KI-Training: 12 Millionen Songs ohne Genehmigung genutzt
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 06:26 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Musiker und Autoren fordern Schutz vor unerlaubter Datennutzung durch Künstliche Intelligenz.
Hochkarätige australische Musiker und Schriftsteller versammelten sich am 11. Juli 2026 vor dem Parlament in Canberra. Ihr Ziel: gegen geplante Änderungen des Urheberrechts protestieren, die es KI-Unternehmen erlauben würden, kreative Werke ohne direkte Genehmigung oder Vergütung zu nutzen. Die Proteste fallen in eine Zeit heftiger interner Debatten innerhalb der Labour-Regierung. Streitpunkt ist, ob Tech-Giganten Ausnahmen im Urheberrecht erhalten sollen, um massive Investitionen in lokale Rechenzentren zu sichern.
Minister streiten über den richtigen Kurs
Die australische Regierung ist tief gespalten, wie sie mit Künstlicher Intelligenz umgehen soll. Der stellvertretende Technologieminister Andrew Charlton und Senator Tim Ayres befürworten eine Politik, die KI-Investitionen bevorzugt. Sie verweisen auf das Potenzial für Milliardengewinne. Hintergrund sind Berichte über einen möglichen Datencenter-Deal im Wert von 50 Milliarden Dollar, den Senator David Pocock nach Hinweisen von Whistleblowern öffentlich gemacht hatte.
Ganz anders die Position von Generalstaatsanwältin Michelle Rowland und Kulturminister Tony Burke: Sie stellen sich schützend vor die Kreativbranche. Rowland hat bereits Gespräche über ein bezahltes Lizenzmodell eingeleitet. Industrieminister Ed Husic warnt davor, übereilte Entscheidungen zu treffen oder den Forderungen großer Technologiekonzerne nachzugeben. Premierminister Anthony Albanese, der für die Woche ab dem 11. Juli 2026 eine Grundsatzrede zum Thema KI angekündigt hat, sprach sich bereits im vergangenen Jahr für eine angemessene Vergütung von Kreativen aus und lehnte eine Aufweichung des Urheberrechts ab.
Bedrohung für die Musikindustrie
Die Sorgen der Kreativbranche sind nicht aus der Luft gegriffen. Ermittlungen haben eine Datenbank mit 12 Millionen Songs zutage gefördert, die zum Training generativer KI-Modelle genutzt wurde. Darunter finden sich Werke australischer Größen wie AC/DC, Nick Cave und Kylie Minogue. Allein von Minogue sollen mindestens 182 Songs in einem einzigen Trainingsdatensatz gelandet sein.
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Verschärft wurde die Lage durch den jüngsten kommerziellen Erfolg einer KI-gestützten Coverversion von Madonnas „Like a Prayer" durch Josh Fawaz. Der track erreichte Platz eins der nationalen Radio-Airplay-Charts und schaffte es unter die Top 20 der ARIA-Charts – während Madonnas eigenes aktuelles Album nicht einmal eine Chartplatzierung erzielte. Branchenkenner wie Produzent Mitch Thomas und Toby Walsh, Chefwissenschaftler des UNSW AI Institute, sehen darin eine existenzielle Bedrohung für menschliche Kunst. „KI-Werkzeuge, die auf der Arbeit menschlicher Künstler aufbauen, verschärfen die Probleme der Branche zusätzlich", so Walsh.
Internationale Präzedenzfälle
Der Streit in Australien ist Teil eines globalen Konflikts. Erst 2025 zahlte das KI-Unternehmen Anthropic, heute mit über 1,4 Billionen Dollar bewertet, 1,5 Milliarden Dollar zur Beilegung einer Sammelklage von Autoren. Auch die großen Musiklabels Universal und Sony haben rechtliche Schritte gegen die KI-Plattform Suno eingeleitet – wegen der unerlaubten Nutzung von 60.000 Songs.
Australische Künstler wie Missy Higgins und Jessica Mauboy fordern, dass die bestehenden Gesetze – die eine Genehmigung für die Nutzung australischer Inhalte vorschreiben – unangetastet bleiben. Unterstützung erhalten sie von Autoren wie Anna Funder, die bei der Kundgebung in Canberra als Opfer digitaler Ausbeutung vorgestellt wurde.
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Während der Tech Council of Australia unter Vorsitz von Scott Farquhar argumentiert, dass Urheberrechtsausnahmen nötig seien, um Investitionen zu ermöglichen, verweisen Kreativorganisationen auf das kommende EU-KI-Gesetz als mögliches Vorbild. Diese Verordnung, die ab August 2027 die vollständige Offenlegung von Trainingsdaten vorschreibt, könnte den Weg zu mehr Transparenz und einem „Zustimmungsprinzip" ebnen – genau das, was australische Kreative derzeit fordern.
Stimmung in der Bevölkerung
Aktuelle Umfragen zeigen eine verhaltene Haltung der Australier gegenüber Künstlicher Intelligenz: 36 Prozent der Befragten sehen in der Technologie eher ein Risiko als eine Chance, nur 22 Prozent bewerten sie positiv.
Die Regierung reagiert mit neuen Anforderungen: Betreiber von Rechenzentren sollen künftig konkrete Belege für lokale wirtschaftliche Vorteile liefern müssen – etwa Arbeitsplätze und direkte Investitionen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass der technologische Fortschritt auch der Allgemeinheit zugutekommt. Das Kulturministerium arbeitet derweil an langfristigen Lösungen für das Urheberrecht.
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