KI-Schulungen ab Juli: 1.000 Mitarbeiter in Südkorea kostenlos geschult
Veröffentlicht: 01.07.2026 um 22:21 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Bildungseinrichtungen, Regierungen und Berufsverbände starten im Juli eine Reihe von Rahmenwerken und Schulungsinitiativen. Ziel ist es, die wachsende Kluft zwischen reiner KI-Nutzung und technischem Verständnis zu schließen.
Aktuelle Daten zeigen eine beinahe flächendeckende Nutzung generativer KI-Tools unter jungen Menschen. Die Akteure setzen daher nicht mehr nur auf Zugang, sondern auf „KI-Fluency" – ein tieferes Verständnis für Anwendung und kritische Prüfung.
EU und OECD legen globalen Standard vor
Ein gemeinsames Rahmenwerk der Europäischen Kommission und der OECD hat einen globalen Standard für KI-Kompetenz eingeführt. Hintergrund sind alarmierende Zahlen: Rund 88 Prozent der 13- bis 15-Jährigen und 96 Prozent der 16- bis 18-Jährigen in Europa nutzen KI-Tools wöchentlich. Trotz dieser hohen Nutzungsrate glauben 63 Prozent der befragten Europäer, dass allgemeine KI-Kompetenz bis 2030 erreicht sein muss.
Die Mapúa Education Group auf den Philippinen kündigte Ende Juni eine gruppenweite KI-Fluency-Strategie für das Schuljahr 2026/2027 an. Entwickelt in Zusammenarbeit mit der Arizona State University, unterscheidet die Strategie zwischen grundlegender „Literacy" und „Fluency", die auf praktische Anwendung abzielt. Das Rahmenwerk sieht prozessbasierte Bewertungen vor, die Aufgaben in drei Kategorien einteilt: KI-verboten, KI-unterstützt oder KI-integriert.
Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Pädagogen auf der ISTE-Konferenz in Orlando warnten Ende Juni davor, dass viele Schüler KI-Ergebnisse als inhärent autoritativ betrachten. Die Experten plädierten für die Integration von Überprüfungsmethoden wie der SIFT-Technik, um Schülern zu helfen, synthetische Fehlinformationen zu erkennen.
Digitale Selbstwirksamkeit als Schlüsselfaktor
Eine Studie, die Ende Juni in Scientific Reports veröffentlicht wurde, identifizierte digitale Selbstwirksamkeit als den wichtigsten Treiber für Lerneffektivität im KI-Zeitalter. Die Forscher fanden heraus, dass kognitives Engagement als Vermittler zwischen der digitalen Einstellung eines Schülers und seinen tatsächlichen Lernergebnissen fungiert.
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Das GenAI4PC-Projekt der Universität Paderborn untersuchte zudem, wie generative KI die Kreativität beeinflusst. Dabei kamen Demonstratoren für Spielerstellung und Lernunterstützung zum Einsatz, um die spezifischen Bedingungen zu ermitteln, unter denen KI kreative Prozesse fördert – oder behindert.
Kritische Stimmen gibt es jedoch auch. Einige Akademiker, insbesondere in Australien, äußerten Bedenken hinsichtlich einer „Verkorporatisierung" der Universitäten. Sie befürchten, dass eine übermäßige Abhängigkeit von generativer KI den Niedergang des kritischen Denkens beschleunigen könnte, indem intellektuelle Aufgaben an undurchsichtige Algorithmen ausgelagert werden.
Berufliche Weiterbildung: Von Seoul bis zur Oberpfalz
Am 1. Juli starteten mehrere Organisationen groß angelegte Schulungsprogramme, um neuen regulatorischen und operativen Anforderungen gerecht zu werden. In Südkorea öffnete die Small Business Agency (KOSME) die Bewerbungsphase für kostenlose KI-Schulungen für 1.000 Mitarbeiter kleiner Unternehmen – mit Schwerpunkt auf praktischen Anwendungen und Arbeitssicherheit.
Parallel dazu führte VdS ein webbasiertes Schulungsprogramm ein, das die Anforderungen des Artikels 4 des EU AI Acts erfüllt. Der 45-minütige Kurs konzentriert sich auf Funktionsweise, Risiken und rechtliche Rahmenbedingungen der KI für Unternehmensmitarbeiter.
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In der Schweiz versammelten sich am 1. Juli mehr als 140 Teilnehmer auf der ISSX IT-Security Swiss Conference, um über KI-Governance, Compliance und digitale Souveränität zu diskutieren.
Auch regionale Initiativen fokussierten sich auf industrielle Anwendungen. Bei einem Netzwerktreffen in Regen demonstrierten Experten, wie Maschinendaten für vorausschauende Wartung und Fehlererkennung genutzt werden. In Oman organisierte der Shura-Rat einen Vortrag über die Rolle der KI in der Finanzprüfung und Risikovorhersage im Rahmen der Oman Vision 2040-Initiative.
Medienkonsum im Wandel: Nur 4 Prozent klicken auf KI-Empfehlungen
Ein Bericht des Reuters Institute, basierend auf einer Umfrage unter rund 100.000 Nachrichtenlesern in 45 Märkten, zeigt, dass KI die Art und Weise, wie das Publikum mit Informationen interagiert, grundlegend verändert. Nur 4 Prozent der Leser klicken regelmäßig auf KI-empfohlene Nachrichtenquellen. Dagegen stellen 42 Prozent lieber Folgefragen an Chatbots, und 34 Prozent nutzen KI, um Nachrichtenartikel zusammenzufassen.
Innerhalb der Journalistenbranche ergab eine Umfrage unter 71 Journalisten in Montenegro, dass zwar knapp 55 Prozent KI regelmäßig für Recherche, Korrekturlesen und Übersetzung nutzen – die Mehrheit jedoch ohne formale redaktionelle Richtlinien arbeitet. Mehr als ein Drittel dieser Journalisten äußerte zudem die Sorge, dass ihre Arbeit ohne ihre Zustimmung zum Training von KI-Modellen verwendet wird.
Rechtliche und ethische Aufsicht: Neue Regeln für Anwälte
Die rechtlichen Rahmenbedingungen beginnen, mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Der Oberste Gerichtshof von New Jersey aktualisierte kürzlich vorläufige Richtlinien für Anwälte – die erste landesweite gerichtsseitige Anleitung dieser Art. Die Regeln verlangen, dass Anwälte KI-generierte Arbeit eigenständig überprüfen, algorithmische Verzerrungen ansprechen und die Vertraulichkeit von Mandanten wahren. Eine Offenlegung der KI-Nutzung in allen Gerichtsdokumenten ist jedoch nicht vorgeschrieben.
Im akademischen Bereich betonte Bildungsministerin Sakeena Itoo die Notwendigkeit ethischer Verantwortung während eines Workshops zur digitalen Bereitschaft an der Universität von Kaschmir. Der Workshop, der in Zusammenarbeit mit Intel stattfand, forderte akademische Führungskräfte auf, Transparenz und Rechenschaftspflicht zu priorisieren, während sie KI in die institutionelle Führung integrieren.
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