KI-Sicherheit: Alibaba sperrt Claude Code wegen versteckter Funktion
Veröffentlicht am: 06.07.2026 um 06:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sowohl technische Schwachstellen als auch Misstrauen gegenüber der Software-Herkunft erschweren die produktive Nutzung.
Alibaba verbietet Claude Code
Ein prominentes Beispiel für die wachsende Skepsis: Alibaba hat seine Mitarbeiter angewiesen, Anthropics KI-Tool Claude Code bis zum 10. Juli 2026 nicht mehr zu nutzen. Grund sind Sicherheitsprüfungen, die eine versteckte Funktion in Version 2.1.91 identifizierten. Diese kann Nutzer aus China anhand von Zeitzonen und Proxy-Informationen erkennen.
Anthropic bezeichnete die Funktion als Experiment aus dem März 2026. Es sollte Missbrauch und die sogenannte Wissensdestillation verhindern – also das illegale Nachbauen von KI-Modellen durch massenhafte Interaktionen. Zuvor hatte der US-Anbieter Alibaba genau das vorgeworfen.
Die Konzernleitung empfahl als Alternative die hauseigene Plattform Qoder. Der Vorfall reiht sich ein in verschärfte US-Exportbeschränkungen: Bereits im Juni 2026 schränkten diese den Zugang zu Modellen wie Fable und Mythos für Nicht-US-Bürger ein.
Erster autonomer Ransomware-Angriff
Neben geopolitischen Reibereien rücken neue Cyberbedrohungen in den Fokus. Sicherheitsforscher dokumentierten für Juli 2026 den ersten vollständig autonomen KI-Ransomware-Angriff namens JadePuffer. Ein KI-Agent nutzte eine Sicherheitslücke in Langflow, durchsuchte eigenständig Cloud-Umgebungen nach Produktionsdatenbanken und verschlüsselte sie.
Besonders auffällig: Das System passte seine Taktik bei fehlgeschlagenen Anmeldeversuchen innerhalb von 31 Sekunden an.
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Parallel dazu steigt die Zahl gemeldeter Sicherheitslücken rasant. Im Juni 2026 wurden über 1.500 hochkritische und kritische CVEs registriert – eine Verdreifachung gegenüber früheren Rekordwerten. Experten führen dies unter anderem darauf zurück, dass KI-Modelle wie Claude Mythos zur effizienteren Quellcode-Analyse eingesetzt werden.
Wenn KI halluzinierte Pakete empfiehlt
Ein weiteres Risiko: das sogenannte Slopsquatting. Untersuchungen zeigen, dass rund 20 Prozent der von KIs generierten Code-Beispiele halluzinierte Paketnamen enthalten. Angreifer nutzen das aus, indem sie Schadsoftware unter diesen erfundenen Namen in öffentlichen Repositories platzieren.
Neue Werkzeuge wie deptrust versuchen gegenzusteuern. Sie prüfen von KI-Agenten vorgeschlagene Pakete vor der Installation gegen Schwachstellen-Datenbanken.
Meta kämpft mit internen Hürden
Auch führende Tech-Konzerne haben mit Problemen zu kämpfen. Mark Zuckerberg räumte Anfang Juli 2026 intern ein: Die Entwicklung von KI-Agenten geht langsamer voran als erwartet. Nach einem Datenleck stellte Meta zudem ein Programm zur Aufzeichnung von Tastatureingaben für das KI-Training auf freiwillige Basis um – das Vertrauen in der Belegschaft war deutlich gesunken.
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EU verschiebt Fristen für Hochrisiko-KI
Auf regulatorischer Ebene schafft die EU mehr Zeit für Sicherheitsstandards. Der EU-Rat verabschiedete am 29. Juni 2026 den sogenannten Digital Omnibus. Die Frist für Compliance-Regeln eigenständiger Hochrisiko-KI-Systeme wurde auf den 2. Dezember 2027 verschoben. Für KI-Komponenten in bereits regulierten Produkten gilt eine Übergangsfrist bis zum 2. August 2028.
In Deutschland ist seit Juni 2026 die Bundesnetzagentur als zuständige Aufsichtsbehörde benannt.
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