Thomas Krämer als Co-CEO fungiert, um cloud-basierte Lösungen zur Automatisierung zu etablieren. Insgesamt beabsichtigt Schaeffler, 83 Fertigungsstandorte in semi-autonome Fabriken umzuwandeln.
ABB erweitert Sensorik- und Bildverarbeitungslösungen
ABB Robotics setzt ebenfalls verstärkt auf KI-basierte Plattformen und erweitert das System OmniCore EyeMotion um ein Softwarewerkzeug namens AI Robot Trainer. Das Tool ermöglicht das Trainieren und Optimieren von Bildverarbeitungssystemen ohne tiefgehendes Expertenwissen.
Nach Unternehmensangaben lassen sich damit Inbetriebnahmezeiten um bis zu 90 Prozent und Zykluszeiten um bis zu 50 Prozent reduzieren. Das herstellerunabhängige System ist für Greif-, Sortier- und Montageaufgaben ausgelegt. Marc Segura, Präsident von ABB Robotics, betonte, dass der Einsatz physischer KI die Einsatzmöglichkeiten von Industrierobotern grundlegend verändere.
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Für die Mode- und Bekleidungslogistik stellte ABB zudem eine kombinierte Lösung vor, die den Einrichtungsaufwand um bis zu 75 Prozent verringern soll. Die Anlage erreicht einen Durchsatz von bis zu 1.300 Artikeln pro Stunde bei einer Greifgenauigkeit von über 99,5 Prozent.
Auf der Industriemesse CIIF in Shanghai präsentierte der Hersteller zudem die Roboterbaureihe IRB 1700 mit Traglasten zwischen 6 und 12 Kilogramm sowie einer Wiederholgenauigkeit von 0,03 Millimetern. Die geplante Übernahme der Robotiksparte durch SoftBank im Volumen von 5,375 Milliarden US-Dollar liege nach Angaben von ABB China im vorgesehenen Zeitplan.
Kooperationen rund um digitale Zwillinge
Neben ABB treiben weitere Branchenakteure simulationsgestützte Ansätze voran. Festo integriert digitale Zwillinge eines dreiachsigen Handlingsystems in die Simulationsumgebung ABB RobotStudio und koppelt diese mit Nvidia Omniverse für physikbasierte Tests.
Festo-Vorstand Tomas Smetana bezeichnete die Nutzung von Nvidias Simulationswerkzeugen als wichtigen Meilenstein für den Abgleich virtueller Modelle mit realen Daten. Auch spezialisierte Anbieter wie Trener Robotics mit der Software Acteris für CNC-Maschinen oder das Schweizer Unternehmen AICA nutzen KI-Plattformen, um den Programmieraufwand hochvariabler Fertigungsaufgaben deutlich zu reduzieren.
