KI-Skalierung scheitert: 95% der Pilotprojekte bringen keinen Gewinn
Veröffentlicht: 06.07.2026 um 14:44 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Künstliche Intelligenz gilt als Gamechanger – doch die große Mehrheit der Firmen kommt über Pilotprojekte nicht hinaus.
Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zeigt: 62 Prozent der Unternehmen erwarten tiefgreifende Veränderungen durch KI, aber nur 38 Prozent haben überhaupt mit einer strukturierten Transformation begonnen. Das größte Problem? Die Führungsetagen sind schlichtweg nicht bereit.
Führung und Struktur: Die größten Hindernisse
Die am heutigen Montag veröffentlichte Roland-Berger-Umfrage unter 472 Führungskräften weltweit offenbart ein erschreckendes Bild: 59 Prozent der Befragten geben zu, dass ihre Managementteams nicht auf den KI-Wandel vorbereitet sind. Zudem zweifeln 42 Prozent an den aktuellen Governance-Strukturen ihrer Organisationen.
Die Zahlen anderer Marktforscher untermauern diesen Trend. Laut McKinsey schaffen es weniger als 30 Prozent aller KI-Pilotprojekte überhaupt in den regulären Betrieb. Andere Analysten gehen sogar davon aus, dass nur sieben Prozent der Organisationen KI-Lösungen vollständig im Einsatz haben. Das Problem: Viele Pilotprojekte sind für kontrollierte Umgebungen konzipiert – nicht für die raue Realität des Geschäftsalltags.
Veraltete Infrastruktur bremst aus
Ein zentrales Hindernis für die Skalierung von KI ist die veraltete IT-Infrastruktur. Eine heute veröffentlichte Tata-Communications-Studie zeigt: 65 Prozent der Unternehmen arbeiten noch mit Legacy-Systemen, die nie für die spezifischen Anforderungen von KI entwickelt wurden. Diese veralteten Netzwerke verursachen Latenzprobleme – während KI-Verkehr deterministische Leistung und elastische Skalierbarkeit benötigt.
Besonders deutlich wird das in Schwellenländern wie den Philippinen. Dort zeigen sich CEOs zwar optimistisch, doch viele Firmen sind weiterhin auf Systeme wie den AS/400 angewiesen. Die Regierung arbeitet zwar an einer nationalen KI-Strategie für 2028, doch Infrastruktur und Fachkräftemangel bleiben akute Probleme. In Singapur haben immerhin 37 Prozent der Organisationen KI über mehrere Bereiche skaliert – doch 33 Prozent nennen die Integration alter Systeme als Haupthindernis.
Der Kampf um die besten Köpfe
Die Nachfrage nach KI-Experten wächst jährlich um 81 Prozent – doch die Unternehmen tun sich schwer, die benötigten Talente zu finden. Eine KPMG-Umfrage aus dem ersten Quartal 2026 verzeichnet einen Anstieg von 148 Prozent bei Führungskräften, die Qualifikationslücken als Hindernis nennen – im Vergleich zum Vorquartal.
Die Zahlen sind ernüchternd: Laut einer aktuellen upGrad-Rekrut-Studie mit über 11.000 Führungskräften haben nur acht Prozent der Organisationen KI-Kompetenz als zwingendes Einstellungskriterium definiert. Dabei wird sich der Bedarf an solchen Fachkräften bis 2027 voraussichtlich verdoppeln.
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Doch es geht nicht nur um Neueinstellungen. KI verändert auch die Arbeit bestehender Mitarbeiter grundlegend. Eine NTT-DATA-Studie zeigt: KI-Vorreiter setzen zunehmend auf „Expert-First-KI" – Technologie, die Fachkräfte unterstützt statt ersetzt. Die Kehrseite: KI erhöht die kognitive Belastung und eliminiert natürliche Pausen. Die Folge: ein Anstieg der mentalen Erschöpfung um zwölf Prozent.
Die Kosten explodieren
Wenn Unternehmen KI skalieren wollen, werden die finanziellen Realitäten schmerzhaft deutlich. Hohe Token-Nutzung treibt die Kosten weit über die ursprünglichen Prognosen. Ein Beispiel aus dem Gesundheitssektor: Die monatlichen Token-Kosten stiegen um fast zehn Prozent – bis die jährlichen Ausgaben die Marke von sechs Millionen Euro überschritten. Selbst große Technologiekonzerne spüren den Druck: Einige Firmen haben ihre jährlichen KI-Coding-Budgets innerhalb weniger Monate aufgebraucht.
Die Reaktion der großen Technologieanbieter: Sie gehen in die Offensive. Microsoft kündigte am 2. Juli die „Frontier Company"-Initiative an – eine Investition von 2,5 Milliarden Euro, um 6.000 Ingenieure direkt in die Unternehmen zu bringen. Zu den ersten Kunden gehören Unilever, Novo Nordisk und Land O'Lakes. Der Hintergrund: Bis zu 95 Prozent aller KI-Pilotprojekte haben bisher keinen messbaren wirtschaftlichen Wert geliefert.
Neue Risiken durch autonome KI
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Während Unternehmen auf immer autonomere KI-Systeme setzen, entstehen neue Gefahren. Ein aktueller Bericht von Commvault und Omdia zeigt: In asiatischen Märkten testen oder implementieren bereits über ein Drittel der Organisationen KI-Agenten. Weltweit übersteigen nicht-menschliche Identitäten mittlerweile menschliche im Verhältnis 82 zu 1.
Doch die Sicherheitsvorkehrungen hinken hinterher: Nur 34 Prozent der Organisationen haben ihre Cyber-Resilienz-Planung auf diese nicht-menschlichen Entitäten ausgeweitet. Ein gefährliches Sicherheitsrisiko im Wettlauf um die Automatisierung – denn während die Unternehmen die Chancen der KI nutzen wollen, vergessen sie allzu oft die Risiken.
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